Max

piqd HINTERGRUND #27
Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

piqd HINTERGRUND #27

Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

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Kürzlich erst hat Florian Schairer im piqd Salon in München mit Julia Friedrichs, Martin Zeyn und Michael Hirsch über Armut, Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit diskutiert.

Seit über zehn Jahren recherchiert die Journalistin Julia Friedrichs zur Verteilung von Vermögen. Sie hat unter anderem die Arbeit in einem Jobcenter für drei Monate begleitet und ein Buch über das Erbe(n) geschrieben. Im letzten Jahr haben sie und ihr Team mit “Ungleichland”, der ersten Staffel des Dokuprojekts Docupy, auf die krassen Vermögensungleichheiten in Deutschland aufmerksam gemacht.

[Wir können] als erschütternde Bilanz sagen, dass die unteren 40 Prozent von den letzten 20 Jahren Wachstum nicht profitiert haben. Das ist eine Bilanz, die einer Demokratie nicht würdig ist. Julia Friedrichs einer der Köpfe hinter Docupy und mitverantwortlich für das preisgekrönte Projekt "Ungleichland".

Dafür konnten sie mit dem polarisierenden Immobilienunternehmer Christoph Gröner einen sehr vermögenden Menschen begleiten. Gröner findet, Unternehmer sollten Verantwortung übernehmen, und sagt, dass die wirkliche Macht bei den Vermögenden liege.

BR Nachtstudio-Leiter Martin Zeyn und Philosoph Michael Hirsch haben gemeinsam einen sehr dichten Beitrag über Armut geschaffen. In “Symbolische Gewalt: Was Armut und soziale Unsicherheit anrichten“ fragen sie sich, „wie es zu dieser ‚Bestrafung der Armen‘ (Loïc Wacquant) kommen konnte – und was getan werden muss, damit sie endet.“ Armut ist letztlich ein soziales Konstrukt, keine Konsequenz persönlichen Fehlverhaltens.

Wieso erlaubt eine Gesellschaft, dass es Arme gibt, wenn sie selbst reich ist? Und wie kann sie das legtimieren und welche Prozesse laufen da ab? Martin Zeyn leitet das Nachtstudio von Bayern 2.

Friedrichs, Zeyn und Hirsch stellen zunächst ihre Beiträge vor, dann steigen sie in eine gemeinsame Diskussion ein. Es geht um Hartz IV, um den Umgang von Verwaltungsmitarbeiterinnen mit Armen, um die zugrundeliegenden politischen Strukturen, unser Wirtschaftssystem, um den Arbeitsmarkt und zuletzt auch um Lösungen, wie Ungleichheit bekämpft werden kann.

Das klassische Arsenal einer rechtskonservativen Wirtschafts- und Sozialpolitik [ist es] immer gewesen, die Leute zu bedrohen und sie gefügig zu machen über eine repressive Sozialpolitik. Michael Hirsch ist Philosoph und Politikwissenschaftler.

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DEAR READER #10
Stipendien für alle! Heike Geißler über das Schreiben und ihre Lieblingsbücher

Dear Reader #10

Stipendien für alle! Heike Geißler über das Schreiben und ihre Lieblingsbücher

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Heike Geißler ist die Lieblingsautorin von Mascha Jacobs. In der neuen Folge von Dear Reader sprechen sie über das Schreiben und Publizieren.

Heike Geißler: die große Liebe

Heike Geißler ist eine deutsche Schriftstellerin, die mit zwei Kindern und Mann in Leipzig wohnt. Sie übersetzt, unterrichtet und überlegt sich immer mal wieder Wege abseits des Literaturbetriebs, auf denen sie ihre Texte zeigt, liest oder aufführt.

Die 1977 in Riesa, Sachsen Geborene hat früh reüssiert. 2002 erschien ihr erster Roman „Rosa“ in der Deutschen Verlagsanstalt. Sie hat 2008 beim Bachmannpreis gelesen, von Stipendien in Rom, Worpswede und Russland gelebt. Ihr grandioser Roman „Saisonarbeit“ wurde letztes Jahr in den USA veröffentlicht.

Das interessiert mich: Wie transferiert man Leben in Literatur. Es ist mir auch ganz wichtig, wenn ich unterrichte, die Leute zu bestärken. Das ist das Leben und das ist ein großes Geschenk für Schreibende. Da passiert halt ständig was. Schön ist es, wenn man ein interessantes Leben hat. Um darüber dann zu schreiben, es zu benutzen. In manchen Momenten lebe ich ja auch einfach professionell, also ich mache bestimmte Erfahrungen als die Autorin Heike Geißler. Heike Geißler über ihre Arbeit, auch als Privatperson.

Stipendien für ALF?

Ihre Bücher treffen genau den richtigen Ton, findet Mascha Jacobs – auch auf ihrer Website. Dort steht auf einem herausgerissen Kalenderblatt: Stipendien für alle. Es ist ein bisschen krickelig, deswegen könnte man auch lesen: Stipendien für ALF. Auch sehr richtig, findet die Autorin in einer ihrer ersten Mails mit der Gastgeberin Mascha Jacobs.

Sie spricht mit Heike Geißler über die richtigen Entscheidungen, Mutterschaft, Authentizität, Erzählperspektiven, Freundschaftsdienste anderer Bücher, Zitate, essayistische Romane, das Unterrichten, Überraschungen, Zirkuskunst, Figuren, die flüchten, Körperbeherrschung, Handstand, ihre Jugend und Amazon gesprochen.

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piqd THEMA 66
Disruption – Millennials und Journalismus

piqd THEMA #66

Disruption – Millennials und Journalismus

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Seit Jahren steckt der Journalismus in einer Krise. In Teilen der Bevölkerung schwindet das Vertrauen, Auflagen sinken und damit gehen auch die finanziellen Mittel zurück. Dazu verändert das Internet den Journalismus und prägt das Konsumverhalten einer ganzen Generation - den Millennials.

1969 entwickeln Wissenschaftler das Internet. 20 Jahre später erfindet Tim Berners Lee das World Wide Web. Und legt damit – wie wir heute wissen – einen absoluten Meilenstein. Denn neben der Digitalisierung prägt das World Wide Web unser Leben mittlerweile maßgeblich. Es verändert unsere Kommunikation, hat Einfluss auf unser Denken und durchdringt unser soziales Leben. Kurzum: Es verändert beinahe alles.

"Ich finde es gar nicht so schlecht, dass Journalismus teilweise auch unter einem Finanzierungsdruck steht, weil Journalisten dann anfangen, ihre eigene Arbeit ganz anders zu hinterfragen." – Simon Hurtz, VOCER

 

 

Auch die Berufswelt ist von den beschriebenen Einflüssen betroffen. Insbesondere der Journalismus. Denn der hat sich den letzten 30 Jahren maßgeblich gewandelt. Während Nachrichten früher vor allem über den Fernseher, das Radio oder die Zeitung konsumiert wurden, spielen kostenlose Online-Angebote heute eine prägende Rolle.

"Man sollte nicht immer davon ausgehen, dass wir in den 90er oder 80er Geborenen direkt Hacker wären und uns mit HTML und Co. auskennen." – Kim Ly Lam, Journalistin

Millenials, Internet, Journalismus

Das hat nicht nur Einfluss auf die Konten der Verlagshäuser, sondern auch auf das Rezeptionsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer. Hinzukommt eine Generation, die vom Internet beziehungsweise dem World Wide Web geprägt ist – die Millenials. Und in genau diesem Spannungsfeld bewegt sich die neueste Ausgabe von piqd Thema.

"Wenn wir von Krise sprechen, sprechen wir hauptsächlich von einer Finanzierungskrise. Weil ansonsten würde ich sagen, bietet der Journalismus heute mehr Chancen denn je." – Stephanie Reuter, Geschäftsführerin Rudolf-Augstein-Stiftung

Luise Strothmann von der taz hat darüber bereits in der taz-Kantine mit verschiedenen Gästen diskutiert. Mit dabei waren Simon Hurtz von VOCER, Magdalena Taube (Chefredakteurin der Berliner Gazette und Autorin des Buches „Disruption des Journalismus“), Stephanie Reuter (Geschäftsführerin Rudolf-Augstein-Stiftung) und Kim Ly Lam, die für verschiedene Millenial-Medien schreibt. detektor.fm-Moderator Philipp Weimar hat die Diskussion dann in einem Podcast zusammengefasst.

Text: Philipp Weimar

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piqd HINTERGRUND #26
Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

piqd HINTERGRUND #26

Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

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Im 26. piqd Hintergrund berichten vier Journalistinnen und Journalisten, was sich seit der Veröffentlichung ihrer Recherche getan hat.

Hannibal: rechtes Untergrundnetzwerk

Als die taz im November 2018 eine große Recherche über ein rechtes Untergrundnetzwerk veröffentlicht hat, ist das Medienecho zunächst verhalten gewesen. Seitdem ist aber einiges passiert, wie Christina Schmidt berichtet: Neben neuen Erkenntnissen, die die taz gewinnen konnte, gab es verschiedene Anhörungen in Berlin, verschiedene Anfragen, und im Februar legte das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Innenausschuss ein neues Papier vor. Darin geht es um einen neuen Typus von rechtsextremen Männern, die sich über wenige Themen radikalisieren und eine eigene Gruppe innerhalb der Rechten in Deutschland bilden.

"Wir sehen schon, dass über solche Netzwerke gesprochen wird, aber auch über Militarisierungstendenzen und natürlich über Rechtsextreme, die in Sicherheitsbereichen oder in Behörden sitzen." Christina Schmidt schreibt für die taz.

CumEx: eine Steuerschweinerei

Christian Salewski hat entscheidend an den #CumExFiles mitgewirkt, der Recherche über den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Nach der Veröffentlichung gab es europaweit große Empörung. Die Regierungen versuchten, die Steuerschlupflöcher schnellstmöglich zu schließen und mittlerweile laufen erste Gerichtsverfahren gegen Verantwortliche. Salewski spricht auch über die Ermittlungen gegen Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm, dem Anstiftung auf Geheimnisverrat vorgeworfen wurde.
"Wenn [...] wir es nicht schaffen, so ein Verhalten auch juristisch zu sanktionieren, weil es zu komplex ist, zu schwer zu beweisen oder weil die Gegenseite mit zu vielen guten Anwälten aufmarschiert, dann wird es irgendwann echt heikel. Denn dass es eine Riesenschweinerei ist und wirklich Geld geklaut wurde, ist unbestritten." Christian Salewski hat die große Recherche zu den CumEx-Files mitkoordiniert.

Sexualisierte Gewalt gegen Erntehelferinnen

Pascale Müller und Stefania Prandi konnten mit ihrer Recherche auf weitreichende sexualisierte Gewalt gegenüber Erntehelferinnen in Südeuropa und Afrika aufmerksam machen. Protesten in mehreren spanischen Städten, Anhörungen vor dem Parlament und einer Sammelklage gegen einen Erdbeerproduzenten stehen eingestellte Verfahren trotz schwerwiegender Vorwürfe und verschleppte Ermittlungen gegenüber. Dennoch gibt es ein größeres (Selbst-)Bewusstsein, dass man sich wehren könne, sagt Pascale Müller. Derzeit recherchieren sie und KollegInnen in einem anderen europäischen Land.

"[Es ist] wirklich ein systemisches Problem, was es offenbar in der Landwirtschaft im mediterranen Raum gibt: Sowohl Belästigung als auch starke Formen der Ausbeutung und Verstöße gegen Arbeitsrechte in diesem Kontext." Pascale Müller wurde für ihre Recherche mehrfach ausgezeichnet.

Wieder jemanden aufnehmen? Würde ich machen.

“Karim, ich muss dich abschieben”, heißt ein Text, den Hannes Koch 2017 für die taz geschrieben hat. Für ein Jahr hatte er einen syrischen Geflüchteten bei sich zuhause aufgenommen, dann wurde es Koch zu viel: zu hoch war die Belastung. Aber das von Koch angemietete WG-Zimmer wollte Karim nicht. Nach seinem Auszug stürzte er bis in die Obdachlosigkeit. Nun geht es ihm besser: Er hat eine Wohnung gefunden und Menschen, die ihn unterstützen. Karim und Koch treffen sich gelegentlich. Koch wird demnächst wieder einen Text schreiben. Und: Einen Geflüchteten würde er wieder aufnehmen.

"Wir treffen uns ab und zu, weil ich wissen will, wie es weitergeht, wenngleich ich ihm nicht mehr helfe, weil es mir irgendwann gereicht hat. Und ich habe die Befürchtung, wenn ich ihm helfen würde, dann geht das alles wieder von vorne los." Hannes Koch schreibt unter anderem für die taz.

Alle Geschichten im 24. piqd Hintergrund wurden mit journalistischen Preisen ausgezeichnet. Oder waren zumindest nominiert.

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DEAR READER #9
Die Gründerin: Daniela Seel über das Lektorieren und Schreiben

Dear Reader #9

Die Gründerin: Daniela Seel über das Lektorieren und Schreiben

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Daniela Seel lektoriert, publiziert und schreibt auch selbst. Vor einigen Jahren hat sie deswegen einen eigenen Verlag aufgebaut. Nebenbei sitzt sie in mehreren Jurys – und liest auch noch super gerne.

Dieses Mal ist die Autorin und Verlegerin Daniela Seel bei Mascha Jacobs zu Gast. Sie hat Daniela Seel eingeladen, um mit ihr über ihren Verlag KOOKbooks, das Lektorieren, ihre eigenen Gedichte und die Jury-Arbeit zu sprechen. Seel kam überraschenderweise nicht allein und hat schon an der Gegensprechanlage gefragt, ob sie den Kinderwagen mit nach oben bringen kann. Das „Verlagskind“ ist 15 Monate alt und hellwach.

Es ist nicht zuletzt deshalb ein anderer Podcast geworden, als wir es beide vermutet hätten. Der Vater des Kindes hatte doch keine Zeit, um auf das Kind aufzupassen. Kriegen wir schon hin, denkt sich Mascha Jacobs. Umso besser, so bekommt der geneigte Zuhörer, die Zuhörerin mit, wie das ist: mit Kleinkindern zu schreiben, zu arbeiten und zu sprechen.

"Es gibt heute ganz andere Möglichkeiten, mit Kunst umzugehen. Audios, Videos, Digitales. Aber das ist jetzt nicht der Schwerpunkt unseres Verlages." – Daniela Seel

Internationaler Literaturpreis

Wir haben es schon im letzten Podcast angekündigt: am 18. Juni wird der Internationale Literaturpreis im „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin vergeben. In der Jury für den Preis, der einzigartig in Deutschland ist und Übersetzungen und ÜbersetzerInnen ebenso ehrt wie die AutorInnen, sitzen Menschen aus unterschiedlichen Kunstbereichen. So auch Daniela Seel.

Mit ihr spricht Mascha Jacobs über die Jury-Arbeit mit tollen KollegInnen, die Verlagsgründung, Kinder, Sprache, Musik, Rhythmus, das Übersetzen, ihre eigenen Gedichte und über ihre Lieblingsbücher.

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piqd HINTERGRUND #25
Was für eine Sauerei

piqd HINTERGRUND #25

Was für eine Sauerei

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Plastikmüll und Mikroplastik, ein digitaler Überwachungsstaat und die betrügerische Kongo-Prinzessin. Drei Geschichten und ihre Geschichte im piqd Hintergrund aus München.

Digitaler Überwachungsstaat: China macht vor, wie es geht

Social Scoring ist in China im Alltag der Menschen angekommen. Mit Kameras, im Netz und fast allem, was sie tun, werden sie umfassend überwacht. Verhalten, das gegen die Regeln der Regierungspartei verstößt, kann direkt sanktioniert werden. Ein Investigativjournalist, mit dem Knetsch sprechen konnte, darf bspw. nicht mehr fliegen und auch keine Schnellzüge mehr nehmen. Intelligente Kameras, von welchen in China bis 2020 600 Mio. Stück installiert werden sollen, gibt es aber auch schon bei uns.

"Der erste Eindruck, den ich hatte in Peking: Man wird immer überall kontrolliert.", sagt Gabriele Knetsch. Sie ist Journalistin und Feature-Autorin beim Bayerischen Rundfunk, der ARD und für diverse freie Audio-Projekte.

Jedes Jahr landen riesige Mengen deutschen Plastikmülls im Ausland – vor allem in Malaysia

Gemeinsam mit Südostasien-Korrespondent Arne Perras hat Vivien Timmler eine große Recherche über Plastikmüll veröffentlicht. Plastikmüll ist grundsätzlich ein Problem, für asiatische Länder wie Malaysia aber ganz besonders. Seitdem China kaum noch Plastikmüll vom globalen Markt kauft, haben kleinere Länder den Platz übernommen und kaufen auch deutschen Müll. Oft fehlen vor Ort Recycling-Fabriken und der Müll landet in der Natur und im Meer. Dass Müll als Wirtschaftsgut gehandelt werde, sei höchstproblematisch, sagt Timmler. Seit Anfang Mai ist klar: Die Regeln für den Export von Plastikmüll werden endlich verschärft.

"Das Plastik, das wir in den gelben Sack schmeißen, [...] wird nur noch zu 36% recycelt, der Rest wird verfeuert oder exportiert. Vivien Timmler ist Redakteurin bei SZ Wirtschaft und schreibt über Plastikmüll, Nachhaltigkeit und Wirtschaftspolitik."

Die Kongo-Prinzessin: Leben einer Hochstaplerin

Es gab einen Punkt in ihrem Leben, da hatte die angebliche kongolesische Prinzessin Odette alles: wohlhabende Verehrer, Villen und ein Luxusauto. Aus dem nichts tauchte sie 2004 in Frankfurt am Main auf und wurde schnell zum gern gesehenen Gast in gehobenen Kreisen. Mit unglaublicher Dreistigkeit schlägt sie sich durchs Leben, bis alles auffliegt und sie abstürzt. Lorenz Schröter hat beim piqd Salon die krassesten Geschichten aus dem fünfteiligen Radiofeature zusammengefasst.

"Diese schöne Hochstaplerin [hatte] sich das Motto ihres Lebens aus dem Internet besorgt und zwar von Coco Chanel: ‘I didn’t like my lifestory, so I created a new one.’ Und daran hat sie sich auch gehalten." Lorenz Schröter ist Reporter und Weltreisender.

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DEAR READER #8
„Viele von den Texten beginnen in den Büchern“

Dear Reader #8

„Viele von den Texten beginnen in den Büchern“

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Hans-Christian Dany, geboren 1966, lebt als Künstler in Hamburg und ist schon lange im Urlaub von dem, was er tun soll. Wie viele, die nicht wissen, wohin mit sich, schreibt er. Manchmal werden daraus Bücher.

Für diese Podcast-Episode hat Mascha Jacobs Hans-Christian Dany eingeladen. Die beiden kennen sich und kennen sich nicht. Sie beobacht aber seit Jahren seine Arbeit. Sie hat alle seine Bücher gelesen. Aus seinen Essay- und Recherchebüchern zitiert sie immer mal wieder in ihren eigenen Texten. Sie sagt, sie bringen Themen und Fragen, die in der Luft liegen, sehr gut auf den Punkt. Danys Texte sitzen.

"Ich lass mich oft treiben, warte bis mich irgendwas abholt und das entwickelt dann so einen eigenen Sog. Dann muss ich gar nicht mehr viel tun. Ich schreibe aber auch nicht soooo viel. Wie ein Leser, der ab und zu auch Mal schreibt. Viele von den Texten beginnen auch in den Büchern, es gibt einfach so Bücher, die an den Rändern vollgeschrieben sind …" Hans Christian Dany nimmt schon seit einiger Zeit Urlaub von dem, was er eigentlich tun sollte.

Hans-Christian Dany ist einer der besten deutschsprachigen Essayisten. Er selbst, weiß nie so recht, wie er sich nennen soll. Schreibender Künstler? Darüber, und auch über seine generelle Abneigung gegenüber Identitäten, Festlegungen und Begrenzungen hat er mit Mascha Jacobs gesprochen. Aber auch über Mode, Subkulturen, Kisten, Kinder, Kybernetik, Zeitschriften, Materialberge, Listen, Lüge, Leidenschaft, Treue, verminte Worte, Politik, randständiges Wissen, obskure Randgebiete und über das Treiben vor dem eigenen Bücherregal.

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piqd THEMA #65
„Europa ist eine konkrete Hoffnung“

piqd THEMA #65

„Europa ist eine konkrete Hoffnung“

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Das Brexit-Chaos, Europafeinde von links wie rechts und dann hat die EU ohnehin mit politischen Altlasten zu kämpfen - kurz vor der Europawahl gibt es jedenfalls eine Menge Gesprächsstoff. Wir haben uns deshalb gefragt: Ist das noch Europa oder kann das Weg?

"Ist das noch Europa oder kann das weg?" – mit dieser Fragestellung konfrontierten unsere Gast-Moderatoren Jan Kawelke und Vassili Golod beim piqd Salon in Berlin vier Gäste: Caroline Flohr, Paulina Fröhlich, Harald Schumann und Isabell Hoffmann.

Dabei wollten wir konkrete Probleme ansprechen und diskutieren, ohne dabei zu pauschalisieren oder zu beschönigen.

"Es geht hier auch gerade in der Situation, in der viele Leute das Gefühl haben, es bricht viel um, es verändert sich viel, um Haltung." – Isabelle Hoffmann, EUpinions

Europa ist überall Thema, es gibt schließlich auch genügend Gesprächsstoff: Brexit, Rechtspopulismus, die gemeinsame Bewältigung der Klimakrise und natürlich Migration: Auf die wir im Salon aber erst durch eine Frage aus dem Publikum ganz am Ende der Veranstaltung kamen.

"Die öffentliche Meinung oder der mediale Diskurs waren noch nie europäischer als heute. Noch nie konnte man in deutschen Medien so viel darüber erfahren, was die anderen Europäer über Europa und die Institutionen denken wie heute." – Harald Schumann, Investigate Europe

Diese Fragen haben wir beantwortet: Was bedeutet Europa eigentlich für seine Einwohner? Wie tickt die EU? Warum hat sie aktuell so viele Gegner? Und was muss passieren, damit Menschen wieder an die EU glauben?

Brexit und Demokratiedefizite

Und über all dem schwebt immer noch der Brexit und das ganze Chaos, das man da in den letzten Wochen und Monaten beobachten konnte. Hinzu kommt, dass das Europäische Parlament seit Jahren deutliche Demokratiedefizite (dazu eine Empfehlung eines Textes von Harald Schumann) aufweist. Das hinterlässt auch Spuren bei den Bürgerinnen und Bürgern der EU.

"Dazu gehört, dass das europäische Parlament, das einzige Parlament weltweit ist, das keine Gesetze vorschlagen kann, du wählst jemanden, der geht ins Parlament und kann keine Gesetze vorschlagen." – Caroline Flohr, VOLT

"Für die Aktivisten mit denen ich gesprochen habe, ist Europa eine konkrete Hoffnung. Nicht das, was wir heute haben, aber das, was wir übermorgen haben könnten, wenn wir uns engagieren und einbringen und unsere Stimmen in einer europäischen Öffentlichkeit laut machen." – Paulina Fröhlich, Kleiner Fünf, Progressives Zentrum

Den ganzen Salon zusammengefasst hat wieder die wunderbare Isabel Woop, redaktionell unterstützt von Philipp Weimar. Danke an euch! Den kompletten Salon inklusive der wunderbaren Moderation gibt es hier.

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DEAR READER #7
„Mich interessiert die Orientierung an der Oberfläche der Sprache“

Dear Reader #7

„Mich interessiert die Orientierung an der Oberfläche der Sprache“

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Samo Tomšič ist Philosoph und er kennt Mascha Jacobs schon länger. Für die neue Folge haben sie sich unterhalten wie sonst auch – nur eben mit Mikro.

Dieses Mal hat Mascha Jacobs einen Philosophen eingeladen. Samo Tomšič hat Philosophie an der Universität in Ljubljana studiert und wurde 2008 am dortigen Institut für Philosophie zum Thema »Was ist Antiphilosophie?« promoviert. In vergangenen Jahren hat er am Wissenschaftlichen Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste gearbeitet. Und von 2011 bis 2013 war er Alexander von Humboldt-Fellow am Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Philosoph

Seine gegenwärtige Forschung ist den philosophischen Fragen der Formalisierung, der Geschichte des Rationalismus und der Aktualität des strukturalistischen Programms gewidmet. Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt »Modelle in der Gestaltung« an der Humboldt-Universität zu Berlin. Und gerade erst ist im August Verlag Berlin, an dem Mascha Jacobs als Beirätin beteiligt ist, sein Buch „The Labour of Enjoyment. Towards a Critique of libidinal Economy“ erschienen.

Freuds These war, dass diese Disfunktionen der Sprache eigentlich eine Logik besitzen. Das Lesen ist ja eigentlich einer der zentralen Aspekte der psychoanalytischen Praxis. Samo Tomšič über die Sprache.

Aber Mascha Jacobs und Samo Tomšič kennen sich auch privat. Sie haben schon häufiger über Literatur, Sprache, Tics, Psychoanalyse, Politik und Beziehungsweisen gesprochen. Heute halt vor einem Mikrofon. Deshalb ist der Podcast Dear Reader immer noch seinem Motto verpflichtet – dieses Mal sogar eine ganze Stunde lang.

Erzähl doch mal!

Aber es geht nicht nur ums Lesen. Sondern auch um die Rolle von Fiktionen für die Psychoanalyse, um Witze, Versprecher, Disfunktionen von Sprache. Und um die Frage, wie Lust, Sprache und Politik zusammenhängen. Viel Spaß!

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piqd HINTERGRUND #23
Von Sterbenden übers Leben lernen

piqd HINTERGRUND #23

Von Sterbenden übers Leben lernen

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Im Januar war piqd in Leipzig zu Gast. In der Wohnzimmer-Bar “Links neben der Tanke” erzählten Andreas Raabe und Aiko Kempen vom kreuzer-Magazin über den Angriff auf Connewitz 2016, Michael Kraske über das sächsische Problem mit Rechts und Alexander Krützfeldt las aus seinem Buch “Letzte Wünsche”.

Angriff auf Connewitz

Der Überfall von Neonazis und Hooligans auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016 hat Spuren hinterlassen. kreuzer-Chefredakteur Andreas Raabe und Reporter Aiko Kempen beschreiben den Angriff und die Reaktion des Rechtsstaats seitdem. Der Umgang der Justiz mit den Vorfällen gibt Anlass zur Kritik, wie Kempen darlegt. Denn über 200 Menschen, die nach dem Angriff festgenommen wurden, kamen gegen ein (Teil-) Geständnis zumeist mit Bewährungs- und Geldstrafen davon.

"Alle sind, laut ihren Aussagen, in der letzten Reihe gelaufen, haben selbst nichts kaputt gemacht, haben auch nicht gesehen, wie etwas kaputt gemacht wurde und kannten auch niemanden dort." – Aiko Kempen ist Reporter bei kreuzer

Umgang mit Rechts

Journalist Michael Kraske ist ein “Zugezogener”, er ist in Westfalen aufgewachsen. Seit über 25 Jahren lebt er in Leipzig und stellte sich 2017 in einem Artikel die Frage, ob er nicht wieder wegziehen solle. Doch er sei “gekommen um zu bleiben”. Es geht ihm vor allem um die wachsende Zerrissenheit. Verstärkt wird das Gefühl durch Bewegungen wie Pegida, die das Leben in Sachsen für ihn mit sich bringt. Kraske spricht über die Zunahme rassistischer Grenzverletzungen, kritisiert die teilweise “Verständelei” von Medien und blickt voraus auf die anstehenden Wahlen in den östlichen Bundesländern.

"Ich kann etwas überhaupt nicht mehr kritisieren oder skandalisieren, wenn ich es gar nicht mehr ausspreche, sondern, wenn ich von den berühmten 'Sorgen und Ängsten der Bürger' spreche." Michael Kraskefordert eine klare Berichterstattung über rechte Gewalt und rassistische Grenzverletzungen.

Letzte Wünsche

Für ein Jahr konnte Alexander Krützfeldt Frank Wentzlow begleiten. Frank hat seine Frau Lissy an den Krebs verloren. Seitdem engagiert er sich in seinem Verein “Sternenfahrten”. Der ermöglicht todkranken Menschen mit einem umgebauten Krankenwagen ihre letzten Wünsche, denn das blieb Lissy verwehrt. piqd-Chef Marcus von Jordan fasst das Buch so zusammen:

"Alexander Krützfeldt hat ein Buch über den Tod geschrieben. Das heißt, eigentlich ist es ein Buch über das Leben unmittelbar vor dem Tod. Das heißt, eigentlich ist es ein Buch über das Leben. Das Buch heißt „Letzte Wünsche“ und ist bei „rowohlt“ erschienen." – Marcus von Jordan über das Buch

Im piqd-Salon hat Krützfeldt nicht nur aus dem Buch vorgelesen, sondern auch die ein oder andere Anekdote erzählt. Den besten Wunsch, den er miterlebt hat, was sein letzter Wunsch wäre und natürlich, wie er jetzt dem Sterben gegenüber eingestellt ist. Eine ehrliche, humorvolle Auseinandersetzung mit dem Sterben und vor allem Leben, wie sie absolut wünschenswert ist.

"Über Sterben sprechen ist wahnsinnig schwierig, über Sterben ein Jahr zu recherchieren ist vielleicht ein bisschen einfacher, weil man doch eine gewisse Routine kriegt." – Alexander Krützfeldt, Autor und freier Journalist

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