Max

Dear Reader #47
Dilek Güngör über Spiralen und Klarheit: „Schreiben ist für mich, Klarheit im Kopf schaffen“

Dear Reader #47

Dilek Güngör über Spiralen und Klarheit: „Schreiben ist für mich, Klarheit im Kopf schaffen“

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Dilek Güngör hat gerade ein schmales Buch über eine Vater-Tochter-Beziehung geschrieben, das Mascha Jacobs beeindruckt hat. Im Podcast sprechen sie darüber, welche Bücher die Autorin beeinflusst haben.

Über die Nähe zwischen Vater und Tochter

Die Auseinandersetzung mit dem Vater ist in der Literaturgeschichte keine Seltenheit. Viele Autoren haben sich mit ihren Vätern beschäftigt. Weibliche Autorinnen arbeiten sich hingegen oft an der Mutterfigur ab.

Die 1972 in Schwäbisch Gmünd geborene Schriftstellerin Dilek Güngör hat ein Buch geschrieben, in dem sie die Mutter beiseitezuschieben versucht („Mamas Stimme sitzt in den Wänden“), in einen Wellnessurlaub schickt und Tochter und Vater in einer Art Kammerspiel aufeinandertreffen lässt. Ihr autofiktionaler Roman „Vater und ich“ ist im Verbrecher Verlag erschienen und war diesen Sommer schon vor seiner Veröffentlichung für den deutschen Buchpreis nominiert.

Zurecht, findet Mascha Jacobs und hat sie zu Dear Reader eingeladen. Denn Dilek Güngör gelingt das Kunststück in einer einfachen und klaren Sprache von Sprachlosigkeit und Entfremdung zu erzählen. Und ihrem Vater mit diesem Buch gleichzeitig eine Art Liebesbrief zu schreiben, ganz nah zu kommen.

„Ich bin eine ganz faule Schreiberin“

Neben ihrer Lesebiografie sprechen Mascha Jacobs und Dilek Güngör über den langen Weg der Autorin zu einer Form des Schreibens, die sich für sie richtig anfühlt. Entlang Güngörs Lieblingsbüchern, Lidia Yuknavitch: The Chronology of Water, Édouard Levé: Autoportrait und Yaşar Kemal: Töte die Schlange sprechen sie außerdem über spiralförmiges Erzählen und über Fremdheitsgefühle, die wir alle kennen.

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Dear Reader #46
Barbara Kalender über ehrliche Bücher: „Das Tonband wurde aufgestellt und wir erzählten uns Geschichten“

Dear Reader #46

Barbara Kalender über ehrliche Bücher: „Das Tonband wurde aufgestellt und wir erzählten uns Geschichten“

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Barbara Kalender ist Verlegerin, Buchgestalterin, Schriftstellerin und Bloggerin in einer Person und blickt auf eine 40-jährige Karriere zurück. Ein beeindruckendes Lebenswerk, bei dem noch kein Ende in Sicht ist. Mascha Jacobs hat sie getroffen.

Ein beeindruckendes Lebenswerk

Dieses Mal ist Barbara Kalender bei Dear Reader zu Gast. Die 1958 geborene Verlegerin, Buchgestalterin, Schriftstellerin und Bloggerin hat über vierzig Jahre mit ihrem leider letztes Jahr verstorbenen Ehemann Jörg Schröder zusammen gearbeitet. Gemeinsam haben sie den MÄRZ-Verlag geführt, und sie haben über 30 Jahre zusammen geschrieben und veröffentlicht. In den Formaten: „Schröder erzählt“ und in ihrem taz-Blog „Schröder & Kalender“ haben sie gesprochene Sprache in Literatur verwandelt und versucht, so „ehrlich zu erzählen, wie es nur geht.“

Ich lese gerne ehrliche Bücher, das Buch der Knef ist ehrlich, sie beschreibt zum Beispiel auch ihr behindertes Bein, was zu dünn ist, weil sie ja Kinderlähmung hatte. Und sie hat es trotzdem geschafft, sie war eben eine echte Kämpferin. – Barbara Kalender

Der MÄRZ-Verlag: Ein Neustart

Der historische MÄRZ-Verlag und das riesige Archiv des Verlegerehepaars hat dann erst mal auf Eis gelegen. Zusammen mit dem langjährigen Lektor bei Matthes & Seitz, Richard Stoiber, hat Barbara Kalender den Verlag aber wieder zum Leben erweckt. Entlang biografischer Stationen sprechen Barbara Kalender und Mascha Jacobs in dieser Folge von „Dear Reader“ über Grimms Märchen, Gedichte und die Autobiografie von Hildegard Knef.

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Dear Reader #45
Daniel Schreiber über die Funktion von Literatur – Nicht mehr ganz so seltsam und allein

Dear Reader #45

Daniel Schreiber über die Funktion von Literatur – Nicht mehr ganz so seltsam und allein

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Daniel Schreiber hat das Essay der Stunde geschrieben: Allein. Es kommt gerade zur richtigen Zeit, in der wir uns vielleicht alle ein bisschen alleine fühlen. Im Gespräch mit Mascha Jacobs bei „Dear Reader“.

Daniel Schreiber, der vor mehr als zehn Jahren eine sehr gute Biografie über Susan Sontag geschrieben hat, hat während der Pandemie sowas wie das Buch der Stunde verfasst: Allein. Vorher sind von ihm unter anderem noch Geist und Glamour (2007), sowie die hochgelobten Essays Nüchtern (2014) und Zuhause (2017) erschienen.

Er ist dieses Mal zu Gast bei Mascha Jacobs‘ Podcast Dear Reader. Leider nicht in ihrem Arbeitszimmer zwischen ihren Büchern sitzend, sondern aus einem Hotel zugeschaltet. Beide also mal wieder allein, per Videotelefonie miteinander verbunden. Zuvor hatte Mascha Jacobs ihm schon euphorische Nachrichten über sein Essay geschickt, die zusammengefasst sagen sollten: „Durch dein Buch fühle ich mich weniger allein.“ Und so zeichnen die beiden also auf, während sie alleine in ihren Zimmern sitzen.

Für mich ist das Lesen, Literatur lesen, Romane, Essays lesen, Lyrik lesen eines der besten Mittel der Selbstreparatur. Auch eines der besten Mittel, um durch Zeiten wie diese zu kommen. – Daniel Schreiber

Große Kraft der Literatur in Zeiten der Pandemie

In Daniel Schreibers Essay geht es aber nicht nur um selbstbestimmtes Leben abseits der romantischen Supererzählung der Zweisamkeit in Zeiten der Pandemie, sondern auch um Freundschaften, Selbsttäuschungen, Zukunftsfragen, Gärten, Beziehungsweisen, queere Scham und Lektüren. Seine drei mitgebrachten Lieblingstexte sind „Fragmente einer Sprache der Liebe“ von Roland Barthes, „Giovannis Room“ von James Baldwin und „The House of Mirth“ (Das Haus der Freude) von Edith Wharton.

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Dear Reader #44
Dem Talent gerecht werden – Antonia Baum über Mutterschaft und das Schreiben

Dear Reader #44

Dem Talent gerecht werden – Antonia Baum über Mutterschaft und das Schreiben

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Antonia Baum ist nun schon zum zweiten Mal Gast bei „Dear Reader“. Dieses Mal spricht sie mit Mascha Jacobs über Sexismus und Mutterschaft, über Filme und am Rande auch über ihr eigenes Buch.

Es ist das zweite Mal, dass die Schriftstellerin Antonia Baum bei Mascha Jacobs zu Gast ist. Antonia Baum, 1984 geboren, hat Literaturwissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft studiert. Neben Kurzgeschichten hat sie drei Romane und ein Memoir veröffentlicht: „Vollkommen leblos, bestenfalls tot“ und „Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren“, „Tony Soprano stirbt nicht“ und „Stillleben“.

Mutterschaft und Sexismus als wichtige Themen

Dieses Mal sprechen die beiden über den Film „A Woman under the Influence“ von John Cassavetes und mit Gena Rowlands. Außerdem sprechen die beiden über ein YouTube-Interview von Rachel Cusk und das gerade erschienene Grundlagenwerk „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“, das von Nicole Seifert geschrieben wurde und bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Es ist noch immer mein Traum, dass ich mal so angeguckt werde, wie ein Mann angeguckt wurde. – Antonia Baum

Eigentlich wollten sich Antonia Baum und Mascha Jacobs schon beim Westopia Festival für mehrsprachige Literatur über Mutterschaft und Sexismus unterhalten. Aber weil die Kinder krank wurden, ging das nicht. Auch so ein Klassiker, der erklärt, warum Frauen, die viel wollen, manchmal weniger schaffen, als sie wollen würden. Die beiden sprechen über Frauen, die man nicht aushält, formale Fragen, Schreib- und Beziehungsweisen, Kinder, Ressourcenmängel, Abwertung des Weiblichen, strukturelle Benachteiligungen, „Frauenliteratur“, Écriture féminine, Kanonik, Selbstverlust, Wahnsinn und Mutterschaft.

Redaktion: Rabea Schloz

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Dear Reader #43
Leben oder Schreiben? – Heike Geißler über autofiktionale Literatur

Dear Reader #43

Leben oder Schreiben? – Heike Geißler über autofiktionale Literatur

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Mascha Jacobs und Heike Geißler sprechen über ihre liebsten autofiktionalen Bücher und darüber, warum sie mit dem Begriff Autofiktion eigentlich gar nicht so viel anfangen können.

Zu Gast: Heike Geißler …

… ist diese Woche auf dem feministischen Literaturfestival Insert Female Artist in Köln dabei. Dort nimmt sie zusammen mit Mascha Jacobs am digitalen Lesekreis zu „How a Person should be“ von Sheila Heti teil, den das Festival in Kooperation mit dem Literaturblog 54books organisiert. Da sprechen Heike Geißler und Mascha Jacobs dann kritisch über Autofiktion und den Erfolg des Genres.

Zur Vorbereitung haben sich die beiden in einer Sonderfolge von Dear Reader über ihre autofiktionalen Lieblingsbücher unterhalten. Es geht um Gertrude Steins „The Autobiography of Alice B. Toklas“, Helga M. Nowaks „Die Eisheiligen“, Édouard Levés „Autoportrait”, “ I love Dick“ von Chris Kraus und Kate Zambrenos „Drifts. A Novel“. Um Dilek Güngörs „Vater und Ich“, Hèlène Cixous „Three Steps on the Ladder of Writing“ und „Im Stein“ von Christa Wolf. Und natürlich sprechen sie auch über „Saisonarbeit“ von Heike Geißler selbst, DAS Lieblingsbuch von Mascha Jacobs.

Wir sprechen jetzt über Autofiktion, aber autonarrative Texte, die persönlich sind und auch häufig von Frauen geschrieben wurden, die gibt es schon sehr lange. – Heike Geißler

Es ist ein langes Gespräch über Lieblingstexte, aber auch eine Kritik am Sammelbegriff der Autofiktion geworden. Mascha Jacobs und Heike Geißler diskutieren, wie der Begriff innerhalb der Literaturgeschichte immer wieder ab- und aufgewertet wurde. Sie fragen, wie das Nachdenken über weibliche „Bekenntnisse“, die Sehnsucht nach Authentizität und nach kleinen Formen mit einer Literatur zusammenhängen, bei der Leben und Schreiben sich nicht trennen lassen. Außerdem erfahrt ihr, was das alles mit Mut, Scham und Ermächtigung zu tun hat und welche formalen Entscheidungen an der Wahrheit kratzen.

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Dear Reader #42
Literarischer Vampirismus – Clemens Setz über seine Leseliste

Dear Reader #42

Literarischer Vampirismus – Clemens Setz über seine Leseliste

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Clemens Setz und Mascha Jacobs tauschen Buchtipps aus. Aber nicht nur einen oder zwei, sondern gleich eine ganze Buchliste voll. Oder wie Clemens Setz selbst sagt: Er ist die Buchliste.

Zu Gast: Clemens Setz …

… wurde 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik und Germanistik studiert hat. Er lebt als Übersetzer und freier Schriftsteller in Wien. Mittlerweile hat Setz 14 sehr verschiedene Bücher verfasst, die auch ständig prämiert werden. 2011 wurde er zum Beispiel für seinen Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Sein Roman „Indigo“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012. Und für seinen Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ hat er den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2015 erhalten, 2021 folgte schließlich der Georg-Büchner-Preis.

Clemens Setz hat uns mit seinem Buch „BOT. Gespräch ohne Autor“ schon in seinen Zettelkasten und sein Referenzsystem, seine Poetologie hineinlinsen lassen. Nach von seiner Lektorin hingeworfenen Stichworten, Gedanken und Fragen hat er seinen Computer, seinen digitalen Zettelkasten, sein elektronisches Tagebuch, die ausgelagerte Seele des Autors, geöffnet. Ein Buch voller Liebe für andere Texte und Bücher. Genauso wie sein letztes Buch „Die Bienen und das Unsichtbare“, ein literarisches Sachbuch, dass sich um Plansprachen, Megalomanien und um die Liebe für Lebensläufe, Entscheidungen, Beschränkungen und Erweiterungen des Menschen dreht. Beide sind bei Suhrkamp erschienen.

Ich habe ein vampirisches Verhältnis zur Kunst. Das heißt, ich kann auch die Kunst von unangenehmen Menschen genussvoll finden, wenn ich etwas daraus ziehen kann. Alles ist irgendwie auch meine Beute.

Indem ich ein Buch kaufe, verneige ich mich vor der Person. Indem ich es genieße, empfinde ich es als meinen Freund oder meine Freundin, mein Vorbild und mein Tribe, mein Clan-Mitglied.

Der oder die es geschrieben hat, kann mein Gegner, meine Gegnerin sein. Oder ein Jemand, der mir vollkommen fremd ist oder mir sogar Böses will. Selbst das geht. – Clemens Setz

Mehr solcher Plädoyers von Clemens Setz findet man in der neuen Folge von „Dear Reader“ mit Mascha Jacobs. Die beiden sprechen über Setz‘ lange Leseliste und Empfehlungen, über seine Art selbst zu lesen und über sein aktuelles Buch.
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Dear Reader #41
Tijan Sila über Jugend, Sprache, Gewalt, Krieg und Liebe

Dear Reader #41

Tijan Sila über Jugend, Sprache, Gewalt, Krieg und Liebe

 

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In „Krach“ schreibt Tijan Sila über Punkrock, Liebe, Gewalt und wie man sein Leben leben kann – oder könnte. Darüber spricht er mit Mascha Jacobs in der neuen Folge „Dear Reader“.

Zu Gast: Tijan Sila …

… dem sich Mascha Jacobs sofort sehr verbunden gefühlt hat, obwohl sie sich noch nie gesehen haben. Und obwohl ihr Heranwachsen zumindest am Anfang unterschiedlicher nicht hätte sein können.

Mit einer Schussverletzung und Geschwüren Aufgrund von Mangelernährung kommt Tijan Sila mit 13 Jahren nach Deutschland. Der Schriftsteller, 1981 zur Welt gekommen, hatte da schon drei Jahre im belagerten Sarajevo gelebt und den Krieg in all seinen Facetten erlebt. Gewalterfahrungen in der Konzentration und Drastik als ständiger Begleiter.

Und deswegen ist auch sein aktueller Roman – der zwar nicht autofiktional zu verstehen ist, aber viele Erfahrungen des Autors aufnimmt – eine detaillierte Auseinandersetzung mit Identität. Und was Subkulturen mal damit zu tun hatten. In „Krach“, gerade bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht, geht es um Punkrock, Liebe, Gewalt und wie man sein Leben leben kann oder könnte.

 

Dialekt ist in deutscher Literatur absolut tabu. Die deutsche Literatur behauptet immer wieder von sich, sie liebe die Sprache. Aber es ist die Liebe zu einer sehr bestimmten Sprache, die Sprache Thomas Manns, die ich total hasse: ‚drangvoll wilde Bergstraße‘, steht auf der dritten oder vierten Seite vom ‚Zauberberg‘. Ich denke mir: Was willst du von mir? Du spinnst doch! –  Tijan Sila

Darüber sprechen Tijan Sila und Mascha Jacobs bei Dear Reader. Aber auch wie immer über seine Lieblingsbücher: „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert, „Die Gärten der Finzi-Contini“ von Giorgio Bassani und „The Car Thief“ von Theodore Weesner. Sie sprechen auch über Stilisten, Dialekte, Jugendliche, die barbarischen 90er-Jahre, Pubertät, Wildheit, Schreibweisen, Stadtbücherei, Kunstsprachen, Schimpfworte, Schundromane, Gefühle, Krieg, Sommerromane und unerwiderte Liebe.

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Dear Reader #40
Juliane Liebert über Lyrik und ihre Liebe zum Schimpfen

Dear Reader #40

Juliane Liebert über Lyrik und ihre Liebe zum Schimpfen

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Juliane Liebert liest nicht so gerne ihre Gedichte vor – woran liegt’s? Unter anderem darüber spricht Mascha Jacobs mit der Autorin in einer neuen Episode von „Dear Reader“.

Dieses Mal ist Juliane Liebert bei Mascha Jacobs zu Gast. Liebert, geboren 1989 in Halle an der Saale, hat an der Universität der Künste in Berlin studiert und arbeitet als freie Autorin und Journalistin. Unter anderem ist sie für die Süddeutsche Zeitung, Die ZEIT und den Spiegel tätig. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, schreibt sie Lyrik und Prosa. Zuletzt sind zwei neue Werke von ihr erschienen: „Hurensöhne. Über die Schönheit und Notwendigkeit des Schimpfens“ bei starfruit publications und der Gedichtband „Lieder an das große Nichts“ bei Suhrkamp.

 

Juliane Liebert: Die Liebe zum Schimpfen

Mascha Jacobs und Juliane Liebert treffen sich digital, um über das Lesen und Schreiben zu sprechen – und vor allem über Gedichte und das Vorlesen. Dazu passend gibt es auch die drei Lieblingswerke von Liebert, und auch dort sind einige Gedichte dabei: „ZÜRN“ von Unica Zürn, „Die Ballade von den Vogelfreien“ von François Villon (dtv), „Zur Feier meines Uterus“ von Anne Sexton (Fischer) und Diana Wynne Jones: „Das wandelnde Schloss“ (Knaur).

Es war als Kind ja eh immer interessanter, die Erwachsenenbücher zu lesen. Ich glaube, das Tolle daran war, dass man nur die Hälfte verstanden hat. Wenn es jetzt als Erwachsene noch mal Bücher gäbe, bei denen man einfach ein Viertel nicht verstehen würde, aber man weiß, dieses Viertel ergibt irgendwie Sinn, das wäre fantastisch. Das muss mal jemand schreiben. –  Juliane Liebert

Neben den Lieblingstexten sprechen die beiden auch über Trost, Musik, Gaunereien und die Lesesozialisation der Autorin. All dies hört ihr in der neuen Folge von „Dear Reader“.

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Dear Reader #39
Dorothee Elmiger: „Ich bin eine Leserin“

Dear Reader #39

Dorothee Elmiger: „Ich bin eine Leserin“

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In dieser Folge hat Mascha Jacobs die 1985 in der Schweiz geborene Schriftstellerin Dorothee Elmiger eingeladen, um mit ihr über ihre Lieblingstexte und über ihre neues Buch zu sprechen.

Dorothee Elmiger hat Literatur am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studiert, sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Hinzu kommt ein Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Luzern und Berlin. Zurzeit lebt und arbeitet sie in Zürich und produziert Essays, Texte, Romane und Montagen zur Kunst. Nach Elmigers Büchern „Einladung an die Waghalsigen“ (2010) und „Schlafgänger“ (2014) hat sie 2020 ihren dritten Roman veröffentlicht: „Aus der Zuckerfabrik“.

 

Dorothee Elmiger: Bücher als Ausgangspunkt

Dafür hat sie einiges an Aufmerksamkeit geerntet. Unter anderem stand sie auf der Shortlist für den Deutschen und den Schweizer Buchpreis 2020. Ihr Buch ergründet die Zusammenhänge zwischen dem Begehren und europäischem Kolonialismus. Der Zucker als Genussmittel, das Begehren als weit in der Geschichte zurückverfolgbarer Antrieb. Elmiger kreiert eine Montage aus Recherchen, Lektüren, Gesten und Gesprächen. Dabei ist sie verspielt sowie maßlos, widerspenstig und experimentell. Ein Buch, bei dem alles zusammenhängt, sich aber nirgendwo ein klarer Plot abzeichnet.

Ich bin keine Autorin, die sich alles ausdenkt. Ich bin eine Leserin. Ich hoffe immer, dass es nicht nur dabei bleibt, aber für mich sind die Bücher und Lektüren ein ganz wichtiger Anfangspunkt. – Dorothee Elmiger

Mascha Jacobs spricht in dieser Folge von „Dear Reader“ mit Dorothee Elmiger über ihr aktuelles Buch „Aus der Zuckerfabrik“, aber auch über Selbstlegitimierung, Wiederholungen, das Spielerische, Zufälle, Comics, Geschwindigkeiten, Regeln, Sprache und was man mit Literatur bewirken kann.

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Dear Reader #38 </br> Timon Karl Kaleyta: „Ich wollte immer jemand sein, der viel liest.“

Dear Reader #38
Timon Karl Kaleyta: „Ich wollte immer jemand sein, der viel liest.“

Dear Reader #38

Timon Karl Kaleyta: „Ich wollte immer jemand sein, der viel liest.“

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Dieses Mal spricht Mascha Jacobs mit Timon Karl Kaleyta. Es geht um seine Lieblingsbücher, Ernsthaftigkeit und Humor.

Timon Karl Kaleyta ist ein Ex-Popsternchen aus dem Ruhrgebiet. Mit seiner Band „Susanne Blech“ hat er mehrere Alben veröffentlicht. Er studierte in Bochum, Madrid und Düsseldorf und ist Gründer des Instituts für Zeitgenossenschaft IFZ. Nach dem finanziellen Ruin mit der Musik schrieb er darüber einen Text („Wie ich mal fast Popmusiker geworden wäre und darüber vorübergehend verarmte“), der den Lektor des Piper Verlags veranlasste, ihm einen Buchvertrag zu unterbreiten. Seither lebt er als Kolumnist, Drehbuchautor und Ehemann einer erfolgreichen Kunsthändlerin in Berlin. Der besagte Roman ist gerade unter dem Titel „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ erschienen.

Timon Karl Kaleyta und sein Schelmenroman

Es bestehen Ähnlichkeiten zu der Biografie seines Verfassers. Allerdings ist der Ich-Erzähler jemand, der sich ständig irrt, sich selbst überschätzt, ausschließlich aussichtslose Kämpfe kämpft, immer zu spät oder auf dem Holzweg ist und sich selbst belügt. Ein großes Lesevergnügen, das dem derzeit beliebten Genre der Autofiktion noch mal einen neuen Dreh gibt. Timon Karl Kaleyta orientiert sich an der Gattung des Schelmenromans und interessiert sich für Humor und Ernsthaftigkeit. Wie in einem seiner mitgebrachten Lieblingsbücher „Rot und Schwarz“ von Stendhal kämpft auch sein Ich-Erzähler gegen die Übermächte der Welt.

Das ist für mich das Thema bei allen Büchern, die ich mitgebracht habe. Dass man den Mächten der Welt nicht entrinnen kann […]. Diesen Fatalismus schätze ich sehr. Das ist das Gegenteil von „Yes we can“. – Timon Karl Kaleyta

Es geht in dem Gespräch zwischen Mascha Jacobs und Timon Karl Kaleyta auch um „1979“ von Christian Kracht und „Den Untergeher“ von Thomas Bernhard. Sie sprechen darüber, was man der Literatur überhaupt noch hinzufügen kann, über Stilparodien, Überaffirmationen und doppelte Böden.

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