Omas Geld und Opas Firma

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Es gibt verschiedene Wege, an Geld zu kommen. Die meisten arbeiten dafür, manche bekommen Hilfen von Staat – und manche: erben. Dabei hängen am Geld so große Schlagworte wie „Leistung“ oder „Gerechtigkeit” oder einfach “Mittagessen”…

Schon Winston Churchill hat die Erbschaftssteuer ein

“Korrektiv gegen die Entwicklung einer Rasse von reichen Müßiggängern“

genannt. Aber viel ist von dieser Haltung nicht übrig – in Deutschland sind wir konservativer, als wir denken. Leistung und Gerechtigkeit gelten zwar als Grundprinzipien unserer kapitalistisch funktionierenden Demokratie. Die derzeitige Erbpraxis stellt diese Prinzipien jedoch in Frage und die groß angelegte Lobbyarbeit der sogenannten Familienunternehmen verhindert offenbar, dass sich hier wie sonst auch, ganz im habermasschen Sinne das bessere Argument durchsetzen kann.

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 
Antje Schrupp piqt im Kanal “Volk und Wirtschaft”, sie ist Politikwissenschaftlerin und ihre Position ist die: “Ich hab ne ziemlich radikale Meinung – ich bin dafür, das Erbrecht abzuschaffen, erben müsste verboten sein.” Auf diese Meinung kam sie durch ihre Dissertation zur Ersten Internationalen – als sich Anarchisten und Sozialisten stritten, was der bessere Weg zu mehr Gerechtigkeit sein könnte. Aber Anarchismus – ist das noch zeitgemäß?

Eine Debatte über das Erben ist es auf jeden Fall, findet Julia Friedrichs. Die ist Journalistin, sie schreibt vor allem bei der Zeit. Aber sie ist auch Autorin mehrerer viel beachteter Bücher, etwa das vor zehn Jahren erschienene „Gestatten: Elite“, für das sie am Rekrutierungsprozess von McKinsey teilgenommen hatte. 2015 erschien ihr Buch „Wir Erben: Was Geld mit Menschen macht“, darin hat sie akribisch untersucht, wie sich größere Erbschaften auf die Vermögensverteilung in der Gesellschaft auswirken.

Der Dritte in der Runde ist Rico Grimm. Für die Krautreporter wühlt er sich oft intensiv in ein Thema ein und das hat er auch mit der Lobby der Familienunternehmer gemacht. Sein Artikel „Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren“ erschien vergangene Woche, kurz vor der Wahl – und genau darüber habe ich mit ihm in der Krautreporter-Zentrale gesprochen.

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Produktion: Barbara Streidl
Sprecherin: Katrin Rönicke
Redaktion: Katrin Rönicke

3 Kommentare

  1. Danke, guter Überblick zum Thema. Als Argument gg. eine Erbschaftssteuer wird oft aufgeführt, das Erbe bereits versteuerte Einkommen sind und eine zweimalige Besteuerung unrechtens wäre. Kann man dieses Argument entkräften?

    • Hallo,
      das Argument muss aber auch sagen, was es will. Doppelbesteuerung ist so unüblich gar nicht. und es wurde schon einmal von jemandem versteuert, aber nicht von der erbenden Person – sondern von einer, die nun tot ist. Ein Erbe ist zuallererst ein Gewinn, oder? Geld oder Vermögen, das vorher nicht da war und sich jetzt materialisiert. Ausgehend vom Individuum muss man glaube ich dann schon zugeben, dass es etwas anderes ist, als wenn ICH ein Einkommen doppelt versteuern müsste. Das muss ich aber nicht, wenn ich erbe.

      • Danke für die Erklärung. Aber ich befürchte das ist noch nicht überzeugend genug.

        Das Erbe, z.B. in Form eines Bankguthabens, existiert doch bereits, oder was meinst du mit “materialisieren”? Es wechselt ja eigentlich nur den Besitzer.

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