Moritz

DEAR READER #5
„Es gibt Sätze, die verfolgen einen das ganze Leben“

Dear Reader #5

„Es gibt Sätze, die verfolgen einen das ganze Leben“

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Tom Kummer ist erst durch seine Interviews berühmt geworden. Und dann noch mehr, weil diese Interviews erfunden waren. Mascha Jacobs hat ihn getroffen. Wie denkt er heute über den Skandal?

Tom Kummer hat ein erfundenes Interview mit Charles Bronson kokett mit „Ein Sitzbad mit Zinnkraut hilft gegen die Tobsucht“ überschrieben. Er hat Courtney Love und Sharon Stone die immer gleichen Sätze in den Mund gelegt. Und er hat damit für einen der größeren Skandale im Journalismus gesorgt. Im Jahre 2000 war das. Heute ist der Skandal um die erfundenen Interviews aber so aktuell wie lange nicht mehr.

Tom Kummer

Tom Kummer, geboren 1961 in Bern, ist ein Schweizer Schriftsteller, der mit seinen erfundenen Interviews mit Hollywoodstars um die Jahrtausendwende einen Medienskandal auslöste. Er hat unter anderem „Good Morning, Los Angeles – Die tägliche Jagd nach der Wirklichkeit“ (dtv, 1996) und die Biografie „Blow Up“ (Blumenbar Verlag, 2007) geschrieben.

Im Frühjahr 2017 ist der autofiktionale Roman „Nina & Tom“ (Blumenbar Verlag) erschienen. Dieses Jahr erscheint er außerdem in der einstigen Wahlheimat Kummers, in den USA. Für den Bildband „LOS ANGELES“ von Christian Werner, der Anfang des Jahres im Korbinian Verlag erschienen ist, hat er exklusiv Interviews erfunden. Dieses Mal aber sind sie auch entsprechend gekennzeichnet.

Mascha Jacobs hat Tom Kummer getroffen. Wie er seine Texte kompiliert hat, welche magischen Techniken des Zufalls er benutzt hat. Warum er schriftliche Interviews erst für das Letzte und heute für eine interessante Kunstform hält. Darüber haben sie sich unterhalten. Tom Kummer erzählt, warum er neben Literaturkritiken eigentlich nur seine zehn Lieblingsbücher immer und immer wieder liest. Und er erzählt von der Melancholie von Los Angeles, „mit seinen verdammten Palmen”. Außerdem liest er aus Kathy Ackers “Harte Mädchen weinen nicht” vor.

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piqd THEMA #63
Das Aus für den INF-Vertrag

piqd THEMA #63

Das Aus für den INF-Vertrag

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Mehr als 30 Jahre ist der INF-Vertrag ein Garant für Frieden und Sicherheit in Europa. Doch nun haben Russland und die USA das Abkommen aufgekündigt. Was bedeutet das für die Sicherheitslage in Deutschland? Und wie kann die Bundesrepublik auf einen neuen Friedensvertrag hinwirken?

Letzte Rettung INF-Vertrag

Am 8. Dezember 1987 atmete Europa auf. Denn US-Präsident Ronald Reagan und der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Michail Gorbatschow unterzeichneten in Washington den sogenannten INF-Vertrag – INF steht dabei für Intermediate Range Nuclear Forces, oder zu deutsch: nukleare Mittelstreckenraketen. Und genau deren Zerstörung und Abzug sah der Vertrag vor. "Der hatte eine ausgesprochene Friedenswirkung. Wir waren damals der Überzeugung, nun ist für die nächsten Jahrzehnte der Frieden gesichert", erzählt Erhard Eppler, SPD-Urgestein und Friedensaktivist.

Vertragsbrüche in Russland

Doch was ist seitdem passiert, dass der Vertrag nun ausläuft? Zum einen hat sich die weltpolitische Lage verändert. Während früher die USA und die UdSSR den Planeten unter sich aufteilten, streben heute mehr Länder nach Macht und Einfluss. So rüsten beispielsweise China, Pakistan oder der Iran auf. Auch mit Mittelstreckenraketen, deren Besitz der USA und Russland durch den INF-Vertrag verboten ist – eigentlich. Nun soll Russland schon seit Jahren vertragsbrüchig sein – offenbar seit 2008, wie die USA vermuten. 2014 haben sie dann Russland erstmals öffentlich beschuldigt, den Vertrag zu verletzen. "Schuld ist natürlich vor allen Dingen Russland, weil sie es nicht geschafft haben, die Staatengemeinschaft und vor allen Dingen die USA zu überzeugen, dass sie diesen Vertrag einhalten. Das wäre ja sicherlich möglich gewesen", ist Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik überzeugt.

Die Rolle Deutschlands

Deutschland war in den 80er-Jahren wie kein anderes Land von der Aufrüstung der Sowjetunion und der USA betroffen. Und auch heute kommt Deutschland eine besondere Rolle zu. Einmal als wichtigstes Land Mitteleuropas. Zum anderen als NATO-Mitglied mit Sitz im Weltsicherheitsrat. Doch welchen Einfluss kann Deutschland nehmen? Wie muss ein neuer Vertrag aussehen? Und warum ist die heutige Situation gefährlicher als in den 1980er-Jahren? Über diese Fragen hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit dem SPD-Urgestein Erhard Eppler und Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik gesprochen. Aus dem aktuellen Bundestag kommen unter anderen Roderich Kiesewetter (CDU), Alexander Graf Lambsdorff (FDP) und Sevim Dagdelen (Linke) zu Wort.

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DEAR READER #4
„Meine Bibliothek ist ein Desaster“

Dear Reader #4

„Meine Bibliothek ist ein Desaster“

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Dieses Mal trifft Mascha Jacobs zwei Autorinnen: Anna Gien und Marlene Stark. Sie haben gemeinsam einen Roman verfasst: "M". Wie die Zusammenarbeit an diesem Text aussah und welche Bücher sie auf diesem Weg begleiteten, darüber haben sie sich unterhalten.

In einer Kritik des Debütromans von Anna Gien und Marlene Stark heißt es, dass es selten vorkomme, dass ein Roman erscheine, der voller Sexszenen stecke und den man nebenbei als Playlist benutzen könne. Und dass es ein guter Text sei.

Eine ziemlich treffende Beschreibung des erotischen Romans „M“, den die beiden Frauen gemeinsam geschrieben haben. Es ist ein sehr lustiges und drastisches Buch. Es geht um die Kunstszene und um weibliche Sexualität. Und ob diese überhaupt abseits pornografischer Klischees und männlicher Vorlagen existiert.

Anna Gien & Marlene Stark

Anna Gien schreibt als freie Autorin für verschiedene Magazine und Zeitschriften über Kunst, Popkultur und Körperpolitik. Sie ist Kolumnistin des Kunstmagazins Monopol. Marlene Stark ist bildende Künstlerin und DJ. Das Schreiben ist schon länger Teil ihrer künstlerischen Praxis. 

Wie schreibt man gemeinsam ein Buch? Und haben die Autorinnen währenddessen auch gleichzeitig zusammen Bücher gelesen? Über diese Fragen und über Schwanzwerdung, Plastikpimmel, Überidentifikationen, Feminismus, sexistische Männerphantasien und Gebrauchsanweisungen für Synthesizer hat Mascha Jacobs mit Anna Gien und Marlene Stark gesprochen.

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DEAR READER #3
„Ich les‘ auch im Gehen auf der Straße“

Dear Reader #3

„Ich les‘ auch im Gehen auf der Straße“

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Für Dear Reader trifft Mascha Jacobs Autorinnen und Autoren. Sie spricht mit ihnen über die Bücher ihres Lebens, die Wege, auf denen Bücher zu ihnen finden, und wie das Gelesene sie verändert. Dieses Mal im Gespräch: Annett Gröschner.

In dieser Folge des Podcasts „Dear Reader – der Literatenfunk“ trifft die Redakteurin Mascha Jacobs auf Annett Gröschner. Die Autorin erzählt davon, wie das Aufwachsen zu DDR-Zeiten ihre Lesebiografie beeinflusst hat. Außerdem sagt sie uns, warum damals noch viel mehr gelesen wurde. Und sie verrät, wie man in der DDR an die Bücher gekommen ist, die schwer zugänglich oder sogar verboten waren.

Annett Gröschner

Annett Gröschner wurde 1964 in Madgeburg geboren. Heute ist sie Autorin, Performerin, Chronistin und Journalistin. Aber angefangen hat eigentlich alles mit einem Job als Ankleiderin am Theater ihrer Heimatstadt. Sie arbeitet oft und vor allem auch gerne zwischen den Künsten. Ihre Veröffentlichungen umfassen Sachbücher, Theaterstücke, Gedichte, Dokumentarliteratur und Romane.

Ihr selbst behagen diese Unterscheidungen, Gattungen und Genres allerdings nicht. Sie versteht sich eher als Grenzgängerin. Das zeigt sich auch in ihrem privaten Literaturgeschmack. Auch da setzt sie lieber auf Werke, die sich nicht ganz zuordnen lassen wollen.

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DEAR READER #2
Wenn’s fliegt, ist’s gut

Dear Reader #2

„Wenn’s fliegt, ist’s gut“

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Für „Dear Reader" trifft Mascha Jacobs Autorinnen und Autoren. Sie spricht mit ihnen über die Bücher ihres Lebens, die Wege, auf denen Bücher zu ihnen finden und wie das Gelesene sie verändert. Dieses Mal im Gespräch: Takis Würger.

Mascha Jacobs trifft in dieser Folge von „Dear Reader“ den Spiegel-Redakteur und Bestseller-Autor Takis Würger. Sein zweiter Roman „Stella“ ist am 11. Januar brandneu im Hanser Verlag erschienen. Was er während seiner Arbeit an dem Roman gelesen hat, wieso er Bücher, die er richtig liebt, an die Wand schmeißt und warum für ihn das Lesen auch mit dem Besuch eines Stripclubs vergleichbar ist. Darüber plaudert er mit Mascha Jacobs im Podcast.

Takis Würger

Takis Würger ist nicht nur Schriftsteller, er ist außerdem auch Journalist. Das ist erst einmal gar nicht so ungewöhnlich, viele Journalisten bringen auch Bücher raus. Würger ist aber auch Boxer – das ist dann schon etwas ungewöhnlicher.

Er selbst versteht sich eher als Handwerker denn als Künstler und ist Kitsch und guter Unterhaltungsliteratur nicht abgeneigt. Takis Würger liest außerdem gerne vor: Im Podcast liest er Passagen aus seinen derzeitigen Lieblingsbüchern.

Welche das so sind, erfahrt ihr in unserer neuen und zweiten Folge von „Dear Reader“. Außerdem spricht Mascha Jacobs mit Takis Würger darüber, warum er kaum Bücher besitzt, obwohl er ständig welche kauft und wann sein Lesehunger aussetzt.

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piqd THEMA #58
Ist der Energiemarkt reif für die Zukunft?

piqd THEMA #58

Ist der Energiemarkt reif für die Zukunft?

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Diese Woche war in Bonn wieder einmal große Klima-Konferenz und alle Medien berichteten, dass es schleppend voran geht. In dieser Folge wollen wir einen Blick auf die konkrete Umsetzung schauen: Die Energiewende. Wir haben ja in den letzten zehn, zwanzig Jahren sehr viele Bemühungen gesehen, die sogenannte Energiewende auch politisch mit Leben zu füllen. Da stellt sich nach all der Zeit einfach die Frage: Wo stehen wir jetzt und wo sollte die Reise hingehen?

Diese Frage diskutiere ich mit Nick Reimer, der diplomierter Energie- imd Umweltverfahrenstechniker, Wissenschaftsjournalist und Gründer von klimaretter.info ist. Auf piqd.de findet ihr ihn im Kanal “Klima und Wandel”. Er sagt: “Die Energiewende wurde erfunden, um einen CO2-freien Weg in die Zukunft zu finden.” Doch: Sie sei halbherzig und schlicht nicht zu Ende gedacht. Außerdem lenke die Frage nach dem Strommarkt regelmäßig davon ab, dass in den anderen Energiesektoren – Wärme, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft – die Fortschritte nicht vorhanden seien. Trotzdem könne der Strommarkt als gutes Beispiel gelten, wie man die Sache angehen müsste.

Urszula Papajak arbeitet bei der “Renewables Grid Initiative”. Die ist verantwortlich für den “Good Practice of the Year”-Award, ein Preis, der von der “Renewables Grid Initiative” zusammen mit der Europäischen Kommission verliehen wird. Es geht darum, ein Projekt auszuzeichnen, das an innovativen Lösungen arbeitet, um mehr erneuerbare Energien in das Energienetz einzuspeisen. Sie arbeitet also ganz konkret an Ideen und Innovationen – denn sie möchte nicht aufgeben, auch wenn sie zugibt, dass die Entwicklungen viel zu langsam gehen.

Der dritte in der Runde ist Ralph Diermann, ebenfalls piqer im Kanel “Klima und Wandel”und Energiejournalist, der unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online oder die NZZ schreibt. Für Ralph ist zwar auch klar, dass es zu langsam geht, aber er sieht auch Chancen, die von Nick angemahnte Beachtung der anderen Sektoren mit neuen Ideen zu wuppen. “Selektorenkopplung” lautet hier das Stichwort. Am Ende sind sich alle einig:

Solange wir nicht aus der Kohle aussteigen, haben die Erneuerbaren keine Chance. Doch wer behindert diesen Ausstieg? Und wie könnte man diese Blockade lockern?

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Katrin Rönicke

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piqd THEMA #57
Wie sollte man mit der Türkei umgehen?

piqd THEMA #57

Wie sollte man mit der Türkei umgehen?

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Deniz Yücel bezeichnete in einem Interview, das er Maybrit Illner diese Woche gab, die Türkische Regierung als “Gangster”. Das stellt sich die Frage: Wie kann, wie soll Deutschland, wie kann Europa mit der Türkei umgehen? Wie geht man mit einem Land um, das politische Geiseln hält? Das die Presse- und Meinungsfreiheit abschafft und im eigenen Land, aber auch hier in Deutschland, unter der türkischstämmigen Bevölkerung, Angst und Misstrauen sät?

Der piqer Dmitrij Kapitelman hat einen Text der taz.gazete-Redakteurin Ebru Tasdemirherausgepiqt. Darin beschreibt diese, wie sie zu einer Pressereise in die Türkei eingeladen wurde und diese auch wahrnahm. In dieser Folge erzählt Ebru von genau dieser Reise und was sie dabei über die AKP, aber auch über die Menschen in der Türkei gelernt hat.

Sezin Oney ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin und piqerin bei piqd.com. Sie kommt ursprünglich aus der Türkei, lebt und arbeitet jetzt aber in Istanbul und Budapest. Sie sieht in Erdogan einen klassisches Populisten – und damit kennt sie sich aus, denn ihre akademische Arbeit befasste sich schon vor zehn Jahren mit dem damals vor allem in Österreich auftretendem Phänomen des Populismus’. Sezin hofft, dass der Westen es irgendwie schafft, die Menschen in der Türkei, die sich noch immer nach Demokratie sehnen und der EU beitreten wollen, wieder eine Stimme und Hoffnung zu geben.

Hart mit dem Westen und der EU ins Gericht geht der Journalist und Blogger Yavuz Baydar, ebenfalls piqer auf piqd.com. Er sieht enorme Versäumnisse der EU und ein Versagen in der Appeasement-Politik, die gefahren wird. Statt wegzuschauen müssten harte Sanktionen gegen die Türkei an der Tagesordnung sein – wenn es nach ihm ginge. Und das nicht nur, weil in diesem einen Land ein populistischer Autokrat die Menschenrechte unterdrückt, sondern auch, weil die demokratischen westlichen Länder selbst mehr und mehr betroffen sind von einem sich ausbreitendem Populismus. Wir brauchen also eine Antwort darauf – nicht nur wegen der Türkei.

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
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piqd THEMA #56
Wie steht es um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland?

piqd THEMA #56

Wie steht es um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland?

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Wenn wir auf Deutschland schauen und die Umstände unter denen Menschen leben, würden wir dann von sozialer Gerechtigkeit oder eher von sozialer Spaltung sprechen? Welche Antwort auf diese Frage gegeben wird, kommt vermutlich stark darauf an, von wo aus man auf die Sache blickt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn etwa scheint zu finden, dass in Deutschland die soziale Sicherung total knorke ist. Aber sehen das die Empfänger_innen von Hartz IV genauso? Wie steht es wirklich um die soziale Gerechtigkeit in diesem Land? Finden wir es raus.

Die Gäste in dieser Sendung

Mind the Gap

Wer Lust bekommen hat, mit anderen über das Thema Soziale Gerechtigkeit / Soziale Spaltung zu diskutieren, dem sei wärmstens die piqd-Facebook-Gruppe “Mind the Gap”empfohlen. Dort diskutieren piqd-Expert_innen und Leser_innen über mögliche Lösungen für das Ungleichheits-Problem, über Auswege aus Angst, Druck und Verunsicherung.

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Katrin Rönicke
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piqd THEMA #55
#DigitalDeceit – Warum wir die Demokratie vor Facebook & Co. retten müssen

piqd THEMA #55

#DigitalDeceit – Warum wir die Demokratie vor Facebook & Co. retten müssen

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Durch die Enthüllungen um die massive Nutzung der Daten unzähliger Facebookuser durch „Cambridge Analytica“, ist eine längst überfällige Debatte in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Wie manipulierbar werden Gesellschaften durch das massive Datensammeln? Lassen sich am Ende sogar Wahlen beeinflussen?

Ben Scott hat sich diese Frage gestellt und versucht, sie empirisch zu beantworten. Seine Suche begann wie die vieler anderer auch, nach dem Schock über das Brexit-Ja der Briten und dann dem unerwarteten Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016. In seinem Papier „#DigitalDeceit (Digitaler Betrug) untersucht er, wie die Mechanismen, die eine immer präzisere Platzierung von Werbung auf digitalen Plattformen ermöglichen, genauso präzise vorraussagen können, wer besonders empfänglich für Propaganda ist.

Gepiqt hat Frederik Fischer das Papier. Als Chefredakteur von piqd setzt er sich seit Jahren intensiv mit dem digitalen Wandel auseinander, hält Vorträge und netzwerkt für eine bessere digitale Zukunft. Dennoch steckte in „#DigitalDeceit“ eine Neuigkeit, die ihn schockiert hat: Wenn schon jetzt mithilfe von Algorithmen Social Media genutzt werden kann, um Leute zu manipulieren, wie wird das erst sein, wenn Künstliche Intelligenz und die geschickte Kombination mit Werkzeugen wie Hootsuite Propaganda regelrecht automatisieren können?

Diese Sorge treibt auch Zeynep Tufekci um. Sie ist Techno-Soziologin, arbeitet an der Universität von North Carolina und in Harward. In ihrem TED-Talk, den sie vor kurzem in New York gehalten hat, malt sie eine dystopische Zukunft: Algorithmen, die uns immer weiter ins Extreme treiben, KIs, die lernen, wann psychische Krankheiten uns besonders anfällig für unkontrollierten Konsum machen, autoritäre Regime, die Facebook dafür bezahlen, einseitige Wahlwerbung zu streuen.

So düster alle diese Entwicklungen sind, die gerade noch am Anfang stehen, so eint alle drei eine Überzeugung: Wir müssen jetzt handeln. Die Politik darf nicht zögern. Es geht um die Zukunft unserer Demokratie.

Shownotes

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Katrin Rönicke
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piqd THEMA #54
#metoo-Debatte: Sind Männer einfach so?

piqd THEMA #54

#metoo-Debatte: Sind Männer einfach so?

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Die Debatte um #metoo reißt nicht ab, vor allem seit sie Anfang des Jahres durch den Fall Dieter Wedel auch in Deutschland angekommen ist. Auch auf piqd.de haben viele der Expertinnen sich mit den Einwürfen verschiedener Medienvertreter, Philosophen, französischen Schauspielerinnen oder Entgegnungen auf diese befasst. Da stellt sich die Frage: Was sagen all diese Geschichten eigentlich über die männliche Sexualität? Finden wir es raus!

In dieser Folge des Podcasts sollen ausnahmsweise zwei piqs in den Fokus genommen werden. Beide befassen sich mit den Einwürfen von Männern. Männern jedoch, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der erste piq stammt von Mascha Jacobs. Sie hat den Einwurf des spanischen Philsophen Paul B. Preciado aufgenommen. Preciado ist Transmann und bekannt durch sein Buch “Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie”. Er vertritt eine queere Idee von Geschlechterrollen, die vor allem darauf abzielt, das Bekehren zu befreien und von veralteten Ideen von “Männlichkeit” und “Weiblichkeit” zu lösen.

Eine gänzlich andere Auffassung von diesen beiden Kategorien vertritt der Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Biologe Markus C. Schulte von Drach. Seiner Auffassung nach sollten die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gerade auch im sexuellen Bereich nicht weiter herunter gespielt und ignoriert werden, sondern mehr Beachtung finden. Er schreibt:

“Wenn wir Sexismus überwinden wollen, müssen wir berücksichtigen, dass Unterschiede zwischen Männern und Frauen auch von Natur aus existieren, weil sie sich über die Evolution entwickelt haben.”

Den Text hat übrigens piqerin Antje Schrupp herausgesucht.

Bei so viel gegensätzlichen Ansichten ist es wichtig, jemanden zur Debatte hinzu zu holen, der vor allem mit der Realität männlicher Sexualität konfrontiert ist, wie die Sexualtherapeutin Bettina Kirchmann. Sie hat in ihrer Praxis viele verschiedene Männer und damit auch viele verschiedene Ideen von Männlichkeit sitzen. Selbst eher feministisch sozialisiert hat die jahrelange Arbeit mit Männern ihr Bild auf diese stark verändert. Ob es Unterschiede gibt? – Ja, sagt sie. Aber woher die kommen, ob von der Natur oder doch durch gesellschaftliche Einflüsse, das könne man kaum sagen.

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Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Barbara Streidl
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