Mascha Jacobs

Dear Reader #14
Cemile Sahin über Künstlerinnen zwischen Bild und Text

Dear Reader #14

Cemile Sahin über Künstler*innen zwischen Bild und Text

 

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Cemile Sahin hat gerade ihr viel besprochenes Debüt „Taxi“ im Korbinian Verlag veröffentlicht.

Mit Mascha Jacobs spricht die bildende Künstlerin über die Entstehungsgeschichte des Romans und die konzeptuelle Idee, die die Romanhandlung antreibt: Eine Mutter inszeniert die Rückkehr ihres im Krieg gefallenen Sohnes. Nach einem Script für eine Serie, an dem sie zehn Jahre geschrieben hat. Mit einem Fremden, der ihren Sohn spielt. Was als Film gedacht war, wird ein Roman. Und so stehen in „Taxi“ nicht nur Mutter und (der falsche) Sohn, sondern auch die Konventionen und Formen beider Medien im Fokus.

„Als ich ganz am Anfang über den Roman nachgedacht habe, hatte ich eher Bilder im Kopf nicht Texte oder Textstellen. Danach hab ich es aufgeschrieben. Das mache ich eh viel beim Schreiben, ob daraus jetzt ein Video wird oder ein Text. Ich gehe immer vom Bild aus.“

 

Das Interesse für das Verhältnis von Fakt und Fiktion, Bild und Wort, führt in diesem wilden und empfehlenswerten Buch zu absurden und rührenden Konstellationen. Und leitet auch das Gespräch zwischen Mascha Jacobs und Cemile Sahin immer wieder auf Künstler*innen, die in beiden Medien arbeiten. Sie sprechen über Künstlerbücher, den Rhythmus beim Schreiben und Bild-Text-Collagen.

Cemile Sahin

Cemile Sahin ist bildende Künstlerin. Sie wurde 1990 in Wiesbaden geboren und ist in Deutschland und England groß geworden. Sie studierte zunächst am Central Saint Martins College of Art and Design in London und machte letztes Jahr ihren Abschluss an der Universität der Künste in Berlin. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Film, Fotografie, Skulptur, Sound und Text. Ihre multimedialen Installationen kreisen um Themen wie Erinnerung und Geschichte – und wie diese dargestellt werden können. In Center Shift einer mehrteiligen Miniserie, an der Cemile Sahin gerade arbeitet, inszeniert sie einen Mord immer wieder neu. Jede der Darsteller*innen will den Mord begangen haben. Ob er wirklich stattgefunden hat und wer ihn begangen hat, bleibt auch hier offen.

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Dear Reader #13
Ann Cotten über ihre Lieblingsbücher und Wissensorganisation

Dear Reader #13

Ann Cotten über ihre Lieblingsbücher und Wissensproduktion

 

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Ann Cotten spricht mit Mascha Jacobs über ihre Lieblingsbücher und wie sie ihr Wissen und das Gelesene organisiert.

„Ich möchte meine Asche mit deiner vermischen“

In dieser Folge von Dear Reader steigen wir in den Kopf der Schriftstellerin Ann Cotten. So kam es Mascha Jacobs, die wie immer durch das Gespräch führt, zumindest bei den Vorbereitungen vor. Danach gefragt, ob sie auch derart obsessive Phasen der Begeisterung kennt, berichtet Ann Cotten von ihrer Verhältnismäßigkeitspanik. Was das genau ist, warum die Autorin Proportionen, die Exzesse des Denkens, Klarheit, Designfragen, Muster, Echos und das Mischen von Tönen aus verschiedenen Soziotopen schätzt, darum geht es in diesem Gespräch.

„Was machen wir eigentlich, wenn wir Literatur machen (machen im Sinne von Lesen und Schreiben, beides).“ Fragt Ann Cotten in ihrer Salzburger Stefan Zweig Poetikvorlesung „Was geht“. Um diese Frage kreist auch unser Gespräch. Denn die praktischen und poetologischen Fragen der Literaturproduktion sind immer auch mit dem Lesen verknüpft.

„Manchmal gibt es ein Bedürfnis zu schreiben, oft gibt es aber eher ein Jucken nach so einer Art geistigem Luxus oder Spaß. Man könnte etwas fassen, man könnte etwas gut verehren. Vielleicht so wie am Anfang von Liebesgeschichten. Da kitzelt etwas."

Wir sprechen über polnisches Gendering, Konkrete Poesie, Wien, Trinkkultur und Literatur, Strukturen, Schönheit, sinnleere Sätze und ihre Lieblingstexte.

Ann Cotten wurde 1982 in Iowa geboren und wuchs in Wien auf. Seit 2007 veröffentlicht sie die meisten ihrer Bücher im Suhrkamp Verlag, wo auch dieses Jahr „Lyophilia“, eine Sammlung von Erzählungen erschienen ist. Ihre Bücher sind wie Spaziergänge durch sehr unterschiedliche Themenfelder und literarische Formen: Essays, Gedichte, Romane und vor allem Texte, die sich zwischen den Gattungen bewegen. Sie sind theoretisch versiert und an der Schönheit der Sprache interessiert, aber wollen auf keinen Fall alles „in die Sprache der Gescheitheit“ übersetzen.

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Dear Reader #12
Leif Randt über seine Lieblingsfilme

Leif Randt spricht in dieser Folge nicht über seine Lieblingsbücher. Er hat seine Lieblingsfilme mitgebracht.

Mascha Jacobs spricht dieses Mal mit Leif Randt, einem der bekanntesten jungen Autoren in Deutschland. Er ist kein Vielleser. Stattdessen schaut er in seiner Freizeit lieber Filme. Und deshalb beeinflussen Filme sein Schreiben auch viel mehr als Texte anderer Autoren. In dieser Ausgabe von Dear Reader spielen Bücher also ausnahmsweise nur eine Nebenrolle. Stattdessen spricht Leif Randt über seine Lieblingsfilme: „Good Time“ von den  Safdie Brothers, „Spring Breakers“ von Harmony Korine, „Mid 90s“ von Jonah Hill, „Tokio Hotel. Hinter die Welt“ von Oliver Schwabe und „The Big Short“ von Adam McKay. Alles Filme, die kein Genre bedienen, sich aber an sie anlehnen – genau wie Leifs Bücher.

„Mehr Filme als Bücher“

Ich schaue Filme, die mir gefallen, oft. Das hat sich bewährt, tiefer in einen Film einzusteigen, fast wie eine Art Fetisch zu entwickeln. Immer wenn ein Film gut ist, wird er besser. Beim zweiten Mal auf jeden Fall, beim dritten Mal wird er schlechter und beim vierten Mal ist er wieder super. – Leif Randt

Was kommt als nächstes?

Leif Randt, Jahrgang 1983, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert und seitdem drei Romane geschrieben. In dieser Folge von Dear Reader geht es vor allem um „Schimmernder Dunst über Coby County“(2011) und „Planet Magnon“ (2015). Er erzählt auch von seinen Ausflügen ins Theater und die Website tegelmedia.net, die er zusammen mit Jakob Nolte betreibt. Ganz am Ende verrät Leif Randt im Gespräch Mascha Jacobs, wie sein nächstes Buch heißen wird und was er als Nächstes vorhat. Prosa wohl erst mal nicht.

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Dear Reader #11
Michael Krüger über das Lesen und Erinnern

Dear Reader #11

Michael Krüger über das Lesen und Erinnern

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Mascha Jacobs spricht mit Michael Krüger, der Grande Dame des Literaturbetriebs, über seine Leselust und das Erinnern.

Immer wieder neu lesen

Im Gespräch mit Mascha Jacobs erzählt Michael Krüger, wie er sich Ende der 1960er-Jahre nach einer Ausbildung zum Buchhändler in London mit Büchern über Filmphilosophie und eine Bibliotheca Dracula bei Hanser einen Namen gemacht hat. Wie er einen Nobelpreisträger nach dem nächsten an den Verlag band. Wie ihm Inge Marcuse einen Vogel zeigte, als er im Urlaub de Sade las. Und was Hubert Fichte zum „Piepen“ fand.

Wenn man jung ist, liest man anders, als wenn man weiß, ich lese das zum letzten Mal. […] Die Überlegung, wann liest man mit anderen Augen als vorher oder nachher, ist sehr wichtig. Deswegen rate ich auch jedem, die Bücher, die wichtig sind, wieder zur Hand zu nehmen. – Michael Krüger

Mitten im Gespräch klingelt außerdem noch Lina Muzur, stellvertretende Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Sie steigt als Überraschungsgast in das Gespräch ein, so viel sei verraten. Aber hört selbst, was Michael Krüger im Gespräch mit Mascha Jacobs genau zu erzählen hat.

Michael Krüger, geboren 1943 in Sachsen-Anhalt, war viele Jahre Verlagsleiter der Carl Hanser Literaturverlage und Herausgeber der „Akzente“. Er ist heute die „Grande Dame“ des Literaturbetriebs, Pate bei „Weiterschreiben“ und Mitglied verschiedener Akademien. Krüger ist außerdem selbst Autor mehrerer Gedichtbände, Novellen, Romane und Übersetzungen. Für sein schriftstellerisches Werk hat er schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

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