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piqd HINTERGRUND #33 </br> Wem gehört die Stadt?

piqd HINTERGRUND #33
Wem gehört die Stadt?

piqd HINTERGRUND #33

Wem gehört die Stadt?

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Die 33. Folge von piqd Hintergrund ist gleichzeitig auch die letzte. Im Finale spricht Florian Schairer über eine Recherche zum Mietmarkt, eine Reise durch Mexiko und Daten, die von Smartphones gesammelt werden. In über drei Jahren waren damit mehr als 100 Journalist*innen zu Gast im Podcast und auch in unseren piqd Salons. Florian Schairer hat diesem Podcast als Moderator und Produzent seinen Stempel aufgedrückt, wofür wir sehr dankbar sind. Wir wünschen Euch viel Freude beim Hören dieser Folge.

Angespannter Mietmarkt

Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv startet ein Investigativteam von BR Recherche und BR Data eine umfassende Recherche zum Immobilienmarkt in München, Augsburg und Würzburg. Dafür sammeln die Journalisten und Journalistinnen zunächst Daten über freiwillige „Informations-Spenden“ von Mietern. Das Ziel ist zu erfahren, wem eigentlich was gehört und wie sich der Mietmarkt entwickelt.

Wem gehört die Stadt?” wurde von Correctiv bereits mit verschiedenen Partnern in mehreren deutschen Städten durchgeführt. Das Team konnte dabei unter anderem in Berlin einen versteckten Großeigentümer aus Großbritannien ausfindig machen. Investigativjournalistin Verena Nierle, verantwortet für den BR das Projekt. Sie spricht im Podcast gemeinsam mit dem Aktivisten Tilmann Schaich über ihre Arbeit.

Wir nutzen die gesammelten Informationen der Recherche, um ein Schlaglicht zu werfen auf den Immobilienmarkt, um Strukturen und Muster zu erkennen und […] herauszufinden, wo sich der Markt verändert, hin zum Investorenmarkt. Wir wollen Missstände aufdecken und auch auf bislang unbekannte Probleme stoßen. – Verena Nierle, Leiterin BR Data & BR Recherche

Wem gehören meine Daten?

Für den SZ-Schwerpunkt “Digitale Privatsphäre: Wie wir uns verraten” haben Hannes Munzinger und Felix Ebert an einer Recherche über die Daten, die unsere Smartphones über uns preisgeben, gearbeitet. Neben personalisierten Werbeprofilen gibt es auch besonders verräterische Apps wie jene Zyklusapps, die Menstruationsdaten von Nutzerinnen etwa an Facebook weitergeben. Munzinger und Ebert sprechen im Podcast über technische Schutzmaßnahmen und Initiativen für mehr Datenschutz.

Grundsätzlich ist es notwendig, dass jeder Einzelne auch ein Bewusstsein dafür hat, dass er digitale Dienste nicht nutzen kann, ohne Spuren zu hinterlassen, also nichtmal nur über das Aufrufen einer Webseite. – Hannes Munzinger, Investigativjournalist bei der Süddeutschen Zeitung

 

Das Land voller Hoffnung

Schon mehrfach hat die Journalistin Alexandra Endres Lateinamerika und zuletzt vor allem Mexiko bereist. Über ihre Reise von Cancún bis Tijuana hat sie ihr zweites Buch geschrieben: “Niemand liebt das Leben mehr als wir. Mexiko – In einem Land voller Hoffnung. Im Mittelpunkt stehen ihre Begegnungen mit den Menschen vor Ort und deren Geschichten. Diese stecken voller Hoffnung, sind aber auch mit Widersprüchen und Tragik gespickt.

Ich habe versucht in jedem Ort, an dem ich war, möglichst interessante Menschen zu treffen und über diese Menschen zu schreiben.” – Alexandra Endres ist Autorin und Journalistin für DIE ZEIT

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Dear Reader #18
„Bücher waren immer eine Flucht“ – Annette Weisser über ihren Krebs und die Verbindung zum Lesen

Dear Reader #18

„Bücher waren immer eine Flucht“ – Annette Weisser über ihren Krebs und die Verbindung zum Lesen

 

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Annette Weisser hat ihren Debütroman auf Englisch geschrieben – unüblich! Warum hat sie das getan – und wovon handelt das Buch? Darüber spricht sie mit Mascha Jacobs in einer neuen Folge von „Dear Reader“.

In dieser Folge spricht Mascha Jacobs mit der Künstlerin und Autorin Annette Weisser. Die bildende Künstlerin hat die letzten 14 Jahre in Los Angeles gelebt und dort am Art Center College in Pasadena gelehrt. Heute ist sie wieder zurück in Berlin.

Vom Krebs und seinen Metaphern

Ihr Debütroman „Mycelium“ ist im Herbst bei Semiotexte auf Englisch erschienen. Das titelgebende Myzelium, die feinen, fadenförmigen, meist unsichtbaren Zellgeflechte, dessen sichtbare Fruchtkörper Pilze sind, geben schon einen Hinweis auf die Form des Romans. Kurze Szenen, Fragmente, Gedanken, ethnografische Einblicke in den weiblichen Alltag. Zusammengehalten von einer Erzählerin, die gegen eine Brustkrebserkrankung kämpft. Es werden unterirdische Verbindungen zwischen ganz unterschiedlichen Arten der weiblichen Produktivität erkundet.

Weisser hatte selbst Brustkrebs, heute ist sie aber gesund. Ihre eigene Geschichte hat sie auch für ihren Roman inspiriert. Denn gerade, dass Krebs immer auch in Metaphern besprochen und gedacht wird, hat sie während ihrer Erkrankung selbst gestört. Welchen Einfluss hatte das auf ihren Roman?

Ich glaube, das ist wirklich was, das Frauen in die Literatur hineingetragen haben: die Möglichkeit, dass das Profane und das Heilige immer gleichzeitig nebeneinanderstehen. Dass man das eine ohne das andere nicht denken kann. – Annette Weisser

Darüber spricht sie mit Mascha Jacobs im Podcast „Dear Reader“ – und noch über vieles mehr: warum sie ihr Buch auf Englisch geschrieben hat, wie sie zum Lesen gekommen ist, was sie mit dem Lesen verbindet – und natürlich, was heute ihre Lieblingsbücher sind. Außerdem geht es um Sprachwechsel, Faschismus, Pilze, Mutterschaft, Schuld, Metaphern, Analogien, Tod, deutsche Geschichte, Komik, hohe Ideale, Selbstüberschätzung, Autofiktion, Widerstände, Alltag, Produktionsbedingungen, gesellschaftliche Normen, Matriarchat, Angst, Symptome, Chris Kraus, männliche Musen, gescheiterte Liebesgeschichten, Selbstermächtigung und Readymade-Sätze.

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Dear Reader #17
Jackie Thomae über Lesesucht und Langmut – „Ich bleibe auch im Kino sitzen, wenn ich den Film schlecht finde“

Dear Reader #17

Jackie Thomae über Lesesucht und Langmut – „Ich bleibe auch im Kino sitzen, wenn ich den Film schlecht finde“

 

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Jackie Thomae bleibt dran, auch wenn es mal nicht so richtig spannend ist. Mascha Jacobs spricht mit ihr über die Art des Lesens und darüber, welche Bücher sie besonders faszinieren.

Jackie Thomae, die Vielleserin

Jackie Thomae ist eine Journalistin und Autorin. Zunächst hat sie zwei Sachbücher geschrieben, 2014 ist dann ihr erfolgreicher Debütroman „Momente der Klarheit“ erschienen. Ein guter Start also, 2019 folgte dann der Gesellschaftsroman „Brüder“. Damit schaffte sie es sogar auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019.

Sie erzählt in diesem Gesellschaftsroman anhand zweier exemplarischer und sehr unterschiedlicher Biografien, „wie wir zu den Menschen werden, die wir in der Mitte unseres Lebens sind“. In dem Roman geht es neben der Sozialisation zweier Brüder, die die Söhne eines senegalesischen Vaters und deutscher Mütter sind, in einer weißen Mehrheitsgesellschaft auch um Männerprobleme, Beziehungen, Pubertät, Clubkultur, das Übersetzen, London, Berlin und Überforderung. Dass es kein Buch ist, das ausschließlich strukturellen Rassismus zeigen will, ist der Autorin wichtig.

Ich behaupte nicht, dass es keinen Rassismus gibt. Sie sind sich auch ihrer Außenseiterposition bewusst, aber die Darstellung dieser Momente obliegt ganz allein mir, das ist das tolle am fiktionalen Arbeiten. Da bin ich, liebe Freunde, Gott. – Jackie Thomae, lachend.

Für mehr Langmut beim Lesen

Die Autorin plädiert in diesem Gespräch mit Mascha Jacobs für den Langmut beim Lesen. Ob sie den in ihrer Kindheit und Jugend in der DDR eingeübt hat, welche Leserituale sie bis heute beibehalten hat und wo sie am liebsten liest, darüber sprechen die beiden Frauen. Auch wenn Jackie Thomae keine „lebenslangen Lieblingsbücher“ hat, spricht sie im Podcast über ausgewählte wichtige Lektüren.

Redaktion: Mascha Jacobs

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piqd HINTERGRUND #32
Vier Tage auf der Flucht

piqd HINTERGRUND #32

Vier Tage auf der Flucht

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Florian Schairer spricht mit Till Ottlitz über die Flucht seiner Mutter aus der DDR, mit Sebastian Krause über illegale Sportwetten und mit Andrea Böhm über die Arbeit von Auslandskorrespondenten.

Eine persönliche DDR-Fluchtgeschichte

Bärbel Ottlitz will 1973 mit ihrer Mutter aus der DDR fliehen. Ihr Plan geht zunächst nicht auf, nur die Mutter schafft es sicher nach West-Berlin. Sie selbst ist vier Tage lang auf der Flucht vor den Behörden. Ihr Sohn Till Ottlitz ist Journalist, er hat 2019 für den BR eine “sehr persönliche Radiodoku” auf den Spuren der Flucht produziert und kehrt mit seiner Mutter zu den Orten des Geschehens zurück.

Sie hat sich dann wieder daran erinnert, wie dieser Moment war, wo die Autotür zu ging und das Auto wegfuhr weil […] sie sich nie zuvor so einsam gefühlt hatte wie in diesem Moment. - Journalist Till Ottlitz

Ohne Stringer keine Auslandsreportagen

Als “Stringer” bezeichnen Reporter ihre Nachrichtenhelfer im Ausland. Stringer sind oftmals essenziell für das Gelingen der Berichterstattung, sie sind “Türöffner, Frühwarnsystem, Dolmetscher, Fahrer und Stadtführer in einer Person. Also die guten Geister hinter unseren Geschichten, deren Namen meist nie erwähnt werden.” Andrea Böhm ist Nahost-Korrespondentin und immer wieder auf Stringer, wie den jungen Libyer Moodi angewiesen. Er wurde im Herbst durch eine Granate getötet. Böhm schrieb in der ZEIT einen Nachruf auf Moodi, der auch stellvertretend die Arbeit von Stringern würdigt.

Das Stück ist auch ein Eingeständnis oder eine leichte Entschuldigung [Stringern] gegenüber, dass wir ihre Arbeit oft nicht genug würdigen. Sie riskieren da sehr viel mehr als wir, weil wir sind diejenigen, die kurz reinschneien und dann wieder abreisen. - Auslandskorrespondentin Andrea Böhm

Sportwetten sind ein Problem

Wer im Fernsehen oder Stream Fußball schaut, kommt um die Werbespots großer Sportwettenanbieter nicht vorbei. Sie werben mit bekannten Gesichtern, Olli Kahn oder Basti Schweinsteiger und geben sich möglichst sympathisch. Wie gefährlich diese jederzeit verfügbaren Wetten sind, wird dabei meist nicht deutlich genug kommuniziert. Das sei problematisch, vor allem die Live-Wetten, sagt der BR-Sportjournalist Sebastian Krause.

Früher war es so, man hat seinen Wettschein ausgefüllt und dann gewartet und hatte gewonnen oder eben nicht. Jetzt kann man rund um die Uhr Online auf alles Mögliche setzen. - Sportjournalist Sebastian Krause

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Dear Reader #16
Eckhart Nickel über seine Lieblingsbücher und die Kathmandu-Bibliothek

Dear Reader #16

Eckhart Nickel über seine Lieblingsbücher und die Kathmandu-Bibliothek

 

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Mascha Jacobs trifft den Schriftsteller Eckhart Nickel. Die beiden sprechen über seine Lieblingsbücher und die Kathmandu-Bibliothek.

Eckhart Nickel, der Detektiv

Eckhart Nickel, 1966 in Frankfurt am Main geboren, ist bereits zu Schulzeiten ein begeisterter Leser gewesen. Nach der obsessiven Lektüre von Büchern in seiner Jugend – im Gespräch erinnert er sich an Detektivgeschichten und philosophische Grundlagenwerke – und der stilisierten Verehrung eines Deutschlehrers, war auch die Studienwahl klar.

Nickel hat Kunstgeschichte und Literatur in Heidelberg und New York studiert. 2000 debütierte er mit dem Erzählband „Was ich davon halte“. Zuvor war er noch am popliterarischen Quintett „Tristesse Royal“ beteiligt. Texte, die er seither für viele Feuilletons und Magazine geschrieben hat, stehen der Literatur näher als dem Journalismus. Er ist auf Stil- und Geschmacksfragen spezialisiert, schreibt Parfumrezensionen, Texte über Mode, das Schöne, Ästhetik und Skurrilitäten.

Die Kathmandu-Bibliothek

Mit dem Schriftsteller Christian Kracht hat er Reiseberichte verfasst und eine zeitlang aus Kathmandu, Nepal, die Literaturzeitschrift „Der Freund“ herausgegeben. Nach vielen Jahren im Ausland ist er seit einiger Zeit zurück in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Und mit ihm auch die ominöse Kathmandu-Bioblithek.

2018 ist sein Romandebüt „Hysteria“ bei Piper erschienen. Ein eleganter, intertextueller, unheimlicher und lustiger Roman, der von der Hypersensibilität des Protagonisten und dem ersten Satz angetrieben wird: „Mit den Himbeeren stimmt etwas nicht.“ Sein Roman ist eine Detektivgeschichte, ein Liebesroman, eine kulinarische Dystopie, ein Schauerroman und eine Liebeserklärung an die Literatur. Auch einer seiner hier vorgestellten Lieblingsromane „Der Zauberberg“ von Thomas Mann spielt eine Rolle in „Hysteria“. Außerdem stellt Nickel Donna Tartts “Die Geheime Geschichte” und „Eine Handvoll Staub“ von Evelyn Waugh vor.

Nickels Humor, die Lust an „mehrfach rückgekoppelten Inszenierungen“ (Niels Werber) und seine Begeisterung für Literatur machen ihn zu einem sehr angenehmen Gesprächspartner. Es geht in diesem Gespräch um Satzanfänge, Rituale des Lesens, Selbststilisierungen, Düfte, Figurennamen, Kapitelüberschriften, Stil und die Verzauberung des Lebens durch die Darstellung in der Literatur.

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piqd THEMA BONUS #70
Ja, und – nein, aber. Die bessere Debatte

piqd THEMA BONUS #70

Ja, und – nein, aber. Die bessere Debatte

 

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Wie können wir wieder besser streiten? Dieser Fragen gehen in der BONUS-Folge von piqd Thema zwei Wissenschaftlerinnen nach. Kennengelernt haben sie sich über Twitter – was können wir von ihnen über die Debattenkultur lernen?

Debatten sind vielfach keine mehr. Sie verkümmern oft nur noch zu feindlichen Gegnerschaften, einzig das Ziel vereint die Kontrahenten noch: den jeweils anderen besiegen.

Hauptsache dagegen?

Dabei wird mit Lust am Krawall die dualistische Form praktiziert: entweder – oder. Ja – nein. Für mich oder gegen mich. Das ist manchmal interessant, manchmal auch sinnvoll in der polemischen Zuspitzung. Ganz überwiegend aber wird es den debattierten Sachverhalten in keiner Weise gerecht.

Und viel zu oft wird dabei beleidigt, verzerrt, aneinander vorbei geschrieben oder geschrien, gespottet und verachtet, was das Zeug eigentlich nicht hält. Solcher krawalligen Formen überdrüssig, aber mit weiterhin viel Lust an der Kontroverse setzt dieser Podcast an, die bessere Debatte zu versuchen.

Die bessere Debatte?

Andrea Geier und Paula-Irene Villa Braslavsky möchten aktuelle Themen in der Schnittmenge von Sozial- und Kulturwissenschaften, Politik, Medien, Kultur und Kunst diskutieren. Kontrovers-kompetent, humorvoll, mit einer Prise Wissenschaft und einem Schuss Presseschau.

Kennengelernt haben sich die beiden Wissenschaftlerinnen auf Twitter. Andrea Geier ist Professorin für Germanistik an der Universität Trier mit Schwerpunkten auf Literatur, Gender und Postcolonial Studies und twittert unter @geierandrea2017. Paula-Irene Villa Braslavsky ist Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie & Gender Studies an der LMU München und auf twitter als @DieVilla4 aktiv.

In der BONUS-Folge von piqd Thema sprechen die beiden über die bessere Debatte.

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Dear Reader #15
Monika Rinck über Lyrik und Essays als Gespräche

Dear Reader #15

Monika Rinck über Lyrik und Essays als Gespräche

 

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Mascha Jacobs trifft die Essayistin und Lyrikerin Monika Rinck. Die beiden sprechen über das Schreiben und Übersetzen unter Hypnose und die Liebe zur Lyrik. Und: es wird wieder vorgelesen.

Rinck, 1969 in Zweibrücken geboren, lebt als Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin in Berlin. Neben vielen Auszeichnungen hat sie für ihren Band „Honigprotokolle“ den Peter-Huchel-Preis und 2015 den Kleist-Preis erhalten.

Allein in diesem Jahr hat sie vier neue Werke herausgebracht: „Champagner für die Pferde. Ein Lesebuch“ (S. Fischer) ein neuer Gedichtband mit dem Namen „Alle Türen“ (kookbooks). Darüber hinaus die Poetikvorlesungen „Wirksame Fiktionen“ (Wallstein Verlag) und „Heida! Heida! He! Sadismus von irgendetwas Modernem und ich und Lärm! Fernando Pessoas sensationistischer Ingenieur Álvaro de Campos“ (Wunderhorn).

Monika Rinck: die Grenzgängerin

Sie schreibt vielstimmige und mehrsprachige Texte, die sich an der Lektüre anderer Texte vollgefressen haben. Sie ist eine ideale Gesprächspartnerin für Mascha Jacobs, die bei Dear Reader immer wissen will, wie das Lesen und das Schreiben zusammengehören. Das Gespräch dreht sich um Gattungsgrenzen, die Rekombination von Genres, den Essay, das Gedicht. Es geht um Vorurteile, die viele gegenüber Gedichten pflegen, Übersetzungen unter Hypnose und die Begeisterung für das Lesen.

Ich verstehe so einen Essay auch als die Herstellung eines Gesprächs, einer Vielstimmigkeit. Eigentlich bin ich auch, wenn ich andere Essays oder diese Art von autobiografischer Non-Fiction lese, in denen es ja auch ganz oft um Lektüren geht, sehr dankbar, wenn Leute diese Art der Vielstimmigkeit herstellen. – Monika Rinck

Die Mischung aus einer wilden, freundlichen Albernheit, die Monika Rinck genauso schätzt wie das sorgsame Denken, das „allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden“, zeichnet nicht nur ihre Texte aus. Auch im Gespräch merkt man diese Züge deutlich. Die Vorstellung ihrer Lieblingsbücher, aus denen sie auch vorliest, ist ein Genuss. Und es zeigt, dass auch die Lyrik, wenn sie noch so eigen ist, ein Gespräch mit den Lesern und Leserinnen in Gang setzen kann.

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piqd HINTERGRUND #31
„Ich habe nie geglaubt, dass sie verschwinden“

piqd HINTERGRUND #31

„Ich habe nie geglaubt, dass sie verschwinden“ (Daniel Schulz)

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Für die 31. Folge des piqd Hintergrunds hat Florian Schairer mit Anna Feist, Chris Köver und Daniel Schulz über ihre Beiträge gesprochen. Dabei geht es um Drogenpolitik, Stalking-Apps und Jugenderfahrungen mit Rechten in Ostdeutschland.

Brauchen wir eine neue Drogenpolitik?

Anna Feist hat für das ZDF eine halbstündige Fernsehreportage gedreht. Sie stellt darin nicht nur die aktuelle deutsche Drogenpolitik in Frage und zeigt deren Schwächen auf, sondern führt Beispiele an, wie und was geändert werden könnte. Dafür hat sie Polizisten in Niedersachsen besucht, einen Drogenumschlagsplatz in Westafrika gesehen und unter anderem mit einem drogensüchtigen Töpfer in Portugal und einer heute „cleanen“ Mutter aus Deutschland gesprochen.

Es ist doch im Moment so, dass wir in einem Land leben, wo es mehr Drogenkonsumenten gibt denn je, die Dinge konsumieren, die stärker dosiert sind denn je und allein das sind ja keine Indikatoren für eine gute Drogenpolitik.Anna Feist ist Journalistin beim ZDF und recherchiert für Frontal 21.

Digitale Gewalt mittels Überwachungs-Apps

Es gibt ein recht großes Angebot an kommerziellen „Stalkerware“-Apps, mit denen etwa Eltern ihre minderjährigen Kinder überwachen können. Das ist rechtlich sogar erlaubt. Diese Apps werden aber auch illegal missbraucht, um Erwachsene auszuspionieren. Die Hersteller nehmen dies wissend in Kauf, wie Chris Köver von Netzpolitik.org ausführt.

Es ist wichtig zu betonen, dass das Gewalt ist. [...] Dieser ganze Bereich Stalkerware ist eine Art von Gewalt, die sehr wenig sichtbar ist. Chris Köver schreibt für Netzpolitik.org über digitale Rechte und digitale Gewalt.

„Nazi werden ist kein Determinismus“

Daniel Schulz hat 2018 einen sehr persönlichen Text über seine Jugend in Brandenburg geschrieben und damit einen Nerv getroffen. Mittlerweile hat er dafür Preise erhalten und der Deutschlandfunk hat ein Feature produziert. Das Besondere an Schulz‘ Text ist der ehrliche und offene Umgang mit den „Baseballschlägerjahren“, wie die Zeit in den 90er Jahren mittlerweile auf Twitter betitelt wird. Mit Florian Schairer spricht er über den Auslöser für seinen Text, über die Parallelen zu heute und die Reaktionen nach der Veröffentlichung.

Wir haben ja auch gelernt, wie es richtig geht. [...] ‘Widerstand oder Tod’. Und die ganzen 90er sind ein einziger Bruch mit diesen Werten: Wegschauen, leugnen, teilweise selbst mitmachen. Daniel Schulz schreibt für die taz.
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piqd HINTERGRUND #30
Hat die Treuhand den Osten zerstört?

piqd HINTERGRUND #30

Hat die Treuhand den Osten zerstört?

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Fast 30 Jahre liegt die Wende, die deutsche Einheit, die Wiedervereinigung zurück. Eng mit ihr verknüpft ist die Arbeit der Treuhandanstalt, deren Aufarbeitung auch im Jahr 2019 noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt (wieder) Forderungen nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Die Treuhand: Wahlkampfthema und Feindbild.

Im September diskutierte Florian Schairer mit Nikola Schmidt, Jobst Knigge, Christian Gesellmann und Wolf-Rüdiger Knoll in der alten Ölmühle in Wittenberge.

Eine differenzierte Betrachtung

Jobst Knigge hat gemeinsam mit Inge Kloepfer die MDR-Doku „D-Mark, Einheit, Vaterland – Das schwierige Erbe der Treuhand“ gedreht. Darin äußerte sich erstmals auch die langjährige Präsidentin Birgit Breuel ausführlich. Knigge berichtete über viele Hintergründe der Recherche und über die Reaktionen auf die Doku.

Wir hatten ein Screening in Leipzig […]. Und da waren ganz viele Leute, für die diese Zeit immer noch ein Wendepunkt in ihrem Leben war – und kein guter Wendepunkt. Und da hat man nochmal gemerkt, wie unglaublich das [Thema Treuhand] beschäftigt und Angst macht und wütend macht und traurig macht. – Jobst Knigge, Regisseur und Drehbuchautor

Treuhand verständlich erklären

Ein umfassendes Erklärstück über die Treuhand hat der freie Journalist und Autor Christian Gesellmann für Krautreporter zusammengestellt. Der Historiker Wolf-Rüdiger Knoll vom Institut für Zeitgeschichte erklärt, dass ein Grund für die schnelle Privatisierung auch die Überzeugung gewesen sei, dass der Staat gar nicht der bessere Unternehmer oder Eigentümer sein könne. “Das Problem war bloß, dass die Bundesregierung in den 1980er-Jahren ein Unternehmen pro Jahr privatisierte. […] Und dann kommen plötzlich 8 500, die man in vier Jahren privatisierte.”

Jena, Zwickau und Wittenberge

Am Beispiel von Jena und Zwickau erklärte Christian Gesellmann auch den Einfluss der Privatisierung auf Städte. Mit quasi gleicher Ausgangsposition gestartet seien diese beiden heute zwei komplett unterschiedliche Städte, wie er sagt. In Wittenberge, dem Veranstaltungsort, wurden die großen Betriebe alle geschlossen, wie Wolf-Rüdiger Knoll näher ausführen konnte. Er forscht aktuell über die Arbeit der Treuhand in Brandenburg.

Geschichte darstellen

Mit dem “Traumschüff” bringt ein kleines Theaterkollektiv regionale Themen in verschiedene Orte in Nordostdeutschland. Sie treten mit verschiedenen Programmen auf der kleinen Bühne ihres Schiffes auf und kommen darüber mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. In “Treue Hände” stellen sie die Spannungen und Umbrüche durch die Treuhand in den Leben dreier Protagonistinnen dar.

Zum Thema Treuhand war ich überrascht davon, wie oft man doch Tränen im Publikum sieht und wie groß das Redebürfnis ist. – Nikola Schmidt, Vorständin und künstlerische Leiterin des Traumschüff – Theater im Fluss

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piqd THEMA #69
Wie weit reicht der Arm Pekings?

piqd THEMA #69

Wie weit reicht der Arm Pekings?

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70 Jahre nach der Staatsgründung hat sich China längst vom Bauernstaat zur globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Doch wie weit reicht der Arm Pekings heute?

Vom armen Bauernstaat, über Mao Zedongs Kulturrevolution, hin zu einer wirtschaftlichen Weltmacht – oder wie Präsident Xi Jinping kürzlich auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei sagte: „In der Mao-Zedong-Ära ist China aufgestanden, in der Deng-Xiaoping-Ära ist China reich geworden, und jetzt ist eine neue Ära angebrochen, in der China stark und mächtig wird.“ Und das ist durchaus als Zeichen an den Rest der Welt zu verstehen.

Die chinesische Regierung fördert seit Anfang des neuen Jahrhunderts chinesische Investoren beim Gang ins Ausland, um dort zu investieren und eben auch um von ausländischen High-Technologiefirmen zu lernen oder Management-Know-How zu erwerben.  – Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Das haben nicht nur die Tausenden Soldaten und Panzer auf der Militärparade zur Siebzigjahrfeier demonstriert, das zeigen auch Chinas Bestrebungen in der Außen- und Handelspolitik. Stichwort: Neue Seidenstraße. 

Neue Seidenstraße bis Europa

Seit 2013 arbeitet die Regierung  in Peking öffentlich an dem riesigen Handelsnetzwerk, das sich von Peking, über Asien und Afrika bis nach Europa erstreckt.

Ausverkauf findet überhaupt nicht statt. Also man muss auch die Größenordnung im Auge behalten. Amerikanische Unternehmen haben zehnmal so viel investiert wie chinesische Unternehmen. – Harald Schumann, Investigate Europe

Dabei investiert der chinesische Staat die wahnwitzige Summe von einer Billion Dollar – in Häfen, in Straßen, in Brücken, in Eisenbahntrassen. Und das selbstverständlich auch in Europa. Eine Recherche des Journalisten-Netzwerks Investigate Europe zeigt, wo und wie China dabei vorgeht.

Wie abhängig ist Europa?

Aber welche Risiken sind damit verbunden? Hat sich Europa längst abhängig gemacht von den Milliarden aus Peking? Und wie kann, wie muss Europa der kommunistischen Parteiendiktatur in Peking entgegen treten, um sich vor Einflussnahme zu schützen?

Unter anderem darüber hat sich detektor.fm-Moderator Philipp Weimar mit Harald Schumann von Investigate Europe und Tagesspiegel sowie Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel unterhalten.

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