19. Januar 2018
von Katrin Rönicke
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Staatsbürgerschaft in der digitalen Welt: Wer soll uns regieren?

Was bedeutet Staatsbürgerschaft in einer Welt, in der wir alle längst zu digitalen Reisenden geworden sind? In der wir mit Menschen aus der ganzen Welt kommunizieren und arbeiten können – ohne je eine echte Staatsgrenze mit unserem analogen Körper überqueren zu müssen? Löst die digitale Vernetzung vielleicht sogar irgendwann die analogen Grenzen dieser Welt auf? Was für neue Bürger_innen könnten dadurch entstehen? Werden wir Weltbürger_innen? Oder gar Netz-Bürger_innen?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Diesen Fragen geht das Projekt “Digital X-Ship” auf den Grund, das ein Ergebnis der Jahreskonferenz der Berliner Gazette ist. Sonja Peteranderl hat die Idee der digitalen Staatsbürgerschaft im Kanal “Technologie und Gesellschaft” gepiqt. Sie schreibt:

“Die Projektwebseite bildet einige der diskutierten Ansätze ab und liefert auch praktische Anregungen, wie man seine durch Staatsangehörigkeit erworbenen Privilegien mit anderen Menschen teilen kann…”

Einer derjenigen, die das Projekt mit auf die Beine gestellt haben, ist Michael Prinzinger. Er führt in Berlin ein Unternehmen für IT-Sicherheit und engagiert sich seit Jahren in seiner Freizeit bei der Berliner Gazette. Für ihn ist die “X-Ship” ein Balance-Akt zwischen utopischen oder künstlerischen Ideen und ganz klaren, aktuellen Notwendigkeiten.

James Bridle war auch auf der Konferenz dabei und hat sein Kunstprojekt “Citizen X” vorgestellt. Er sagt: “Die Erarbeitung des Projektes „Citizen Ex“ basiert auf der Art und Weise, wie die NSA in den Vereinigten Staaten darüber entscheidet, ob sie Leute überwacht oder nicht.” – Je nach Verhalten, bekommen die Menschen einfach eine angenommene Staatsbürgerschaft zugeteilt.

Einen ganz radikalen Vorschlag hat die Gründerin der Bitnation, Susanne Tarkowski Tempelhof: Sie will von Firmen regiert werden können, zum Beispiel von TED, der kalifornischen Firma, die für ihre “Ideas Worth Spreading”-Videos weltberühmt ist.

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Weitere Sprecher_innen: Holger Klein
Musikredaktion und Produktion: Barbara Streidl
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5. Januar 2018
von Katrin Rönicke
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Flucht und Afrika

In Deutschland wird viel über Flucht, die Geflüchteten und die Fluchtursachen gestritten. Die EU zeigt sich seit über zwei Jahren unfähig, eine gemeinsame Asyl-Politik zu finden und während in Deutschland noch viele Menschen daran glauben, dass die Merkel-Regierung eine „Willkommens-Politik“ verfolgen würde, sieht die Realität längst anders aus…

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Den Input für die heutige Sendung hat Jannis Brühl gepiqt. Im Kanal „Reportagen und Interviews“ auf piqd.de hat er ein großes Dossier von Foreignpolicy.com ausgesucht, ein 9-teiliger, englischsprachiger Beitrag, der sich genau angesehen hat, wie vor Ort die Flüchtlingspolitik Europas wirkt. Jannis schreibt zu seinem Piq:

“Du denkst, du verstehst die aktuelle Flüchtlingssituation? Tust du nicht, wenn du dieses Textpaket nicht gelesen hast.”

Nicht nur die Reporter von Foreign Policy haben sich diese Realität ganz genau angesehen. Auch in Deutschland gibt es ein groß angelegtes Projekt, das vor Ort recherchiert hat, wie die EU-Politik die afrikanischen Länder verändert und beeinflusst. Das Projekt heißt „Migration Control“. Die taz-Redakteure Christian Jakob, Dominic Johnson, Daniél Kretschmar, Simone Schlindwein haben über viele Jahre daran gearbeitet und es ist auch in deutscher Sprache. Man kann sich tagelang durch das Online-Portal auf migration-control.taz.de lesen.

Für „piqd thema“ habe ich mit Simone Schlindwein darüber gesprochen. Sie ist taz-Korrespondentin in Afrika und zuständig für die Regionen der Großen Seen. Außerdem ist sie Mitautorin des Buches „Diktatoren als Türsteher Europas: Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“.

Die zweite Gesprächspartnerin der heutigen Sendung ist Petra Bendel. Sie ist Professorin für Politikwissenschaften und Akademische Direktorin des Zentralinstituts für Regionenforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Am 11. Dezember hat sie in Berlin die Ergebnisse der Arbeit einer Kommission vorgestellt, die unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Rita Süssmuth die wichtigsten Thesen und Empfehlungen zum Einwanderungsland Deutschland erarbeitet hat. Der Titel des 200-Seitigen Papiers: “Perspektiven für eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Flüchtlings- und Einwanderungspolitik” herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung.

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Redaktion, Moderation: Katrin Rönicke
Weitere Sprecher_innen: Holger Klein und Susanne Klingner
Musikredaktion: Barbara Streidl
Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

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15. Dezember 2017
von Katrin Rönicke
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China: Spaß durch Massenüberwachung?

Citizen Scoring oder Social Credit – das sind zwei Begriffe, die das gleiche beschreiben: Wie in China durch Big Data und massenhaftes Datensammeln, Polizei, Staat und auch private Unternehmen daran arbeiten, den gläsernen Bürger zu schaffen, der mit einem “Score” belegt wird. Besonders “gute Bürger”, also vor allem solche, die politisch nicht als “Gefahr” gesehen werden und sich auch gesund ernähren, bekommen besonders hohe Scores und damit auch gesellschaftliche Privilegien. Wer einen schlechten Schnitt hat, fällt durch. Das System soll 2020 in Kraft treten – doch schon jetzt wird fleißig geschnüffelt und gesammelt.

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

In dieser Folge spreche ich mit Christian Huberts über seinen piq “Social Credit: Eine Highscore in Gehorsam”, der den Aufschlag für die Sendung macht. Christian beschäftigt sich sonst viel mit Gaming-Kultur und zeigt die parallelen der chinesischen Pläne mit den Nudging-Systemen in Online-Spielen auf.

Wie schon heute in China überwacht wird und welche Daten die Machthaber und die Polizei dort bereits in großem Umfang sammeln, berichtet Maya Wang von Human Rights Watch. Sie wirft ein Schlaglicht auf das System “Police Cloud”, das ungewöhnliches Verhalten vorhersagen und politisch “gefährliche” Menschen erkennen soll. Außerdem berichtet sie von dem Einsatz einer DNA-Datenbank in der chinesischen Provinz Xinjiang, in der die DNA der muslimischen Minderheit gesammelt wird.

Auch die Journalistin Angela Köckritz kennt die chinesische Überwachungs- und Datensammel-Lust. Sie hat vier Jahre lang in China gearbeitet und erzählt, wie gerade Journalisten, die zu “politisch gefährlichen” Themen recherchieren, aufpassen und sich absichern müssen und wie sie bei einem Polizeiverhör ihre gesamten WeChat-Nachrichten ausgedruckt vorgelegt bekam.

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Redaktion, Moderation: Katrin Rönicke
Overvoice: Barbara Streidl
Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

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8. Dezember 2017
von Marion
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piqd-Hintergrund | Hypermoral, Heinz-Christian Strache, Lenin-Mythos – Leben wir im Zeitalter der Hypermoral?

Im „piqd-Hintergrund“ kommen Kuratoren und Autoren zu Wort. Wir sprechen einmal im Monat mit klugen Köpfen, die das Netz nach den besten Artikeln durchforsten und dann auf piqd.de empfehlen. Eine Zusammenarbeit zwischen piqd.de und detektor.fm.

Die Neonazi-Vergangenheit eines Spitzenpolitikers

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war als junger Mann in der Neonazi-Szene aktiv. Leila Al-Serori und Oliver Das Gupta haben diese Zeit mit großem Aufwand akribisch und präzise rekonstruiert. Dass ein Politiker mit einer solchen Vergangenheit so erfolgreich Karriere macht, ist in Europa einzigartig und ruft Bedenken hervor. Die Recherche wurde in zwei Teilen in der Süddeutschen Zeitung als “Die Akte Strache” veröffentlicht.

Was wirklich auffällig ist, ist dass er nach wie vor diese Zeit in der Neonazi-Szene nicht einmal als Fehler bezeichnen möchte. Er zieht da keinen Schlussstrich. Er hat offenkundig gar nicht vor sich davon richtig zu distanzieren.Oliver Das GuptaFoto: Süddeutsche Zeitung, Wüllner

Das gespaltene Verhältnis der Russen zu Lenin

Das Radiofeature “Mapping Lenin” von Christine Hamel ist das Ergebnis einer einmonatigen Recherchereise durch Russland. Im Beitrag kommen auch Menschen aus abgelegeneren Orten zu Wort. Die tragen häufig “Lenin” im Namen. Lenin selbst spielt im öffentlichen Leben hingegen kaum mehr eine Rolle.

Der Personenkult um Lenin ist noch lebendig, der Wunsch nach einer Vision in der Welt, dieses Verlangen nach einer Idee, die weit über den Alltag hinausreicht. – Christine Hamel

Die Regierung hat eine wirksame Erzählung um den starken russischen Staat geschaffen. Für Revolutionsgedanken ist da kein Platz.

Das Zeitalter der Hypermoral

In “Sein und Streit” bei Deutschlandfunk Kultur hat der Philosoph Alexander Grau über die “Hypermoral” gesprochen. Also darüber, dass wir immer häufiger moralisch statt sachlich argumentieren. Wer nüchtern argumentiert, gilt schnell als empathielos und unsympathisch, erklärt Grau. Politiker können beispielsweise Zustimmung in der Gesellschaft nicht ausschließlich mit rationalen Argumenten erreichen. Hinzu kommt, dass viele Themen, beispielsweise technischer Natur, heute direkt moralisch diskutiert werden.

Es ist natürlich hochgradig irrational, Atomkraftwerke abzuschalten, weil es ein Erdbeben in Japan gab.

1. Dezember 2017
von Katrin Rönicke
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Instagrams perfekte Körper

Die NEON-Autorin Fiona Weber-Steinhaus nennt es das “Zeitalter der Selbstverarsche”: Wir betonen über und über, wie wichtig es ist, seinen Körper zu akzeptieren, sich mit ihm wohl zu fühlen und das Leben zu genießen – mit all den Pizzen, Steaks und Cupcakes, die eben für Genuss und Lebensqualität stehen. Aber gleichzeitig rümpfen wir die Nase, wenn jemand nicht schlank ist, denn dieses Körperideal haben wir seit den Aerobic-Videos der 90er nicht abgelegt. Gerade in den Sozialen Medien und allen voran auf Instagram inszenieren junge Menschen ihre Fitness und ihren Körper – was macht das mit unserer Gesellschaft?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Martina Kix ist stellvertrende Chefredakteurin von ZEIT Campus und unter anderem piqerin im Kanal “Kopf und Körper”. Sie hat immer wieder Artikel gepiqdt, in denen es um Körperoptimierung, die neuen Fitnessgurus auf Instagram und modernes Essverhalten geht. Und sie findet, dass die Sache mit dem Schönsein und der Fitness so neu gar nicht ist…

Sascha Chaimowicz ist der Autor eines der piqs, die man in Martinas Profil finden kann. Denn er hat in einen Selbstversuch von acht Wochen hart daran gearbeitet, seinen Körper zu stählen und das für das ZEIT Magazin aufgeschrieben. Er berichtet davon was dieser Versuch ihm über seinen Körper beigebracht hat und wie er den Trend zur Fitness sieht.

Sehr viel distanzierter, nämlich mit der wissenschaftlichen Brille, blickt Jakob Hörtnagl auf das Fitnessphänomen, und zwar als Kommunikations- und Medienwissenschaftler vor allem auf die Auswüchse auf Instagram. In der Studie, “Firm body, good life? Visual representations of fitness related contents on Instagram and their appropriation by young women“, haben er und seine Kollegen eine Bildanalyse unternommen und 18- bis 23-jährige Instagram-Nutzerinnen zu ihrem Verhalten befragt.

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Redaktion: Katrin Rönicke
Moderation: Katrin Rönicke
Produktion: Barbara Streidl

Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

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17. November 2017
von Katrin Rönicke
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Was ist Bitcoin?

Es gibt unzählige Beiträge im Internet, die erklären, wie die Technik hinter Bitcoin funktioniert. Aber wer kann schon sagen, was Bitcoin im wirtschaftlichen Sinne ist? Ist Bitcoin eine Art Geld? Eine Währung, bloß eben digital? Wozu ist es da? Wie bemisst sich sein Wert?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Der Journalist und Kulturwissenschaftler Michael Seemann findet genau das an Bitcoin so spannend – denn “die Frage nach dem Wert ist fast schon eine philosophische”. Sein piq, “Was sind Cryptocurrencies wirklich”, soll der Ausgangspunkt für unsere heutige Sendung sein.

Tanzeel Akhtar ist Wirtschaftsjournalistin, sie schreibt unter anderem für die Financial Times und das Wall Street Journal. Sie findet schon, dass Bitcoin wie eine Währung benutzt werden kann – aber dann, so ihre Meinung, sollten die Leute, die damit Profite machen, auch Steuern darauf zahlen. Nur: Bei komplett anonymen Transaktionen ist das natürlich schwer. Wie soll eine digitale Währung reguliert werden? Das geht gar nicht – und genau das ist für viele auch der Reiz an Bitcoin: am Staat vorbei zu wirtschaften.

Der Wirtschaftsexperte Marco Herack von den „Mikro-Ökonomen“ sieht darin nur eine weitere Ausprägung der wachsenden Skepsis gegenüber Staaten und staatlichen Institutionen. Neben solchen Bewegungen wie „Pegida“ und der Angst vor der „Lügenpresse“ oder der Ablehnung der EU, ist Bitcoin eben die Skepsis gegenüber dem Geldsystem. Für ihn zeigt sich in Bitcoin sonst kein konkreter Nutzen, deswegen vermutet er hinter den immer krasser steigenden Werten einen schlichten Hype.

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Redaktion: Katrin Rönicke
Moderation: Katrin Rönicke
Produktion: Barbara Streidl

Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

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27. Oktober 2017
von Katrin Rönicke
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Wenn die Medien hyperventilieren

Berichterstattung ist die vorderste Aufgabe der Medien. Doch manchmal gehen diese zu weit, verlieren sich in Schnappatmung und richten Schaden an. Wann und wie dürfen, sollen oder müssen Medien eigentlich berichten – und wann oder wie besser nicht?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Alexander von Streit ist selbst Journalist und unter anderem Gründer der Krautreporter. Er macht mit seinem piq, “Warum Medien die AfD erfolgreicher gemacht haben – und trotzdem weiterberichtet werden muss” den Aufschlag für die Sendung. Was für Lehren sollten die Medien aus dem AfD-Aufstieg ziehen und wie kann in Zukunft vermieden werden, über jedes Stöckchen, das die Partei hinhält, zu springen?

Katharina Nocun twitterte neulich: “Man stelle sich mal vor, Asylsuchende wären genauso oft in Talkshows eingeladen worden, wie ‘besorgte Bürger'” und schlug damit in eine ähnliche Kerbe. Sie findet, dass im Wahlkampf die Themensetzung der AfD am besten funktioniert hat – dass die Anliegen ganzer Wählergruppen dafür aber gar nicht stattfanden. Geschweige denn die Perspektive von Geflüchteten.

Boris Rosenkranz ist Gründer der Übermedien und als solcher beobachtet er sehr kritisch, was die Kollegen so treiben. Seiner Meinung nach werden bei Taten wie dem Massenmord in Las Vegas, Amokläufen und Terroranschlägen, viel zu oft Details berichtet und weiterverbreitet, die im Zweifel Nachahmer hervorrufen könnten. Denn Aufmerksamkeit spielt bei vielen solchen Taten eine große Rolle – selbst posthum. Auch bei Suiziden würden viele Medien sich nicht an die Vorgaben halten, die Psychologen machen.

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Produktion: Barbara Streidl
Sprecherin: Katrin Rönicke
Redaktion: Katrin Rönicke

21. Oktober 2017
von Marion
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piqd-Hintergrund | Drohnen, Hebammen, gemeinnütziger Journalismus – “Ein Verdacht genügt und es wird auf Knopfdruck getötet”

Im „piqd-Hintergrund“ kommen Kuratoren und Autoren zu Wort. Wir sprechen einmal im Monat mit klugen Köpfen, die das Netz nach den besten Artikeln durchforsten und dann auf piqd.de empfehlen. Eine Zusammenarbeit zwischen piqd.de und detektor.fm.

“Tod per Knopfdruck” – Über die zivilen Opfer von Drohnen-Angriffen

Die Menschen in der afghanischen Provinz sind auf sich allein gestellt. Niemand interessiert sich für sie, niemand kommt sie besuchen. Berichtet wird über sie aus der Distanz. Für Emran Feroz war irgendwann klar: Um authentisch berichten zu können und aus Respekt vor den Betroffenen und Bedrohten musste er mit den Menschen vor Ort reden. Wie schrecklich die Situation für die Menschen in Gebieten mit Drohneneinsätzen ist, wurde ihm erst klar, als er wieder in Deutschland war.

Emran FerozWenn hier ein Unfall passiert, sind gleich Psychologenteams da, betreuen die Menschen. Dort findet so ein Angriff statt, dann gehen die Angehörigen selber hin, sammeln die Leichenteile auf, machen schnell die Beerdigung und dann leben die einfach weiter.Emran Ferozhat ein Buch über den US-amerikanischen Drohnenkrieg geschrieben.

Feroz kritisiert die fatale Widersprüchlichkeit von Drohnenangriffen. Die meisten Staaten, die Drohnenangriffe durchführen, nennen sich demokratische Rechtsstaaten, sagt er. Dort gibt es einen Prozess, bevor jemand verurteilt wird. Im Nahen Osten reicht dann aber auf einmal ein Verdacht aus, um ein Todesurteil zu fällen.

Versorgungsmangel bei Geburten in Berlin – Ein Erfahrungsbericht

Vor der Geburt ihres ersten Kindes hatte Anne Fromm eine klare Vorstellung, wo sie ihr Kind zur Welt bringen will. Es sollte ein Krankenhaus mit Neonatologie sein, einer Station für Neugeborene, falls es bei der Geburt Probleme geben sollte. Als sie dann ihre Wehen bekam, lief plötzlich nichts mehr nach Plan. In der Klinik gab es keinen freien Kreißsaal.
Ich hab mich natürlich auch total allein gelassen gefühlt. Man hat uns die Illusion verkauft, ihr seid bei uns sicher und euch kann nichts passieren und dann heißt es einfach nur: Ja, bei uns heute nicht, auf Wiedersehen, guckt mal, wie es so läuft.- Anne Fromm, taz

Anne Fromm recherchiert nach der Geburt weiter und findet heraus, dass sie nicht die Einzige ist, die eine negative Geburts-Erfahrung gemacht hat.

Gemeinnützige Förderung für Journalisten

Seit 2014 berichtet dekoder.org aus und über Russland. Und für diese exzellente Arbeit wurde die Seite 2016 sogar mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Momentan wird dekoder noch privat von Martin Krohs finanziert und projektbezogen über Stiftungen gefördert. Mittelfristig soll es aber eine Möglichkeit geben, aus dem “dritten”, also dem gemeinnützigen Sektor finanziert zu werden. Denn Krohs meint, Journalismus sei ein gemeinnütziges Kulturgut, das es zu erhalten gelte.

Dekoder Team. Der dekoder bietet Medien und Kompetenz zum Thema Russland. Wir bringen russischen Journalismus und wissenschaftliche Kompetenz aus deutschen Universit‰ten auf eine gemeinsame Plattform.Was wir brauchen, ist ein Qualitätsjournalismus, der ausgewogen ist, der verschiedene Perspektiven aufzeigt, der in die Tiefe geht, Zusammenhänge herstellt etc. Aber dafür Geld zu finden, ist unheimlich schwer.Martin Krohshat dekoder.org gegründet.

Florian Schairer hat die Autorinnen und Autoren dieser Artikel und Reportagen im „piqd-Hintergrund“ getroffen.

13. Oktober 2017
von Katrin Rönicke
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Armes Deutschland – 15 Jahre Hartz IV

Armut in Deutschland – immer wieder ist das ein Thema bei unseren piqern und immer wieder spielt die Frage eine Rolle, inwiefern Hartz IV zur Armut beiträgt, oder als soziale Sicherung wirkt, die davor schützt.

Alle paar Jahre muss die Bundesregierung einen Armuts- und Reichtumsbericht vorlegen und wie der dann debattiert wird, das sieht schematisch immer so aus: Die Linke schimpft und die CDU sagt, dass es viel besser geworden ist und dass es den Deutschen doch ganz gut geht. Aber wie gut geht es den Leuten wirklich, die von Hartz IV betroffen sind? Was sagen Ökonomen, Soziologen und Juristinnen zur sogenannten Agenda 2010, also Hartz IV und seinen Folgen?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Christian Odendahl ist Chefökonom des Londoner Centre for European Reform (CER), ehemals fellow beim Economist und PhD an der Stockholm University und als solcher schreibt und denkt er zu europäischen Wirtschaftsfragen: Eurokrise, Banken, Wachstum, Handel, politische Ökonomie. In seinem Policy Brief “The Hartz Myth: A closer look at Germany’s labour market reforms” hat er untersucht, was die ökonomischen Umstände der Reformen waren.

Anke Hassel ist Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Zusammen mit Christian haben wir über die Geschichte hinter den Reformen gesprochen. Was waren die Beweggründe, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammenzulegen? Und was hat das mit den Menschen gemacht? Anke Hassel bemerkt eine starke Einkommensarmut in Deutschland und alle beide finden, dass man einige Aspekte der Reform weniger hart, großzügiger hätte gestalten können – oder sogar müssen.

Stefan Sell hat eine Professur für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz inne und sein Steckenpferd ist die Arbeitsmarkt – und Sozialpolitik. Er erklärt, warum tatsächlich die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in Hartz IV sind (ob arbeitslos oder arbeitend) als “arm” gelten – und zwar ganz strikt nach internationalen Kriterien.
Das Blöde: Die Hartz-IV-Empfänger, das zeigen Wahlstatistiken, sind vor allem politisch abgehängt, sie gehen viel seltener zur Wahl. Und das wissen Politiker: “Das heißt da gibt es gar keinen Bemühen der Politik zu sagen ‘wir wollen jetzt diese nicht Wähler aktivieren, wir wollen jetzt dass die uns wählen.” Ein Teufelskreis?

Anne Lenze ist Professorin für Familienrecht, Jugendrecht und Sozialrecht an der Hochschule Darmstadt. Sie hat sich vor allem mit dem Phänomen der Kinderarmut unter Hartz IV befasst und mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2010, das Nachbesserungen in der Grundsicherung und damit Chancensicherung und gesellschaftlichen Beteiligung von Kindern gefordert hatte. Anne Lenze sieht nicht, dass die von Ursula von der Leyen durchgeführten Änderungen den vom Verfassungsgericht geforderten Effekt hatten.

Die piqs zur Sendung:

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Produktion: Barbara Streidl
Sprecherin: Katrin Rönicke
Redaktion: Katrin Rönicke

29. September 2017
von Katrin Rönicke
3 Kommentare

Omas Geld und Opas Firma

Es gibt verschiedene Wege, an Geld zu kommen. Die meisten arbeiten dafür, manche bekommen Hilfen von Staat – und manche: erben. Dabei hängen am Geld so große Schlagworte wie „Leistung“ oder „Gerechtigkeit” oder einfach “Mittagessen”…

Schon Winston Churchill hat die Erbschaftssteuer ein

“Korrektiv gegen die Entwicklung einer Rasse von reichen Müßiggängern“

genannt. Aber viel ist von dieser Haltung nicht übrig – in Deutschland sind wir konservativer, als wir denken. Leistung und Gerechtigkeit gelten zwar als Grundprinzipien unserer kapitalistisch funktionierenden Demokratie. Die derzeitige Erbpraxis stellt diese Prinzipien jedoch in Frage und die groß angelegte Lobbyarbeit der sogenannten Familienunternehmen verhindert offenbar, dass sich hier wie sonst auch, ganz im habermasschen Sinne das bessere Argument durchsetzen kann.

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 
Antje Schrupp piqt im Kanal “Volk und Wirtschaft”, sie ist Politikwissenschaftlerin und ihre Position ist die: “Ich hab ne ziemlich radikale Meinung – ich bin dafür, das Erbrecht abzuschaffen, erben müsste verboten sein.” Auf diese Meinung kam sie durch ihre Dissertation zur Ersten Internationalen – als sich Anarchisten und Sozialisten stritten, was der bessere Weg zu mehr Gerechtigkeit sein könnte. Aber Anarchismus – ist das noch zeitgemäß?

Eine Debatte über das Erben ist es auf jeden Fall, findet Julia Friedrichs. Die ist Journalistin, sie schreibt vor allem bei der Zeit. Aber sie ist auch Autorin mehrerer viel beachteter Bücher, etwa das vor zehn Jahren erschienene „Gestatten: Elite“, für das sie am Rekrutierungsprozess von McKinsey teilgenommen hatte. 2015 erschien ihr Buch „Wir Erben: Was Geld mit Menschen macht“, darin hat sie akribisch untersucht, wie sich größere Erbschaften auf die Vermögensverteilung in der Gesellschaft auswirken.

Der Dritte in der Runde ist Rico Grimm. Für die Krautreporter wühlt er sich oft intensiv in ein Thema ein und das hat er auch mit der Lobby der Familienunternehmer gemacht. Sein Artikel „Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren“ erschien vergangene Woche, kurz vor der Wahl – und genau darüber habe ich mit ihm in der Krautreporter-Zentrale gesprochen.

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Produktion: Barbara Streidl
Sprecherin: Katrin Rönicke
Redaktion: Katrin Rönicke