Max

piqd THEMA #69
Wie weit reicht der Arm Pekings?

piqd THEMA #69

Wie weit reicht der Arm Pekings?

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

70 Jahre nach der Staatsgründung hat sich China längst vom Bauernstaat zur globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Doch wie weit reicht der Arm Pekings heute?

Vom armen Bauernstaat, über Mao Zedongs Kulturrevolution, hin zu einer wirtschaftlichen Weltmacht – oder wie Präsident Xi Jinping kürzlich auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei sagte: „In der Mao-Zedong-Ära ist China aufgestanden, in der Deng-Xiaoping-Ära ist China reich geworden, und jetzt ist eine neue Ära angebrochen, in der China stark und mächtig wird.“ Und das ist durchaus als Zeichen an den Rest der Welt zu verstehen.

Die chinesische Regierung fördert seit Anfang des neuen Jahrhunderts chinesische Investoren beim Gang ins Ausland, um dort zu investieren und eben auch um von ausländischen High-Technologiefirmen zu lernen oder Management-Know-How zu erwerben.  – Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Das haben nicht nur die Tausenden Soldaten und Panzer auf der Militärparade zur Siebzigjahrfeier demonstriert, das zeigen auch Chinas Bestrebungen in der Außen- und Handelspolitik. Stichwort: Neue Seidenstraße. 

Neue Seidenstraße bis Europa

Seit 2013 arbeitet die Regierung  in Peking öffentlich an dem riesigen Handelsnetzwerk, das sich von Peking, über Asien und Afrika bis nach Europa erstreckt.

Ausverkauf findet überhaupt nicht statt. Also man muss auch die Größenordnung im Auge behalten. Amerikanische Unternehmen haben zehnmal so viel investiert wie chinesische Unternehmen. – Harald Schumann, Investigate Europe

Dabei investiert der chinesische Staat die wahnwitzige Summe von einer Billion Dollar – in Häfen, in Straßen, in Brücken, in Eisenbahntrassen. Und das selbstverständlich auch in Europa. Eine Recherche des Journalisten-Netzwerks Investigate Europe zeigt, wo und wie China dabei vorgeht.

Wie abhängig ist Europa?

Aber welche Risiken sind damit verbunden? Hat sich Europa längst abhängig gemacht von den Milliarden aus Peking? Und wie kann, wie muss Europa der kommunistischen Parteiendiktatur in Peking entgegen treten, um sich vor Einflussnahme zu schützen?

Unter anderem darüber hat sich detektor.fm-Moderator Philipp Weimar mit Harald Schumann von Investigate Europe und Tagesspiegel sowie Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel unterhalten.

veröffentlicht von Max in piqd THEMA, 0 comments

piqd HINTERGRUND #29
Differenziert diskutieren

piqd HINTERGRUND #29

Differenziert diskutieren – Ost und West, Wahlkampf und Waldsterben

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Im neuen piqd Hintergrund diskutiert Florian Schairer mit Gästen über Datenschutz im Wahlkampf, das Waldsterben als Wahlkampfthema und die Initiativen junger Aktivisten und Aktivistinnen.

Kurz vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sind die Journalistinnen Carina Huppertz, Sabine Cygan, Martin Debes und Josa Mania-Schlegel beim piqd Salon in Leipzig zu Gast gewesen, um mit piqd Hintergrund-Moderator Florian Schairer über Datenschutz im Wahlkampf, das Waldsterben als Wahlkampfthema und die Initiativen junger Aktivisten und Aktivistinnen zu diskutieren.

Ostdeutsche AktivistInnen

Ein Donnerstagabend Ende August, schummriges Licht in der Bar “Links neben der Tanke” im Leipziger Westen. Josa Mania-Schlegel erklärt, weshalb jungen Ostdeutschen etwas gelingt, was die Politik nicht hinbekommt. Er hat für Krautreporter einen Text über junge ostdeutsche Aktivisten und Aktivistinnen geschrieben. Diese würden auch mit Politikverdrossenen ins Gespräch kommen, wie etwa Philipp Rubach von Aufbruch Ost. Mit Nachfragen zur “Treuhandanstalt” verwickelt Rubach auch AfD-Wähler in konstruktive Gespräche. Mania-Schlegel plädiert auch für eine weitere Aufarbeitung der Arbeit der Treuhand.

Ich weiß nicht genau, wie [die mediale Berichterstattung] nach den Wahlen weitergeht. Es wäre schon meine Prognose, dass die AfD keinesfalls in irgendeine Regierung kommt und das Ganze eher abflaut. Und vielleicht würde das dem Osten sogar guttun, wenn nicht mehr jeder Marktschreier die Aufmerksamkeit bekommt, die er einfordert. – Josa Mania-Schlegel

Wahlkampf im Netz

Die freien Journalistinnen Carina Huppertz und Sabine Cygan recherchieren vor allem für den MDR. Für MDR Exakt untersuchten sie die Wahlkampf-Apps einiger Parteien aus Sicht des Datenschutzes. Mithilfe eines Wissenschaftlers konnten sie vor allem den Grünen Mängel nachweisen. Diese speicherten zwischenzeitlich etwa Standortdaten über Haustürgespräche auf den verwendeten Smartphones. Hier bedarf es einiger Überarbeitungen und wohl auch gesetzlicher Richtlinien.

Dadurch, dass die Daten nicht personalisiert erhoben werden, ist es eigentlich erlaubt. – Sabine Cygan

Waldsterben als Wahlkampf-Thema

Thüringer Allgemeine-Chefreporter Martin Debes schreibt auch für DIE ZEIT und hatte im Sommer über den gravierend schlechten Zustand des Waldes in Thüringen berichtet. Vor den Landtagswahlen im Oktober in Thüringen ist das Waldsterben nun auch zum Politikum geworden – und nicht nur Ministerpräsident Ramelow nutzt das Thema im Wahlkampf. Debes zeigte die Absurdität des plötzlich ausbrechenden Engagements der Politiker auf und erklärte geduldig, welchen Schaden Hitze, Dürre und Schädlinge bereits angerichtet haben, aber auch, welche Lösungsvorschläge es bereits gibt.

Die Umweltministerin hat einen Aktionsplan vorgelegt. Der Innenminister einen Feuerwehr-Waldbrandbekämpfungsplan und hat für die […] Kommunen Geld verlangt. Die Opposition hat gesagt, die Bundeswehr muss in den Wald. Die Forstministerin, […] die der ganzen Sache immer etwas hinterherlief, forderte dann ein nationales Waldrettungsprogramm. – Martin Debes

veröffentlicht von Max in piqd Hintergrund, 0 comments

piqd Thema #68
Aufbruch Ost? Zivilgesellschaftliche Bewegungen in Osteuropa

piqd THEMA #68

Aufbruch Ost? Zivilgesellschaftliche Bewegungen in Osteuropa

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Osteuropa - korrupt und autoritätsliebend. Häufig spiegeln sich diese Vorurteile in der Berichterstattung westlicher Medien wider. Doch ist dieses Bild im Jahr 2019 überhaupt noch gültig? Moderator Philipp Weimar spricht mit der Wissenschaftlerin Prof. Gwendolyn Sasse, der freien Journalistin Simone Brunner und Philipp Fritz von der WELT.

Es tut sich was in Osteuropa. In der Ukraine wurde mit Wolodymyr Selensky ein ehemaliger Komiker zum Präsidenten gewählt, in der Slowakei regiert seit Juni die liberale Bürgeranwältin Zuzana Caputova, in Russland – genauer gesagt in Moskau – gab’s große Proteste. Und auch in Tschechien, Polen oder Rumänien gehen die Menschen auf die Straße – gegen autoritäre Herrscher, gegen Korruption und für freie Wahlen.

Klischees Adieu?

Wir wollen in dieser Ausgabe deshalb die Frage diskutieren, ob das klischeebeladene Bild – das wir vor allem in West- und Mitteleuropa haben  – vom korrupten, vom autoritätsliebenden Osteuropa – im Jahr 2019 überhaupt noch gültig ist.  Ob es auf dieser Ebene eine klare Spaltung gibt – zwischen dem Westen und dem Osten.  Und falls nicht, ob man angesichts der zivilgesellschaftlichen Bewegungen, der Wahlerfolge progressiver Kandidaten möglicherweise von einem „Aufbruch Ost“ sprechen kann.

Es gibt in Polen und Ungarn weiterhin große Probleme, was Rechtsstaatlichkeit angeht, was Korruption angeht, das gibt es alles. Aber bei uns kommen diese Nachrichten häufig stärker an als die Tatsache, dass sich auch viele Leute zu Wort melden. – Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien

„In Osteuropa steht es besser um die Demokratie, als viele glauben“

Anlass für die Diskussion ist ein Piq von Simone Brunner, in dem sie eine Kolumne von Harald Schumann im Tagesspiegel  empfiehlt.

Ich fand das einen sehr guten Ansatz von Harald Schumann, dass es gar nicht so düster aussieht in Osteuropa. – Simone Brunner, freie Journalistin

Darin zeigt Harald zum einen relativ schonungslos die Missstände in Osteuropa auf. Er verweist aber auch auf die zivilgesellschaftlichen Bewegungen im Osten Europas. Er hebt die Wahlerfolge von Caputova und Selensky hervor. Und er erinnert daran, dass auch Westeuropa nicht vor Nationalisten oder wie Harald schreibt „Krypto-Faschisten“ wie Matteo Salvini gefeit ist.

So bitter das klingen mag, aber diese Ländern finden ihren eigenen Weg in der EU. Oder in der Konsequenz aus der EU. – Philipp Fritz, WELT-Korrespondent

All diesen Fragen ist detektor.fm-Moderator Philipp Weimar nachgegangen, gemeinsam mit WELT-Korrespondent Philipp Fritz, der freien Journalistin Simone Brunner und Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, die als wissenschaftliche Direktorin das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien leitet.

veröffentlicht von Max in piqd THEMA, 0 comments

piqd HINTERGRUND #28
Urbane Mobilität – Wir brauchen eine Verkehrswende

piqd HINTERGRUND #28

Urbane Mobilität – Wir brauchen eine Verkehrswende

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Im piqd Salon in München haben wir im Juli 2019 über die urbane Mobilität der Zukunft gesprochen, die aktuelle Situation in deutschen Großstädten analysiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Großstädte wie München, Berlin und Hamburg wachsen seit Jahren, doch dort ist der Platz begrenzt. Besonders auf den Straßen: Es fahren noch mehr Autos in der Stadt und nehmen noch mehr Platz ein und bringen schlechte Luft und Feinstaub mit. In München soll sich das unter anderem durch den Radentscheid ändern.

Wie sehr das Auto gegenüber anderen Verkehrsmitteln bevorteilt wird, zeigt Alex Rühle in seinem Text für die Süddeutsche Zeitung anhand vieler exemplarischer Zahlen auf. Zwei Beispiele: 20 % der Stadtfläche von Berlin sind Parkplätze und während die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr in München seit 2004 um 40–60 % teurer geworden sind, kostet Parken immer noch das Gleiche.

Es gibt 47 Millionen Autos in Deutschland, [...] das sind 13 % mehr als 2008. Und jedes dieser Autos braucht einen Platz, wo es steht. Das sind durchschnittlich 12 m². [...] Die Autos die dazu kommen werden außerdem immer schwerer und fetter. – Alex Rühle

Gute Infrastrukturen für das Rad und bessere Verknüpfung mit dem ÖPNV

Umweltjournalistin und piqerin Daniela Becker war Kopenhagen unterwegs und begeistert: Denn für sie ist klar: Radfahren muss sicherer und bequemer werden, wenn mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sein sollen und dafür muss man den Rad, Fuß- und Autoverkehr möglichst trennen. Das heißt auch, dass Radfahrer mehr Platz bekommen müssen.

Es wird nicht gehen, ohne dem stehenden Verkehr, aber auch dem rollenden Autoverkehr Platz wegzunehmen. – Daniela Becker

"Verkehrswende ist mehr als Radinfrastruktur zu schaffen"

Grünen-Politikerin und Radentscheid-Sprecherin Gudrun Lux sagt, dass die Verkehrswende natürlich mehr ist, als Radinfrastruktur zu schaffen. Es kommt vor allem auf die Verteilung von Platz und Geldern an. Auch Lux betont: „Wir werden den Platz den Autos wegnehmen müssen, weil kein anderer Platz da ist.“

Wir sehen heute schon, dass es offensichtlich eine demokratische Mehrheit für die Ziele des Radentscheids gab. […] Wir haben eine demokratische Mehrheit, weil die Bürgerinnen und Bürger ganz klar ihren Willen artikuliert haben. – Gudrun Lux

Andreas Schuster von Green City e. V. stellte einige Sofortmaßnahmen vor: Den Ausbau des Busnetzes, die Umverteilung der Flächen, den Ausbau des Fuß- und Radverkehrs sowie Erlebnisräume und -flächen für die Menschen zu schaffen.

Wir müssen eine neue Qualität der Nähe schaffen, dass die Nutzungen wieder zusammengeführt werden und man gar nicht diese langen Strecken zurücklegen muss und wenn man sie zurückliegt, dann eben mit dem öffentlichen Verkehr. – Andreas Schuster

veröffentlicht von Max in piqd Hintergrund, 0 comments

piqd THEMA #67
Follow-Up zur Klimakrise: Wir brauchen einen radikalen Wandel

piqd THEMA #67

Follow-Up zur Klimakrise: Wir brauchen einen radikalen Wandel

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Im April haben wir in piqd Thema bereits einen Blick auf die Klimakrise geworfen. Seitdem ist viel passiert. Die Fridays-for-Future-Bewegung wurde richtig groß, der Youtuber Rezo landete einen viralen Hit und erst am Donnerstag hat der Weltklimarat IPCC seinen Sonderbericht zur Landnutzung veröffentlicht. In einem "Follow-Up" beleuchtet detektor.fm-Moderator Philipp Weimar die Klimakrise deshalb erneut.

Bisher wird vor allem über den Ausstieg aus der Kohle, nachhaltigen Verkehr oder energetisch sanierte Häuser diskutiert. In dieser Ausgabe gehen wir auch auf die soziale Dimension des Klimawandels ein und beantworten die Frage, wie radikal wir unseren Lebenswandel anpassen müssen.

Ich glaube, die Radikalität ist den meisten Menschen noch nicht bewusst, weil sie glauben, es reicht ein paar Windkrafträder aufzustellen und Solarpanele aufs Dach zu bauen. – Bernd Sommer, Leiter „Klima, Kultur und Nachhaltigkeit“ an der Europa-Universität Flensburg

Außerdem diskutieren wir die Frage, was angesichts der Ereignisse der letzten Wochen und Monate überhaupt noch Hoffnung macht. Alexandra Endres ist Redakteurin bei Zeit Online und eine umtriebige piqerin im Kanal Klima und Wandel. Sie sah sich selbst lange als Optimistin, was die Bewältigung der Klimakrise anbelangt.

In letzter Zeit mehren sich einfach die Alarmsignale, dass es doch schlimmer ist, als wir denken. – Alexandra Endres, ZEIT Online

Gänzlich ungeachtet sollen die technischen Bewältigungsstrategien jedoch nicht bleiben. Immerhin diskutieren wir in Deutschland ausgiebig über die Verkehrswende und den Kohleausstieg. Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher und Präsident des Club of Rome Deutschland, sieht letzteren als wichtigen Faktor für einen deutschen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise.

Der Ausstieg aus der Kohle im Jahr 2038 ist völlig inakzeptabel. – Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

veröffentlicht von Max in piqd THEMA, 0 comments

piqd HINTERGRUND #27
Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

piqd HINTERGRUND #27

Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Kürzlich erst hat Florian Schairer im piqd Salon in München mit Julia Friedrichs, Martin Zeyn und Michael Hirsch über Armut, Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit diskutiert.

Seit über zehn Jahren recherchiert die Journalistin Julia Friedrichs zur Verteilung von Vermögen. Sie hat unter anderem die Arbeit in einem Jobcenter für drei Monate begleitet und ein Buch über das Erbe(n) geschrieben. Im letzten Jahr haben sie und ihr Team mit “Ungleichland”, der ersten Staffel des Dokuprojekts Docupy, auf die krassen Vermögensungleichheiten in Deutschland aufmerksam gemacht.

[Wir können] als erschütternde Bilanz sagen, dass die unteren 40 Prozent von den letzten 20 Jahren Wachstum nicht profitiert haben. Das ist eine Bilanz, die einer Demokratie nicht würdig ist. Julia Friedrichs einer der Köpfe hinter Docupy und mitverantwortlich für das preisgekrönte Projekt "Ungleichland".

Dafür konnten sie mit dem polarisierenden Immobilienunternehmer Christoph Gröner einen sehr vermögenden Menschen begleiten. Gröner findet, Unternehmer sollten Verantwortung übernehmen, und sagt, dass die wirkliche Macht bei den Vermögenden liege.

BR Nachtstudio-Leiter Martin Zeyn und Philosoph Michael Hirsch haben gemeinsam einen sehr dichten Beitrag über Armut geschaffen. In “Symbolische Gewalt: Was Armut und soziale Unsicherheit anrichten“ fragen sie sich, „wie es zu dieser ‚Bestrafung der Armen‘ (Loïc Wacquant) kommen konnte – und was getan werden muss, damit sie endet.“ Armut ist letztlich ein soziales Konstrukt, keine Konsequenz persönlichen Fehlverhaltens.

Wieso erlaubt eine Gesellschaft, dass es Arme gibt, wenn sie selbst reich ist? Und wie kann sie das legtimieren und welche Prozesse laufen da ab? Martin Zeyn leitet das Nachtstudio von Bayern 2.

Friedrichs, Zeyn und Hirsch stellen zunächst ihre Beiträge vor, dann steigen sie in eine gemeinsame Diskussion ein. Es geht um Hartz IV, um den Umgang von Verwaltungsmitarbeiterinnen mit Armen, um die zugrundeliegenden politischen Strukturen, unser Wirtschaftssystem, um den Arbeitsmarkt und zuletzt auch um Lösungen, wie Ungleichheit bekämpft werden kann.

Das klassische Arsenal einer rechtskonservativen Wirtschafts- und Sozialpolitik [ist es] immer gewesen, die Leute zu bedrohen und sie gefügig zu machen über eine repressive Sozialpolitik. Michael Hirsch ist Philosoph und Politikwissenschaftler.

veröffentlicht von Max in piqd Hintergrund, 0 comments

DEAR READER #10
Stipendien für alle! Heike Geißler über das Schreiben und ihre Lieblingsbücher

Dear Reader #10

Stipendien für alle! Heike Geißler über das Schreiben und ihre Lieblingsbücher

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Heike Geißler ist die Lieblingsautorin von Mascha Jacobs. In der neuen Folge von Dear Reader sprechen sie über das Schreiben und Publizieren.

Heike Geißler: die große Liebe

Heike Geißler ist eine deutsche Schriftstellerin, die mit zwei Kindern und Mann in Leipzig wohnt. Sie übersetzt, unterrichtet und überlegt sich immer mal wieder Wege abseits des Literaturbetriebs, auf denen sie ihre Texte zeigt, liest oder aufführt.

Die 1977 in Riesa, Sachsen Geborene hat früh reüssiert. 2002 erschien ihr erster Roman „Rosa“ in der Deutschen Verlagsanstalt. Sie hat 2008 beim Bachmannpreis gelesen, von Stipendien in Rom, Worpswede und Russland gelebt. Ihr grandioser Roman „Saisonarbeit“ wurde letztes Jahr in den USA veröffentlicht.

Das interessiert mich: Wie transferiert man Leben in Literatur. Es ist mir auch ganz wichtig, wenn ich unterrichte, die Leute zu bestärken. Das ist das Leben und das ist ein großes Geschenk für Schreibende. Da passiert halt ständig was. Schön ist es, wenn man ein interessantes Leben hat. Um darüber dann zu schreiben, es zu benutzen. In manchen Momenten lebe ich ja auch einfach professionell, also ich mache bestimmte Erfahrungen als die Autorin Heike Geißler. Heike Geißler über ihre Arbeit, auch als Privatperson.

Stipendien für ALF?

Ihre Bücher treffen genau den richtigen Ton, findet Mascha Jacobs – auch auf ihrer Website. Dort steht auf einem herausgerissen Kalenderblatt: Stipendien für alle. Es ist ein bisschen krickelig, deswegen könnte man auch lesen: Stipendien für ALF. Auch sehr richtig, findet die Autorin in einer ihrer ersten Mails mit der Gastgeberin Mascha Jacobs.

Sie spricht mit Heike Geißler über die richtigen Entscheidungen, Mutterschaft, Authentizität, Erzählperspektiven, Freundschaftsdienste anderer Bücher, Zitate, essayistische Romane, das Unterrichten, Überraschungen, Zirkuskunst, Figuren, die flüchten, Körperbeherrschung, Handstand, ihre Jugend und Amazon gesprochen.

veröffentlicht von Max in Dear Reader, 0 comments

piqd THEMA 66
Disruption – Millennials und Journalismus

piqd THEMA #66

Disruption – Millennials und Journalismus

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Seit Jahren steckt der Journalismus in einer Krise. In Teilen der Bevölkerung schwindet das Vertrauen, Auflagen sinken und damit gehen auch die finanziellen Mittel zurück. Dazu verändert das Internet den Journalismus und prägt das Konsumverhalten einer ganzen Generation - den Millennials.

1969 entwickeln Wissenschaftler das Internet. 20 Jahre später erfindet Tim Berners Lee das World Wide Web. Und legt damit – wie wir heute wissen – einen absoluten Meilenstein. Denn neben der Digitalisierung prägt das World Wide Web unser Leben mittlerweile maßgeblich. Es verändert unsere Kommunikation, hat Einfluss auf unser Denken und durchdringt unser soziales Leben. Kurzum: Es verändert beinahe alles.

"Ich finde es gar nicht so schlecht, dass Journalismus teilweise auch unter einem Finanzierungsdruck steht, weil Journalisten dann anfangen, ihre eigene Arbeit ganz anders zu hinterfragen." – Simon Hurtz, VOCER

 

 

Auch die Berufswelt ist von den beschriebenen Einflüssen betroffen. Insbesondere der Journalismus. Denn der hat sich den letzten 30 Jahren maßgeblich gewandelt. Während Nachrichten früher vor allem über den Fernseher, das Radio oder die Zeitung konsumiert wurden, spielen kostenlose Online-Angebote heute eine prägende Rolle.

"Man sollte nicht immer davon ausgehen, dass wir in den 90er oder 80er Geborenen direkt Hacker wären und uns mit HTML und Co. auskennen." – Kim Ly Lam, Journalistin

Millenials, Internet, Journalismus

Das hat nicht nur Einfluss auf die Konten der Verlagshäuser, sondern auch auf das Rezeptionsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer. Hinzukommt eine Generation, die vom Internet beziehungsweise dem World Wide Web geprägt ist – die Millenials. Und in genau diesem Spannungsfeld bewegt sich die neueste Ausgabe von piqd Thema.

"Wenn wir von Krise sprechen, sprechen wir hauptsächlich von einer Finanzierungskrise. Weil ansonsten würde ich sagen, bietet der Journalismus heute mehr Chancen denn je." – Stephanie Reuter, Geschäftsführerin Rudolf-Augstein-Stiftung

Luise Strothmann von der taz hat darüber bereits in der taz-Kantine mit verschiedenen Gästen diskutiert. Mit dabei waren Simon Hurtz von VOCER, Magdalena Taube (Chefredakteurin der Berliner Gazette und Autorin des Buches „Disruption des Journalismus“), Stephanie Reuter (Geschäftsführerin Rudolf-Augstein-Stiftung) und Kim Ly Lam, die für verschiedene Millenial-Medien schreibt. detektor.fm-Moderator Philipp Weimar hat die Diskussion dann in einem Podcast zusammengefasst.

Text: Philipp Weimar

veröffentlicht von Max in piqd THEMA, 0 comments

piqd HINTERGRUND #26
Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

piqd HINTERGRUND #26

Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Im 26. piqd Hintergrund berichten vier Journalistinnen und Journalisten, was sich seit der Veröffentlichung ihrer Recherche getan hat.

Hannibal: rechtes Untergrundnetzwerk

Als die taz im November 2018 eine große Recherche über ein rechtes Untergrundnetzwerk veröffentlicht hat, ist das Medienecho zunächst verhalten gewesen. Seitdem ist aber einiges passiert, wie Christina Schmidt berichtet: Neben neuen Erkenntnissen, die die taz gewinnen konnte, gab es verschiedene Anhörungen in Berlin, verschiedene Anfragen, und im Februar legte das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Innenausschuss ein neues Papier vor. Darin geht es um einen neuen Typus von rechtsextremen Männern, die sich über wenige Themen radikalisieren und eine eigene Gruppe innerhalb der Rechten in Deutschland bilden.

"Wir sehen schon, dass über solche Netzwerke gesprochen wird, aber auch über Militarisierungstendenzen und natürlich über Rechtsextreme, die in Sicherheitsbereichen oder in Behörden sitzen." Christina Schmidt schreibt für die taz.

CumEx: eine Steuerschweinerei

Christian Salewski hat entscheidend an den #CumExFiles mitgewirkt, der Recherche über den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Nach der Veröffentlichung gab es europaweit große Empörung. Die Regierungen versuchten, die Steuerschlupflöcher schnellstmöglich zu schließen und mittlerweile laufen erste Gerichtsverfahren gegen Verantwortliche. Salewski spricht auch über die Ermittlungen gegen Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm, dem Anstiftung auf Geheimnisverrat vorgeworfen wurde.
"Wenn [...] wir es nicht schaffen, so ein Verhalten auch juristisch zu sanktionieren, weil es zu komplex ist, zu schwer zu beweisen oder weil die Gegenseite mit zu vielen guten Anwälten aufmarschiert, dann wird es irgendwann echt heikel. Denn dass es eine Riesenschweinerei ist und wirklich Geld geklaut wurde, ist unbestritten." Christian Salewski hat die große Recherche zu den CumEx-Files mitkoordiniert.

Sexualisierte Gewalt gegen Erntehelferinnen

Pascale Müller und Stefania Prandi konnten mit ihrer Recherche auf weitreichende sexualisierte Gewalt gegenüber Erntehelferinnen in Südeuropa und Afrika aufmerksam machen. Protesten in mehreren spanischen Städten, Anhörungen vor dem Parlament und einer Sammelklage gegen einen Erdbeerproduzenten stehen eingestellte Verfahren trotz schwerwiegender Vorwürfe und verschleppte Ermittlungen gegenüber. Dennoch gibt es ein größeres (Selbst-)Bewusstsein, dass man sich wehren könne, sagt Pascale Müller. Derzeit recherchieren sie und KollegInnen in einem anderen europäischen Land.

"[Es ist] wirklich ein systemisches Problem, was es offenbar in der Landwirtschaft im mediterranen Raum gibt: Sowohl Belästigung als auch starke Formen der Ausbeutung und Verstöße gegen Arbeitsrechte in diesem Kontext." Pascale Müller wurde für ihre Recherche mehrfach ausgezeichnet.

Wieder jemanden aufnehmen? Würde ich machen.

“Karim, ich muss dich abschieben”, heißt ein Text, den Hannes Koch 2017 für die taz geschrieben hat. Für ein Jahr hatte er einen syrischen Geflüchteten bei sich zuhause aufgenommen, dann wurde es Koch zu viel: zu hoch war die Belastung. Aber das von Koch angemietete WG-Zimmer wollte Karim nicht. Nach seinem Auszug stürzte er bis in die Obdachlosigkeit. Nun geht es ihm besser: Er hat eine Wohnung gefunden und Menschen, die ihn unterstützen. Karim und Koch treffen sich gelegentlich. Koch wird demnächst wieder einen Text schreiben. Und: Einen Geflüchteten würde er wieder aufnehmen.

"Wir treffen uns ab und zu, weil ich wissen will, wie es weitergeht, wenngleich ich ihm nicht mehr helfe, weil es mir irgendwann gereicht hat. Und ich habe die Befürchtung, wenn ich ihm helfen würde, dann geht das alles wieder von vorne los." Hannes Koch schreibt unter anderem für die taz.

Alle Geschichten im 24. piqd Hintergrund wurden mit journalistischen Preisen ausgezeichnet. Oder waren zumindest nominiert.

veröffentlicht von Max in piqd Hintergrund, 0 comments

DEAR READER #9
Die Gründerin: Daniela Seel über das Lektorieren und Schreiben

Dear Reader #9

Die Gründerin: Daniela Seel über das Lektorieren und Schreiben

Apple Podcasts | Deezer | Google Podcasts | Spotify

Daniela Seel lektoriert, publiziert und schreibt auch selbst. Vor einigen Jahren hat sie deswegen einen eigenen Verlag aufgebaut. Nebenbei sitzt sie in mehreren Jurys – und liest auch noch super gerne.

Dieses Mal ist die Autorin und Verlegerin Daniela Seel bei Mascha Jacobs zu Gast. Sie hat Daniela Seel eingeladen, um mit ihr über ihren Verlag KOOKbooks, das Lektorieren, ihre eigenen Gedichte und die Jury-Arbeit zu sprechen. Seel kam überraschenderweise nicht allein und hat schon an der Gegensprechanlage gefragt, ob sie den Kinderwagen mit nach oben bringen kann. Das „Verlagskind“ ist 15 Monate alt und hellwach.

Es ist nicht zuletzt deshalb ein anderer Podcast geworden, als wir es beide vermutet hätten. Der Vater des Kindes hatte doch keine Zeit, um auf das Kind aufzupassen. Kriegen wir schon hin, denkt sich Mascha Jacobs. Umso besser, so bekommt der geneigte Zuhörer, die Zuhörerin mit, wie das ist: mit Kleinkindern zu schreiben, zu arbeiten und zu sprechen.

"Es gibt heute ganz andere Möglichkeiten, mit Kunst umzugehen. Audios, Videos, Digitales. Aber das ist jetzt nicht der Schwerpunkt unseres Verlages." – Daniela Seel

Internationaler Literaturpreis

Wir haben es schon im letzten Podcast angekündigt: am 18. Juni wird der Internationale Literaturpreis im „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin vergeben. In der Jury für den Preis, der einzigartig in Deutschland ist und Übersetzungen und ÜbersetzerInnen ebenso ehrt wie die AutorInnen, sitzen Menschen aus unterschiedlichen Kunstbereichen. So auch Daniela Seel.

Mit ihr spricht Mascha Jacobs über die Jury-Arbeit mit tollen KollegInnen, die Verlagsgründung, Kinder, Sprache, Musik, Rhythmus, das Übersetzen, ihre eigenen Gedichte und über ihre Lieblingsbücher.

veröffentlicht von Max in Dear Reader, 0 comments