piqd Hintergrund

piqd HINTERGRUND #28
Urbane Mobilität – Wir brauchen eine Verkehrswende

piqd HINTERGRUND #28

Urbane Mobilität – Wir brauchen eine Verkehrswende

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Im piqd Salon in München haben wir im Juli 2019 über die urbane Mobilität der Zukunft gesprochen, die aktuelle Situation in deutschen Großstädten analysiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Großstädte wie München, Berlin und Hamburg wachsen seit Jahren, doch dort ist der Platz begrenzt. Besonders auf den Straßen: Es fahren noch mehr Autos in der Stadt und nehmen noch mehr Platz ein und bringen schlechte Luft und Feinstaub mit. In München soll sich das unter anderem durch den Radentscheid ändern.

Wie sehr das Auto gegenüber anderen Verkehrsmitteln bevorteilt wird, zeigt Alex Rühle in seinem Text für die Süddeutsche Zeitung anhand vieler exemplarischer Zahlen auf. Zwei Beispiele: 20 % der Stadtfläche von Berlin sind Parkplätze und während die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr in München seit 2004 um 40–60 % teurer geworden sind, kostet Parken immer noch das Gleiche.

Es gibt 47 Millionen Autos in Deutschland, [...] das sind 13 % mehr als 2008. Und jedes dieser Autos braucht einen Platz, wo es steht. Das sind durchschnittlich 12 m². [...] Die Autos die dazu kommen werden außerdem immer schwerer und fetter. – Alex Rühle

Gute Infrastrukturen für das Rad und bessere Verknüpfung mit dem ÖPNV

Umweltjournalistin und piqerin Daniela Becker war Kopenhagen unterwegs und begeistert: Denn für sie ist klar: Radfahren muss sicherer und bequemer werden, wenn mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sein sollen und dafür muss man den Rad, Fuß- und Autoverkehr möglichst trennen. Das heißt auch, dass Radfahrer mehr Platz bekommen müssen.

Es wird nicht gehen, ohne dem stehenden Verkehr, aber auch dem rollenden Autoverkehr Platz wegzunehmen. – Daniela Becker

"Verkehrswende ist mehr als Radinfrastruktur zu schaffen"

Grünen-Politikerin und Radentscheid-Sprecherin Gudrun Lux sagt, dass die Verkehrswende natürlich mehr ist, als Radinfrastruktur zu schaffen. Es kommt vor allem auf die Verteilung von Platz und Geldern an. Auch Lux betont: „Wir werden den Platz den Autos wegnehmen müssen, weil kein anderer Platz da ist.“

Wir sehen heute schon, dass es offensichtlich eine demokratische Mehrheit für die Ziele des Radentscheids gab. […] Wir haben eine demokratische Mehrheit, weil die Bürgerinnen und Bürger ganz klar ihren Willen artikuliert haben. – Gudrun Lux

Andreas Schuster von Green City e. V. stellte einige Sofortmaßnahmen vor: Den Ausbau des Busnetzes, die Umverteilung der Flächen, den Ausbau des Fuß- und Radverkehrs sowie Erlebnisräume und -flächen für die Menschen zu schaffen.

Wir müssen eine neue Qualität der Nähe schaffen, dass die Nutzungen wieder zusammengeführt werden und man gar nicht diese langen Strecken zurücklegen muss und wenn man sie zurückliegt, dann eben mit dem öffentlichen Verkehr. – Andreas Schuster

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piqd HINTERGRUND #27
Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

piqd HINTERGRUND #27

Armut, Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit

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Kürzlich erst hat Florian Schairer im piqd Salon in München mit Julia Friedrichs, Martin Zeyn und Michael Hirsch über Armut, Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit diskutiert.

Seit über zehn Jahren recherchiert die Journalistin Julia Friedrichs zur Verteilung von Vermögen. Sie hat unter anderem die Arbeit in einem Jobcenter für drei Monate begleitet und ein Buch über das Erbe(n) geschrieben. Im letzten Jahr haben sie und ihr Team mit “Ungleichland”, der ersten Staffel des Dokuprojekts Docupy, auf die krassen Vermögensungleichheiten in Deutschland aufmerksam gemacht.

[Wir können] als erschütternde Bilanz sagen, dass die unteren 40 Prozent von den letzten 20 Jahren Wachstum nicht profitiert haben. Das ist eine Bilanz, die einer Demokratie nicht würdig ist. Julia Friedrichs einer der Köpfe hinter Docupy und mitverantwortlich für das preisgekrönte Projekt "Ungleichland".

Dafür konnten sie mit dem polarisierenden Immobilienunternehmer Christoph Gröner einen sehr vermögenden Menschen begleiten. Gröner findet, Unternehmer sollten Verantwortung übernehmen, und sagt, dass die wirkliche Macht bei den Vermögenden liege.

BR Nachtstudio-Leiter Martin Zeyn und Philosoph Michael Hirsch haben gemeinsam einen sehr dichten Beitrag über Armut geschaffen. In “Symbolische Gewalt: Was Armut und soziale Unsicherheit anrichten“ fragen sie sich, „wie es zu dieser ‚Bestrafung der Armen‘ (Loïc Wacquant) kommen konnte – und was getan werden muss, damit sie endet.“ Armut ist letztlich ein soziales Konstrukt, keine Konsequenz persönlichen Fehlverhaltens.

Wieso erlaubt eine Gesellschaft, dass es Arme gibt, wenn sie selbst reich ist? Und wie kann sie das legtimieren und welche Prozesse laufen da ab? Martin Zeyn leitet das Nachtstudio von Bayern 2.

Friedrichs, Zeyn und Hirsch stellen zunächst ihre Beiträge vor, dann steigen sie in eine gemeinsame Diskussion ein. Es geht um Hartz IV, um den Umgang von Verwaltungsmitarbeiterinnen mit Armen, um die zugrundeliegenden politischen Strukturen, unser Wirtschaftssystem, um den Arbeitsmarkt und zuletzt auch um Lösungen, wie Ungleichheit bekämpft werden kann.

Das klassische Arsenal einer rechtskonservativen Wirtschafts- und Sozialpolitik [ist es] immer gewesen, die Leute zu bedrohen und sie gefügig zu machen über eine repressive Sozialpolitik. Michael Hirsch ist Philosoph und Politikwissenschaftler.

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piqd HINTERGRUND #26
Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

piqd HINTERGRUND #26

Update – Anschlussrecherchen, Gerichtsverfahren und persönliche Erfahrungen

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Im 26. piqd Hintergrund berichten vier Journalistinnen und Journalisten, was sich seit der Veröffentlichung ihrer Recherche getan hat.

Hannibal: rechtes Untergrundnetzwerk

Als die taz im November 2018 eine große Recherche über ein rechtes Untergrundnetzwerk veröffentlicht hat, ist das Medienecho zunächst verhalten gewesen. Seitdem ist aber einiges passiert, wie Christina Schmidt berichtet: Neben neuen Erkenntnissen, die die taz gewinnen konnte, gab es verschiedene Anhörungen in Berlin, verschiedene Anfragen, und im Februar legte das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Innenausschuss ein neues Papier vor. Darin geht es um einen neuen Typus von rechtsextremen Männern, die sich über wenige Themen radikalisieren und eine eigene Gruppe innerhalb der Rechten in Deutschland bilden.

"Wir sehen schon, dass über solche Netzwerke gesprochen wird, aber auch über Militarisierungstendenzen und natürlich über Rechtsextreme, die in Sicherheitsbereichen oder in Behörden sitzen." Christina Schmidt schreibt für die taz.

CumEx: eine Steuerschweinerei

Christian Salewski hat entscheidend an den #CumExFiles mitgewirkt, der Recherche über den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Nach der Veröffentlichung gab es europaweit große Empörung. Die Regierungen versuchten, die Steuerschlupflöcher schnellstmöglich zu schließen und mittlerweile laufen erste Gerichtsverfahren gegen Verantwortliche. Salewski spricht auch über die Ermittlungen gegen Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm, dem Anstiftung auf Geheimnisverrat vorgeworfen wurde.
"Wenn [...] wir es nicht schaffen, so ein Verhalten auch juristisch zu sanktionieren, weil es zu komplex ist, zu schwer zu beweisen oder weil die Gegenseite mit zu vielen guten Anwälten aufmarschiert, dann wird es irgendwann echt heikel. Denn dass es eine Riesenschweinerei ist und wirklich Geld geklaut wurde, ist unbestritten." Christian Salewski hat die große Recherche zu den CumEx-Files mitkoordiniert.

Sexualisierte Gewalt gegen Erntehelferinnen

Pascale Müller und Stefania Prandi konnten mit ihrer Recherche auf weitreichende sexualisierte Gewalt gegenüber Erntehelferinnen in Südeuropa und Afrika aufmerksam machen. Protesten in mehreren spanischen Städten, Anhörungen vor dem Parlament und einer Sammelklage gegen einen Erdbeerproduzenten stehen eingestellte Verfahren trotz schwerwiegender Vorwürfe und verschleppte Ermittlungen gegenüber. Dennoch gibt es ein größeres (Selbst-)Bewusstsein, dass man sich wehren könne, sagt Pascale Müller. Derzeit recherchieren sie und KollegInnen in einem anderen europäischen Land.

"[Es ist] wirklich ein systemisches Problem, was es offenbar in der Landwirtschaft im mediterranen Raum gibt: Sowohl Belästigung als auch starke Formen der Ausbeutung und Verstöße gegen Arbeitsrechte in diesem Kontext." Pascale Müller wurde für ihre Recherche mehrfach ausgezeichnet.

Wieder jemanden aufnehmen? Würde ich machen.

“Karim, ich muss dich abschieben”, heißt ein Text, den Hannes Koch 2017 für die taz geschrieben hat. Für ein Jahr hatte er einen syrischen Geflüchteten bei sich zuhause aufgenommen, dann wurde es Koch zu viel: zu hoch war die Belastung. Aber das von Koch angemietete WG-Zimmer wollte Karim nicht. Nach seinem Auszug stürzte er bis in die Obdachlosigkeit. Nun geht es ihm besser: Er hat eine Wohnung gefunden und Menschen, die ihn unterstützen. Karim und Koch treffen sich gelegentlich. Koch wird demnächst wieder einen Text schreiben. Und: Einen Geflüchteten würde er wieder aufnehmen.

"Wir treffen uns ab und zu, weil ich wissen will, wie es weitergeht, wenngleich ich ihm nicht mehr helfe, weil es mir irgendwann gereicht hat. Und ich habe die Befürchtung, wenn ich ihm helfen würde, dann geht das alles wieder von vorne los." Hannes Koch schreibt unter anderem für die taz.

Alle Geschichten im 24. piqd Hintergrund wurden mit journalistischen Preisen ausgezeichnet. Oder waren zumindest nominiert.

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piqd HINTERGRUND #25
Was für eine Sauerei

piqd HINTERGRUND #25

Was für eine Sauerei

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Plastikmüll und Mikroplastik, ein digitaler Überwachungsstaat und die betrügerische Kongo-Prinzessin. Drei Geschichten und ihre Geschichte im piqd Hintergrund aus München.

Digitaler Überwachungsstaat: China macht vor, wie es geht

Social Scoring ist in China im Alltag der Menschen angekommen. Mit Kameras, im Netz und fast allem, was sie tun, werden sie umfassend überwacht. Verhalten, das gegen die Regeln der Regierungspartei verstößt, kann direkt sanktioniert werden. Ein Investigativjournalist, mit dem Knetsch sprechen konnte, darf bspw. nicht mehr fliegen und auch keine Schnellzüge mehr nehmen. Intelligente Kameras, von welchen in China bis 2020 600 Mio. Stück installiert werden sollen, gibt es aber auch schon bei uns.

"Der erste Eindruck, den ich hatte in Peking: Man wird immer überall kontrolliert.", sagt Gabriele Knetsch. Sie ist Journalistin und Feature-Autorin beim Bayerischen Rundfunk, der ARD und für diverse freie Audio-Projekte.

Jedes Jahr landen riesige Mengen deutschen Plastikmülls im Ausland – vor allem in Malaysia

Gemeinsam mit Südostasien-Korrespondent Arne Perras hat Vivien Timmler eine große Recherche über Plastikmüll veröffentlicht. Plastikmüll ist grundsätzlich ein Problem, für asiatische Länder wie Malaysia aber ganz besonders. Seitdem China kaum noch Plastikmüll vom globalen Markt kauft, haben kleinere Länder den Platz übernommen und kaufen auch deutschen Müll. Oft fehlen vor Ort Recycling-Fabriken und der Müll landet in der Natur und im Meer. Dass Müll als Wirtschaftsgut gehandelt werde, sei höchstproblematisch, sagt Timmler. Seit Anfang Mai ist klar: Die Regeln für den Export von Plastikmüll werden endlich verschärft.

"Das Plastik, das wir in den gelben Sack schmeißen, [...] wird nur noch zu 36% recycelt, der Rest wird verfeuert oder exportiert. Vivien Timmler ist Redakteurin bei SZ Wirtschaft und schreibt über Plastikmüll, Nachhaltigkeit und Wirtschaftspolitik."

Die Kongo-Prinzessin: Leben einer Hochstaplerin

Es gab einen Punkt in ihrem Leben, da hatte die angebliche kongolesische Prinzessin Odette alles: wohlhabende Verehrer, Villen und ein Luxusauto. Aus dem nichts tauchte sie 2004 in Frankfurt am Main auf und wurde schnell zum gern gesehenen Gast in gehobenen Kreisen. Mit unglaublicher Dreistigkeit schlägt sie sich durchs Leben, bis alles auffliegt und sie abstürzt. Lorenz Schröter hat beim piqd Salon die krassesten Geschichten aus dem fünfteiligen Radiofeature zusammengefasst.

"Diese schöne Hochstaplerin [hatte] sich das Motto ihres Lebens aus dem Internet besorgt und zwar von Coco Chanel: ‘I didn’t like my lifestory, so I created a new one.’ Und daran hat sie sich auch gehalten." Lorenz Schröter ist Reporter und Weltreisender.

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piqd HINTERGRUND #24
„Eure verlogene Firmenpolitik widert mich an!“

piqd HINTERGRUND #24

„Eure verlogene Firmenpolitik widert mich an!“

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Was machen große Tech-Konzerne eigentlich mit unseren Daten und was unternehmen sie gegen Hass und Falschmeldungen auf ihren Plattformen? Mit technologie-affinen Journalisten hat Florian Schairer darüber gesprochen und gestritten.

Vom Datenklau zum Datenschutz?

Es ist leicht, im Netz Spuren zu hinterlassen. Christian Schiffer nutzt Alexa, ein Fitnessarmband und bestellt Lebensmittel online bei Rewe. Für einen Beitrag hat er seine Gewohnheiten hinterfragt und sich auf eine Datenschutz-Entdeckungstour begeben. Dabei wurde ihm klar: Es sammeln nicht nur alle seine Daten, sondern diese werden auch noch zusammengeführt und daraus wird dann ein “digitaler Fingerabdruck” erstellt. Und das nicht nur im Internet, sondern auch über Standortdaten.

Tech-Riesen regulieren und zerschlagen

Richard Gutjahr hat in den vergangenen Jahren sehr schlechte Erfahrungen mit sozialen Netzwerken gemacht. Er und seine Familie waren Opfer von krassen Hasskampagnen. Auf seinem Blog forderte er von der Politik Anfang 2019: “Regiert und reguliert endlich!” Es könne nicht sein, dass etwa eine populäre Ovulationsapp die Daten der Nutzerinnen an Facebook verkauft.

Wie kann Regulierung aussehen? Wer trägt welche Verantwortung?

Nachdem Schiffer und Gutjahr ihre Beiträge vorgestellt haben, geht es ans Eingemachte: Mit Florian Schairer diskutieren sie über die Möglichkeiten der Regulierung und die gesellschaftliche und ethische Verantwortung der Konzerne. Schiffer kritisiert den Umgang mit Hass im Netz, gegen den viel zu wenig unternommen wird. Hier muss die Politik ran.

Gutjahr ist der Meinung, dass nur Kartellrecht, Strafen und krasse finanzielle Einschränkungen eine Wirkung haben. Die großen Plattformen könnten seiner Meinung nach auch ohne Probleme strengere Regeln gegen Hass einführen.

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piqd HINTERGRUND #23
Von Sterbenden übers Leben lernen

piqd HINTERGRUND #23

Von Sterbenden übers Leben lernen

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Im Januar war piqd in Leipzig zu Gast. In der Wohnzimmer-Bar “Links neben der Tanke” erzählten Andreas Raabe und Aiko Kempen vom kreuzer-Magazin über den Angriff auf Connewitz 2016, Michael Kraske über das sächsische Problem mit Rechts und Alexander Krützfeldt las aus seinem Buch “Letzte Wünsche”.

Angriff auf Connewitz

Der Überfall von Neonazis und Hooligans auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016 hat Spuren hinterlassen. kreuzer-Chefredakteur Andreas Raabe und Reporter Aiko Kempen beschreiben den Angriff und die Reaktion des Rechtsstaats seitdem. Der Umgang der Justiz mit den Vorfällen gibt Anlass zur Kritik, wie Kempen darlegt. Denn über 200 Menschen, die nach dem Angriff festgenommen wurden, kamen gegen ein (Teil-) Geständnis zumeist mit Bewährungs- und Geldstrafen davon.

"Alle sind, laut ihren Aussagen, in der letzten Reihe gelaufen, haben selbst nichts kaputt gemacht, haben auch nicht gesehen, wie etwas kaputt gemacht wurde und kannten auch niemanden dort." – Aiko Kempen ist Reporter bei kreuzer

Umgang mit Rechts

Journalist Michael Kraske ist ein “Zugezogener”, er ist in Westfalen aufgewachsen. Seit über 25 Jahren lebt er in Leipzig und stellte sich 2017 in einem Artikel die Frage, ob er nicht wieder wegziehen solle. Doch er sei “gekommen um zu bleiben”. Es geht ihm vor allem um die wachsende Zerrissenheit. Verstärkt wird das Gefühl durch Bewegungen wie Pegida, die das Leben in Sachsen für ihn mit sich bringt. Kraske spricht über die Zunahme rassistischer Grenzverletzungen, kritisiert die teilweise “Verständelei” von Medien und blickt voraus auf die anstehenden Wahlen in den östlichen Bundesländern.

"Ich kann etwas überhaupt nicht mehr kritisieren oder skandalisieren, wenn ich es gar nicht mehr ausspreche, sondern, wenn ich von den berühmten 'Sorgen und Ängsten der Bürger' spreche." Michael Kraskefordert eine klare Berichterstattung über rechte Gewalt und rassistische Grenzverletzungen.

Letzte Wünsche

Für ein Jahr konnte Alexander Krützfeldt Frank Wentzlow begleiten. Frank hat seine Frau Lissy an den Krebs verloren. Seitdem engagiert er sich in seinem Verein “Sternenfahrten”. Der ermöglicht todkranken Menschen mit einem umgebauten Krankenwagen ihre letzten Wünsche, denn das blieb Lissy verwehrt. piqd-Chef Marcus von Jordan fasst das Buch so zusammen:

"Alexander Krützfeldt hat ein Buch über den Tod geschrieben. Das heißt, eigentlich ist es ein Buch über das Leben unmittelbar vor dem Tod. Das heißt, eigentlich ist es ein Buch über das Leben. Das Buch heißt „Letzte Wünsche“ und ist bei „rowohlt“ erschienen." – Marcus von Jordan über das Buch

Im piqd-Salon hat Krützfeldt nicht nur aus dem Buch vorgelesen, sondern auch die ein oder andere Anekdote erzählt. Den besten Wunsch, den er miterlebt hat, was sein letzter Wunsch wäre und natürlich, wie er jetzt dem Sterben gegenüber eingestellt ist. Eine ehrliche, humorvolle Auseinandersetzung mit dem Sterben und vor allem Leben, wie sie absolut wünschenswert ist.

"Über Sterben sprechen ist wahnsinnig schwierig, über Sterben ein Jahr zu recherchieren ist vielleicht ein bisschen einfacher, weil man doch eine gewisse Routine kriegt." – Alexander Krützfeldt, Autor und freier Journalist

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piqd HINTERGRUND #22
Die Perspektive der Opfer

piqd HINTERGRUND #22

Die Perspektive der Opfer

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Im piqd HINTERGRUND #22 erzählen diesmal die Journalistinnen Christian Parth und Johan von Mirbach über ihre Klima-Recherchen und Minh Thu Tran berichtet vom Schicksal zweier ehemaliger Kindersoldaten.

Kindersoldaten – Vom Opfer zum Täter

Über ein Jahr haben Minh Thu Tran und Elsbeth Bräuer an ihrer Geschichte recherchiert. Es ist die zweier Kindersoldaten aus Uganda. Denn beide wurden zwangsrekrutiert. Einer floh, der andere machte Karriere in der Lord’s Resistance Army, kurz LRA. Minh Thu Tran berichtet über den Ausgangspunkt der Recherche, über die Fahrten nach Den Haag zum Internationalen Gerichtshof. Und sie erzählt von der Reise nach Uganda, wo die Journalistinnen vor Ort die Geschichte der beiden Männer und der Opfer der LRA erforschten.

"[Wir wollten] die Perspektive der Opfer auch nicht zu kurz kommen zu lassen. Es war uns sehr wichtig, dass es nicht nur ein Porträt von zwei ehemaligen Kindersoldaten wird." Minh Thu Tran über ugandische Kindersoldaten.

Energiekonzerne liefern (falsche) Argumente für Klimawandelleugner

Energiekonzerne vertuschen den Klimawandel. Das belegen verschiedene Reporte und Studien. Bis heute sind auch große deutsche Energiekonzerne beteiligt, die „Maschinerie der Klimawaldelleugner“ mitzufinanzieren. Johan von Mirbach hat mit Forschern, Ingenieuren und Klimawandelleugnern gesprochen. Und als er mit der Doku für einen Preis nominiert wird, wird es besonders absurd, wie er im Salon berichtet.

"Alles was heute von Klimawandelleugnern behauptet wird, geht auf ehemalige Studien der Erdölindustrie zurück, auch in Deutschland." Johan von Mirbach ist TV-Editor und Videojournalist.

Der Hambacher Forst als Ausgangspunkt einer neuen Klimabewegung?

Eine gute Autostunde von Oberhausen entfernt liegt der Hambacher Forst. Er ist ein besonderer Schauplatz des Kampfes gegen die Klimapolitik der NRW-Landes- sowie der Bundesregierung. Und auch der Energieriese RWE kommt nicht gut weg. Christian Parth hat mehrfach vor Ort recherchiert und spricht über die Bewegung um den Hambi und die Rolle als Reporter vor Ort.

"Deswegen hat sich diese Bewegung entwickelt, raus aus einem etwas radikaleren Milieu, hinein in ein sehr breites, bürgerliches Milieu." Christian Parth über die Aktivistinnen im Hambacher Forst.

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piqd HINTERGRUND #21
Wer weiß was? Rechtes Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe

piqd HINTERGRUND #21

Wer weiß was? Rechtes Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe

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Im piqd HINTERGRUND #21 erzählt Christina Schmidt von einer taz-Recherche zu einem rechten Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe, Jannis Brühl über die die Möglichkeit eines Überwachungsstaats in Deutschland und Judith Schnaubelt gemeinsam mit Peter Pichler darüber, wie E-Pianos die Popmusik revolutionierten.

Rechtes Untergrundnetzwerk in der Bundeswehr – Hannibals Schattenarmee

Eine aufwendige taz-Recherche hat ein bundesweites rechtes Untergrundnetzwerk aufgedeckt. Deren Kopf ist Hannibal, alias Andre S., bis vor kurzem noch Elite-Soldat. Er leitet verschiedene Chatgruppen, die er mit “Lageberichten” versorgt. Darin sind Soldaten, Reservisten, Beamte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes organisiert.

Die Gruppen bereiteten sich auf den Zusammenbruch des deutschen Staates vor, gehören zur “Prepper-Bewegung”, betreiben Kampfsport und haben “Safe Houses” eingerichtet. Auch der Verein “Uniter” verfolgt diese Ziele. Ursprünglich war er für ehemalige Soldaten vorgesehen, mittlerweile ist er allerdings weiter geöffnet.

"'Ist das einfach nur schräg oder ist das jetzt wirklich gefährlich?' Diese Frage hat sich das taz-Team während der Recherche einige Male gestellt." Christina Schmidt arbeitet als Reporterin für die taz.

Palantir macht Polizei-Überwachung noch leichter

Hessens Polizei arbeitet als erste in Deutschland mit Software des US-Unternehmens Palantir. Jannis Brühl konnte sich anschauen, wie das Programm funktioniert: Die Software spart den Ermittlern Zeit und Aufwand, da enorm viele Daten aus verschiedenen Datenbanken, private Chatnachrichten und soziale Profile verknüpft werden. Kritiker monieren die wachsende Gefahr eines Überwachungsstaats. Auch dem großen Einfluss von großen Tech-Unternehmen auf das Privatleben stehen sie skeptisch gegenüber. Brühl berichtet über weitere Hintergründe um die digitale Aufrüstung der deutschen Polizei.

"Was passiert, wenn ein Unternehmen, das sehr enge Verbindungen zur CIA hat, Zugriff auf Polizeidaten hat? Die rüsten massiv auf und die Gesetze [in der EU und den Einzelstaaten] werden laufend angepasst." Jannis Brühl über die Fragestellungen des hessischen Untersuchungsausschusses zu “Palantir”.

Funky Vibes & Hot Butter – wie E-Pianos die Popmusik revolutionierten

Die Klassiker unter den elektrischen Pianos – „Fender Rhodes“ und „Wurlitzer“ – feiern ein Comeback in der Popmusik. Vor allem in der jungen, vom Jazz inspirierten Londoner Musikszene und im US-amerikanischen Neo-Soul-Funk spielen sie eine große Rolle. Judith Schnaubelt, die schon seit vielen Jahren Musiksendungen für den Zündfunk macht, hat für ihren Zündfunk Generator Peter Pichler getroffen. Der Münchner Musiker gilt als einer der letzten Tautonium-Spieler und kennt sich bestens aus mit elektrischen Tasten. Beide waren gemeinsam zu Gast im piqd-Salon.

"Der Anlass für meine Sendung war, dass ich plötzlich Sounds gehört habe, die ich noch nie so bewusst wahrgenommen habe. [...] Das schmiegt sich da so rein und dann ist es halt da." Judith Schnaubelt moderiert seit vielen Jahren unter anderem den Nachtmix bei Bayern 2.

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piqd HINTERGRUND #20
Von Hochstaplern und Schwindlern

piqd HINTERGRUND #20

Von Hochstaplern und Schwindlern

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In Folge 20 des piqd HINTERGRUND sprechen Christian Salewski, Malene Gürgen und Michèle Loetzner über die Geschichten hinter ihren Recherchen. Diesmal sind die Themen: Cum-Ex, Tinder-Schwindel und Rechtspopulismus.

Cum-Ex und kein Ende: »Der größte Steuerraub in der Geschichte Europas«

Cum-Ex und Cum-Cum bezeichnen Aktiengeschäfte, bei denen Anleger Steuern zurückbekommen, die sie gar nicht bezahlt haben. Banker, Anwälte und Superreiche haben sie jahrelang genutzt um Milliarden aus Europas Steuerkassen zu stehlen. Christian Salewski war Teil eines europaweiten Recherchenetzwerks, das nachweisen konnte, dass die Geschäfte in einigen europäischen Ländern immer noch durchgeführt werden.

"Wir haben versucht einen Schaden zu berechen. Wir haben das sehr konservativ gemacht aber am Ende kamen wir auf 55 Milliarden in ganz Europa." Christian Salewski arbeitet als Reporter für Panorama, DIE ZEIT und Correctiv. Er ist Initiator Koordinator der #CumExFiles-Recherche.

Wie es ist auf einen Hochstapler hereinzufallen

Michéle Loetzner ist auf einen Hochstapler hereingefallen. Tim gab sich auf Tinder als Philosophie-Student aus, war zunächst zuvorkommend und charmant. Obwohl sie merkte, dass etwas nicht stimmte, ließ sie Tim für drei Wochen in ihr Leben. Durch Zufall fand sie weitere Frauen, die Tim zunächst umgarnt und dann ausgenutzt und schikaniert hatte. Im piqd Salon sprach sie das erste Mal öffentlich, über diese Geschichte, aus der sie und die anderen Frauen glücklicherweise gestärkt herauskamen.

"Er hat mich nicht gebrochen, aber er hat mir schon ganz schön viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Das ist bitter, aber das ist auch ein sehr geiler Arschlochradar." Michèle Loetzner ist Journalistin und hat mehrere geisteswissenschaftliche Abschlüsse. Foto: Christian Brechens

Wie Europas extreme Rechte die Medien gleichschalten will

Die taz ist Teil des europäischen Rechercheprojekts „Europe’s Far Right Research Network“, das bis zu den Europawahlen im Mai 2019 über Europas extreme Rechte und deren mediale Präsenz recherchiert und berichtet. Im ersten Beitrag des Projekts in der taz wird der Blick auf Ungarn, Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und Polen gerichtet.

"Wir haben festgestellt, dass sich die Strategien der rechten Parteien im Bezug auf die Medien sehr ähneln: das eine ist der Angriff auf die etablierten Medien, das andere ist der Aufbau einer eigenen Medienöffentlichkeit." Malene Gürgen ist Redakteurin bei der taz. Sie arbeitet derzeit vor allem an den taz-Rechercheprojekten #europesfarright und #netzwerkafd.

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piqd HINTERGRUND #19
“Warum ist diese Branche so fucked up?”

piqd HINTERGRUND #19

“Warum ist diese Branche so fucked up?”

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Die Digitalisierung verändert alles, auch unsere Werbung. Immer noch gibt es zu wenige Frauen in der Tech-Branche. Und haben mittlerweile eigentlich alle verstanden, worum es bei Blockchain geht? Die Themen auf dem Zündfunk Netzkongress 2018 und im piqd HINTERGRUND.

Frauen in der Tech-Branche

In der IT-Branche herrscht seit Jahrzehnten ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Nicht nur das, Frauen werden teilweise systematisch benachteiligt und sexuell belästigt. Das war nicht immer so, wie Maria Fedorova im piqd Salon erzählt. Erst ein bei Tech-Unternehmen beliebter pseudowissenschaftlicher Einstellungstest machte die Branche in den 60er- und 70er-Jahren zum Männerclub. Das ändert sich langsam. Fedorova erwähnt viele aktuelle Beispiele.

"Frauen werden in der IT nicht nur vom offensichtlichen Sexismus und Belästigungen zurückgehalten, es gibt auch noch unterschwellige, aber genauso gefährliche Verhaltensmuster, die man auch nicht so gut ansprechen und erkennen kann." Maria Fedorova ist Zündfunk-Autorin und Frauenpower-Verfechterin. Spricht und schreibt über Feminismus, Popkultur und Politik.

Wie sieht Werbung in der Zukunft aus?

Die Digitalisierung hat Werbung grundlegend verändert: Die Ausspielkanäle, die Wahrnehmung, die Personalisierung. Gregor Schmalzried erklärt das Dilemma: Für Werbetreibende ist es einerseits leichter, zugeschnittene Zielgruppen zu erreichen, andererseits aber auch viel schwieriger, aus der Masse hervorzustechen. Die Nutzer profitieren von relevanteren Werbebotschaften, müssen dafür jedoch große Datenmengen preisgeben.

"Wäre Coca-Cola die erfolgreichste Getränkemarke der Welt geworden, wenn sie von Anfang an nur Werbung ausgespielt hätten an Leute, die dunkelfarbige Limonaden mögen? Vermutlich nicht." Gregor Schmalzried ist Tech-Experte für Zündfunk und den BR24, baut Memes für Puls und hostet den Podcast "Hier nur privat".

Eine kritische Betrachtung der Blockchain-Technologie

Kann das nicht auch eine Datenbank? Michael Seemann hinterfragt kritisch den Nutzen und die Relevanz der Blockchain. Für ihn eignet sich die Technologie nicht als Geld-Ersatz in Form von Krypto-Währungen wie Bitcoin. Sollte die Blockchain sich durchsetzen, befürchtet er ein Phänomen wie nach der Etablierung des Internets: ein Konzentrationsprozess, der zu Großkonzernen wie etwa Google führt, die dann eine Daten- und Machthoheit haben. Für ihn sind Bitcoin und die Blockchain in erster Linie Ideologien.

"Wenn du glaubst, dass das Problem deiner Lösung die Blockchain ist, dann hast du weder die Blockchain noch dein Problem verstanden." Michael Seemann ist Blogger, Kulturwissenschaftler, Autor und Netztheoretiker und empfiehlt regelmäßig guten Journalismus auf piqd.

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