16. Februar 2018
von Katrin Rönicke
1 Kommentar

Wie schlimm ist das NetzDG wirklich?

Heute sehen wir uns etwas an, das sehr, sehr unbeliebt ist – und zwar das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG und lang: “Das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“. Aber: Wie schlimm ist das NetzDG wirklich?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI
 

Das Thema

In den Sozialen Medien wird Heiko Maas aus den verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Lagern für das NetzDG kritisiert, manche nennen ihn einen „Zensurminister“, auch Regelechter Hass ist – ironischer Weise – an der Tagesordnung. Anstatt also den Hass zu reduzieren, was ja der Sinn des Gesetzes war, hat er ihn ganz massiv geschürt: Hass auf den Minister, Hass auf die Politik.

Die Gäste

  • Alexander Sängerlaub macht den Aufschlag für die Sendung. Sein piq zum Thema titelt provokant: “Alle meckern gegen das NetzDG – doch der übertriebene Schaum vor dem Mund ist nicht berechtigt” Alexander fragt sich, warum jetzt alle meckern, weil: Haben davor nicht auch alle gemeckert, weil die Plattformen zu langsam eingreifen?
  • Stefan Niggemeier ist der Autor des Textes, den Alexander gepiqt hat. Als Gründer des Bildblogs und der Übermedien betrachtet er Mediendiskurse stets kritisch und schaut genauer hin:

    “Ich glaube auch, dass man da den Unternehmen ein Stück auf den Leim geht. Ich finde es Quatsch zu glauben, das seien alles Auswirkungen des Gesetzes.”

  • Julia Krueger von netzpolitik.org findet am NetzDG vieles problematisch und warnt vor Missbrauch: Dass es keine Widerspruchsmöglichkeiten gibt, dass die Plattformen quasi nach Gutdünken entscheiden können was sie löschen und dass die Strafverfolgung kein bisschen verbessert wird. Sie kritisiert:

    “Es verlagert den Umgang mit Straftaten in einen privatwirtschaftlichen Bereich.”

—–
Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Barbara Streidl
Mit Dank an: Derekt Singleton
—–

2. Februar 2018
von Katrin Rönicke
2 Kommentare

Divestment – mit Geld das Klima retten?

Das Klima retten – eine Mammutaufgabe. Wenn man sich anschaut, wie die Bundespolitik gerade diesen Monat erst wieder Schlagzeilen damit machte, dass sie mit Sicherheit die Klimaziele verfehlen werde, könnte man eigentlich auch gleich resignieren. Aber davon halten die Vertreter_innen der Divestment-Idee nichts. Sie wollen mit gezielter Lenkung von Geldströmen dafür sorgen, das fossile Unternehmen sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen.

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Daniela Becker hat Umweltwissenschaften studiert, schreibt als Journalistin besonders gern über Umweltthemen und nachhaltiges Wirtschaften und hat im Kanal „Klima und Wandel“ auf piqd.de eine Alternative zur Resignation gefunden. Ihr piq vom 11. Januar betrachtet Entwicklungen in New York, auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans, die richtungsweisend sein könnten.

Tine Langkamp ist Divestment Campaignerin der Organisation 350.

“350 ist eine Nichtregierungsorganisation, die global arbeitet und eine Klimaschutzbewegung, die sich gegen Kohle, Öl Gas stellt und für 100 Prozent Erneuerbare einsetzt.”

Das Investigativ-Büro von correctiv hat 2016 eine Recherche angestoßen, die untersucht hat, ob und wie die Bundesländer ihre Steuergelder nach Umweltkriterien anlegen. Annika Joeres hat die Recherche durchgeführt.

“Wir wollten uns genauer anschauen wo Bundesländer ihr Geld investieren. Bis dahin hat niemand gefragt, wohin die Gelder investiert werden.”

Alle drei berichten von den Chancen durch Divestment und von den Widerständen, die es trotz allem noch zu überwinden gilt.

—–
Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Musikredaktion und Sound Design: Barbara Streidl
Mit Unterstützung von Freesound.org
—–

23. Januar 2018
von Marion
Keine Kommentare

piqd-Hintergrund | Linksterroristen, Eileiterschwangerschaft, Kinderraub

Christoph Scheuermann, Spiegel-Korrespondent in Washington hat in seiner vielbeachteten Reportage “Thomas, der Terrorist” beschrieben, wie er seinen Cousin in Venezuela besucht, der sich dort seit 22 Jahren versteckt hält. Ihm wird vorgeworfen mit zwei Freunden einen Sprengstoffanschlag geplant zu haben. Eine Reportage über die Konsequenzen einer radikalen Entscheidung, über Idealismus, Terrorismus und Gerechtigkeit. Christoph Scheuermann hat dort keine einfachen Antworten gefunden, aber es ist eine Freude ihm zuzuhören, wie sein journalistischer Verwandtschaftsbesuch verlaufen ist.

Teresa Bücker, Chefredakteurin von edition f berichtet, wie es ihr bei einer Eileiterschwangerschaft in der Notaufnahme eines Berliner Notaufnahme ergangen ist in ihrem sehr persönlichen Bericht “Die schneiden mir gleich mein Baby aus dem Bauch – Odyssee einer Eileiterschwangerschaft”. Wir sprechen über diese Nacht, über Angst und Trauer. Über die oft mangelhafte Versorgung schwangerer Frauen und wie wichtig es wäre, wenn im Krankenhausalltag mehr Platz für Empathie wäre.

Kinderraub im Zweiten Weltkrieg | Monika Sieradzka sprach für ihren Artikel “geraubte Kinder, vergessene Opfer” mit den letzten Betroffenen Zeitzeugen eines grausamen Programms von SS und Lebensborn: Während der Besatzung wurden in Osteuropa tausende von blonden und blauäugigen Kindern verschleppt und Zwangsgermanisiert. Nach Schätzungen waren darunter allein 50.000 bis 200.000 polnische Kinder. Monika Sieradzka erzählt, wie es war, diese inzwischen sehr alten Menschen zu treffen, die immer noch auf der Suche nach ihrer Identität sind.

19. Januar 2018
von Katrin Rönicke
Keine Kommentare

Staatsbürgerschaft in der digitalen Welt: Wer soll uns regieren?

Was bedeutet Staatsbürgerschaft in einer Welt, in der wir alle längst zu digitalen Reisenden geworden sind? In der wir mit Menschen aus der ganzen Welt kommunizieren und arbeiten können – ohne je eine echte Staatsgrenze mit unserem analogen Körper überqueren zu müssen? Löst die digitale Vernetzung vielleicht sogar irgendwann die analogen Grenzen dieser Welt auf? Was für neue Bürger_innen könnten dadurch entstehen? Werden wir Weltbürger_innen? Oder gar Netz-Bürger_innen?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Diesen Fragen geht das Projekt “Digital X-Ship” auf den Grund, das ein Ergebnis der Jahreskonferenz der Berliner Gazette ist. Sonja Peteranderl hat die Idee der digitalen Staatsbürgerschaft im Kanal “Technologie und Gesellschaft” gepiqt. Sie schreibt:

“Die Projektwebseite bildet einige der diskutierten Ansätze ab und liefert auch praktische Anregungen, wie man seine durch Staatsangehörigkeit erworbenen Privilegien mit anderen Menschen teilen kann…”

Einer derjenigen, die das Projekt mit auf die Beine gestellt haben, ist Michael Prinzinger. Er führt in Berlin ein Unternehmen für IT-Sicherheit und engagiert sich seit Jahren in seiner Freizeit bei der Berliner Gazette. Für ihn ist die “X-Ship” ein Balance-Akt zwischen utopischen oder künstlerischen Ideen und ganz klaren, aktuellen Notwendigkeiten.

James Bridle war auch auf der Konferenz dabei und hat sein Kunstprojekt “Citizen X” vorgestellt. Er sagt: “Die Erarbeitung des Projektes „Citizen Ex“ basiert auf der Art und Weise, wie die NSA in den Vereinigten Staaten darüber entscheidet, ob sie Leute überwacht oder nicht.” – Je nach Verhalten, bekommen die Menschen einfach eine angenommene Staatsbürgerschaft zugeteilt.

Einen ganz radikalen Vorschlag hat die Gründerin der Bitnation, Susanne Tarkowski Tempelhof: Sie will von Firmen regiert werden können, zum Beispiel von TED, der kalifornischen Firma, die für ihre “Ideas Worth Spreading”-Videos weltberühmt ist.

—–
Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke
Weitere Sprecher_innen: Holger Klein
Musikredaktion und Produktion: Barbara Streidl
—–

5. Januar 2018
von Katrin Rönicke
Keine Kommentare

Flucht und Afrika

In Deutschland wird viel über Flucht, die Geflüchteten und die Fluchtursachen gestritten. Die EU zeigt sich seit über zwei Jahren unfähig, eine gemeinsame Asyl-Politik zu finden und während in Deutschland noch viele Menschen daran glauben, dass die Merkel-Regierung eine „Willkommens-Politik“ verfolgen würde, sieht die Realität längst anders aus…

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Den Input für die heutige Sendung hat Jannis Brühl gepiqt. Im Kanal „Reportagen und Interviews“ auf piqd.de hat er ein großes Dossier von Foreignpolicy.com ausgesucht, ein 9-teiliger, englischsprachiger Beitrag, der sich genau angesehen hat, wie vor Ort die Flüchtlingspolitik Europas wirkt. Jannis schreibt zu seinem Piq:

“Du denkst, du verstehst die aktuelle Flüchtlingssituation? Tust du nicht, wenn du dieses Textpaket nicht gelesen hast.”

Nicht nur die Reporter von Foreign Policy haben sich diese Realität ganz genau angesehen. Auch in Deutschland gibt es ein groß angelegtes Projekt, das vor Ort recherchiert hat, wie die EU-Politik die afrikanischen Länder verändert und beeinflusst. Das Projekt heißt „Migration Control“. Die taz-Redakteure Christian Jakob, Dominic Johnson, Daniél Kretschmar, Simone Schlindwein haben über viele Jahre daran gearbeitet und es ist auch in deutscher Sprache. Man kann sich tagelang durch das Online-Portal auf migration-control.taz.de lesen.

Für „piqd thema“ habe ich mit Simone Schlindwein darüber gesprochen. Sie ist taz-Korrespondentin in Afrika und zuständig für die Regionen der Großen Seen. Außerdem ist sie Mitautorin des Buches „Diktatoren als Türsteher Europas: Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“.

Die zweite Gesprächspartnerin der heutigen Sendung ist Petra Bendel. Sie ist Professorin für Politikwissenschaften und Akademische Direktorin des Zentralinstituts für Regionenforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Am 11. Dezember hat sie in Berlin die Ergebnisse der Arbeit einer Kommission vorgestellt, die unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Rita Süssmuth die wichtigsten Thesen und Empfehlungen zum Einwanderungsland Deutschland erarbeitet hat. Der Titel des 200-Seitigen Papiers: “Perspektiven für eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Flüchtlings- und Einwanderungspolitik” herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung.

—–
Redaktion, Moderation: Katrin Rönicke
Weitere Sprecher_innen: Holger Klein und Susanne Klingner
Musikredaktion: Barbara Streidl
Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

—–
Werbung:

Boxcryptor ist eine in Deutschland entwickelte Software, mit der du deine Daten bei Dropbox, oder Google Drive oder so ziemlich jedem gängigen Cloud-Anbieter schützen kannst. Wenn du nicht möchtest, dass deine Daten in die falschen Hände geraten, oder von den jeweiligen Unternehmen gescannt werden, schafft Boxcryptor Abhilfe. Die Software ist auch für Nicht-Informatiker einfach und intuitiv benutzbar, denn die Verschlüsselung läuft im Hintergrund. Einmal eingerichtet, wirst du als Nutzer nicht mehr viel davon merken. Aufgrund der verwendeten Verschlüsselungstechnologie kannst nur du auf deine Daten zugreifen und auch Boxcryptor selbst kann deine Daten nicht entschlüsseln. Eine Zusammenarbeit im Team ist möglich.

Boxcryptor ist kostenlos für die Verschlüsselung von einer Cloud und für die Nutzung auf zwei Geräten. Wenn Du mehrere Clouds verschlüsseln möchtest, kannst du die Vollversion mit einem exklusiven Rabatt auf www.boxcryptor.com erwerben. Mit dem Code „piqd2017“ erhältst du 30% auf eine Jahreslizenz.

—–

15. Dezember 2017
von Katrin Rönicke
Keine Kommentare

China: Spaß durch Massenüberwachung?

Citizen Scoring oder Social Credit – das sind zwei Begriffe, die das gleiche beschreiben: Wie in China durch Big Data und massenhaftes Datensammeln, Polizei, Staat und auch private Unternehmen daran arbeiten, den gläsernen Bürger zu schaffen, der mit einem “Score” belegt wird. Besonders “gute Bürger”, also vor allem solche, die politisch nicht als “Gefahr” gesehen werden und sich auch gesund ernähren, bekommen besonders hohe Scores und damit auch gesellschaftliche Privilegien. Wer einen schlechten Schnitt hat, fällt durch. Das System soll 2020 in Kraft treten – doch schon jetzt wird fleißig geschnüffelt und gesammelt.

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

In dieser Folge spreche ich mit Christian Huberts über seinen piq “Social Credit: Eine Highscore in Gehorsam”, der den Aufschlag für die Sendung macht. Christian beschäftigt sich sonst viel mit Gaming-Kultur und zeigt die parallelen der chinesischen Pläne mit den Nudging-Systemen in Online-Spielen auf.

Wie schon heute in China überwacht wird und welche Daten die Machthaber und die Polizei dort bereits in großem Umfang sammeln, berichtet Maya Wang von Human Rights Watch. Sie wirft ein Schlaglicht auf das System “Police Cloud”, das ungewöhnliches Verhalten vorhersagen und politisch “gefährliche” Menschen erkennen soll. Außerdem berichtet sie von dem Einsatz einer DNA-Datenbank in der chinesischen Provinz Xinjiang, in der die DNA der muslimischen Minderheit gesammelt wird.

Auch die Journalistin Angela Köckritz kennt die chinesische Überwachungs- und Datensammel-Lust. Sie hat vier Jahre lang in China gearbeitet und erzählt, wie gerade Journalisten, die zu “politisch gefährlichen” Themen recherchieren, aufpassen und sich absichern müssen und wie sie bei einem Polizeiverhör ihre gesamten WeChat-Nachrichten ausgedruckt vorgelegt bekam.

—–
Redaktion, Moderation: Katrin Rönicke
Overvoice: Barbara Streidl
Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

—–
Werbung:

Boxcryptor ist eine in Deutschland entwickelte Software, mit der du deine Daten bei Dropbox, oder Google Drive oder so ziemlich jedem gängigen Cloud-Anbieter schützen kannst. Wenn du nicht möchtest, dass deine Daten in die falschen Hände geraten, oder von den jeweiligen Unternehmen gescannt werden, schafft Boxcryptor Abhilfe. Die Software ist auch für Nicht-Informatiker einfach und intuitiv benutzbar, denn die Verschlüsselung läuft im Hintergrund. Einmal eingerichtet, wirst du als Nutzer nicht mehr viel davon merken. Aufgrund der verwendeten Verschlüsselungstechnologie kannst nur du auf deine Daten zugreifen und auch Boxcryptor selbst kann deine Daten nicht entschlüsseln. Eine Zusammenarbeit im Team ist möglich.

Boxcryptor ist kostenlos für die Verschlüsselung von einer Cloud und für die Nutzung auf zwei Geräten. Wenn Du mehrere Clouds verschlüsseln möchtest, kannst du die Vollversion mit einem exklusiven Rabatt auf www.boxcryptor.com erwerben. Mit dem Code „piqd2017“ erhältst du 30% auf eine Jahreslizenz.

—–

8. Dezember 2017
von Marion
Keine Kommentare

piqd-Hintergrund | Hypermoral, Heinz-Christian Strache, Lenin-Mythos – Leben wir im Zeitalter der Hypermoral?

Im „piqd-Hintergrund“ kommen Kuratoren und Autoren zu Wort. Wir sprechen einmal im Monat mit klugen Köpfen, die das Netz nach den besten Artikeln durchforsten und dann auf piqd.de empfehlen. Eine Zusammenarbeit zwischen piqd.de und detektor.fm.

Die Neonazi-Vergangenheit eines Spitzenpolitikers

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war als junger Mann in der Neonazi-Szene aktiv. Leila Al-Serori und Oliver Das Gupta haben diese Zeit mit großem Aufwand akribisch und präzise rekonstruiert. Dass ein Politiker mit einer solchen Vergangenheit so erfolgreich Karriere macht, ist in Europa einzigartig und ruft Bedenken hervor. Die Recherche wurde in zwei Teilen in der Süddeutschen Zeitung als “Die Akte Strache” veröffentlicht.

Was wirklich auffällig ist, ist dass er nach wie vor diese Zeit in der Neonazi-Szene nicht einmal als Fehler bezeichnen möchte. Er zieht da keinen Schlussstrich. Er hat offenkundig gar nicht vor sich davon richtig zu distanzieren.Oliver Das GuptaFoto: Süddeutsche Zeitung, Wüllner

Das gespaltene Verhältnis der Russen zu Lenin

Das Radiofeature “Mapping Lenin” von Christine Hamel ist das Ergebnis einer einmonatigen Recherchereise durch Russland. Im Beitrag kommen auch Menschen aus abgelegeneren Orten zu Wort. Die tragen häufig “Lenin” im Namen. Lenin selbst spielt im öffentlichen Leben hingegen kaum mehr eine Rolle.

Der Personenkult um Lenin ist noch lebendig, der Wunsch nach einer Vision in der Welt, dieses Verlangen nach einer Idee, die weit über den Alltag hinausreicht. – Christine Hamel

Die Regierung hat eine wirksame Erzählung um den starken russischen Staat geschaffen. Für Revolutionsgedanken ist da kein Platz.

Das Zeitalter der Hypermoral

In “Sein und Streit” bei Deutschlandfunk Kultur hat der Philosoph Alexander Grau über die “Hypermoral” gesprochen. Also darüber, dass wir immer häufiger moralisch statt sachlich argumentieren. Wer nüchtern argumentiert, gilt schnell als empathielos und unsympathisch, erklärt Grau. Politiker können beispielsweise Zustimmung in der Gesellschaft nicht ausschließlich mit rationalen Argumenten erreichen. Hinzu kommt, dass viele Themen, beispielsweise technischer Natur, heute direkt moralisch diskutiert werden.

Es ist natürlich hochgradig irrational, Atomkraftwerke abzuschalten, weil es ein Erdbeben in Japan gab.

1. Dezember 2017
von Katrin Rönicke
1 Kommentar

Instagrams perfekte Körper

Die NEON-Autorin Fiona Weber-Steinhaus nennt es das “Zeitalter der Selbstverarsche”: Wir betonen über und über, wie wichtig es ist, seinen Körper zu akzeptieren, sich mit ihm wohl zu fühlen und das Leben zu genießen – mit all den Pizzen, Steaks und Cupcakes, die eben für Genuss und Lebensqualität stehen. Aber gleichzeitig rümpfen wir die Nase, wenn jemand nicht schlank ist, denn dieses Körperideal haben wir seit den Aerobic-Videos der 90er nicht abgelegt. Gerade in den Sozialen Medien und allen voran auf Instagram inszenieren junge Menschen ihre Fitness und ihren Körper – was macht das mit unserer Gesellschaft?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Martina Kix ist stellvertrende Chefredakteurin von ZEIT Campus und unter anderem piqerin im Kanal “Kopf und Körper”. Sie hat immer wieder Artikel gepiqdt, in denen es um Körperoptimierung, die neuen Fitnessgurus auf Instagram und modernes Essverhalten geht. Und sie findet, dass die Sache mit dem Schönsein und der Fitness so neu gar nicht ist…

Sascha Chaimowicz ist der Autor eines der piqs, die man in Martinas Profil finden kann. Denn er hat in einen Selbstversuch von acht Wochen hart daran gearbeitet, seinen Körper zu stählen und das für das ZEIT Magazin aufgeschrieben. Er berichtet davon was dieser Versuch ihm über seinen Körper beigebracht hat und wie er den Trend zur Fitness sieht.

Sehr viel distanzierter, nämlich mit der wissenschaftlichen Brille, blickt Jakob Hörtnagl auf das Fitnessphänomen, und zwar als Kommunikations- und Medienwissenschaftler vor allem auf die Auswüchse auf Instagram. In der Studie, “Firm body, good life? Visual representations of fitness related contents on Instagram and their appropriation by young women“, haben er und seine Kollegen eine Bildanalyse unternommen und 18- bis 23-jährige Instagram-Nutzerinnen zu ihrem Verhalten befragt.

—–
Redaktion: Katrin Rönicke
Moderation: Katrin Rönicke
Produktion: Barbara Streidl

Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

—–
Werbung:

Boxcryptor ist eine in Deutschland entwickelte Software, mit der du deine Daten bei Dropbox, oder Google Drive oder so ziemlich jedem gängigen Cloud-Anbieter schützen kannst. Wenn du nicht möchtest, dass deine Daten in die falschen Hände geraten, oder von den jeweiligen Unternehmen gescannt werden, schafft Boxcryptor Abhilfe. Die Software ist auch für Nicht-Informatiker einfach und intuitiv benutzbar, denn die Verschlüsselung läuft im Hintergrund. Einmal eingerichtet, wirst du als Nutzer nicht mehr viel davon merken. Aufgrund der verwendeten Verschlüsselungstechnologie kannst nur du auf deine Daten zugreifen und auch Boxcryptor selbst kann deine Daten nicht entschlüsseln. Eine Zusammenarbeit im Team ist möglich.

Boxcryptor ist kostenlos für die Verschlüsselung von einer Cloud und für die Nutzung auf zwei Geräten. Wenn Du mehrere Clouds verschlüsseln möchtest, kannst du die Vollversion mit einem exklusiven Rabatt auf www.boxcryptor.com erwerben. Mit dem Code „piqd2017“ erhältst du 30% auf eine Jahreslizenz.

—–

17. November 2017
von Katrin Rönicke
3 Kommentare

Was ist Bitcoin?

Es gibt unzählige Beiträge im Internet, die erklären, wie die Technik hinter Bitcoin funktioniert. Aber wer kann schon sagen, was Bitcoin im wirtschaftlichen Sinne ist? Ist Bitcoin eine Art Geld? Eine Währung, bloß eben digital? Wozu ist es da? Wie bemisst sich sein Wert?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Der Journalist und Kulturwissenschaftler Michael Seemann findet genau das an Bitcoin so spannend – denn “die Frage nach dem Wert ist fast schon eine philosophische”. Sein piq, “Was sind Cryptocurrencies wirklich”, soll der Ausgangspunkt für unsere heutige Sendung sein.

Tanzeel Akhtar ist Wirtschaftsjournalistin, sie schreibt unter anderem für die Financial Times und das Wall Street Journal. Sie findet schon, dass Bitcoin wie eine Währung benutzt werden kann – aber dann, so ihre Meinung, sollten die Leute, die damit Profite machen, auch Steuern darauf zahlen. Nur: Bei komplett anonymen Transaktionen ist das natürlich schwer. Wie soll eine digitale Währung reguliert werden? Das geht gar nicht – und genau das ist für viele auch der Reiz an Bitcoin: am Staat vorbei zu wirtschaften.

Der Wirtschaftsexperte Marco Herack von den „Mikro-Ökonomen“ sieht darin nur eine weitere Ausprägung der wachsenden Skepsis gegenüber Staaten und staatlichen Institutionen. Neben solchen Bewegungen wie „Pegida“ und der Angst vor der „Lügenpresse“ oder der Ablehnung der EU, ist Bitcoin eben die Skepsis gegenüber dem Geldsystem. Für ihn zeigt sich in Bitcoin sonst kein konkreter Nutzen, deswegen vermutet er hinter den immer krasser steigenden Werten einen schlichten Hype.

—–
Redaktion: Katrin Rönicke
Moderation: Katrin Rönicke
Produktion: Barbara Streidl

Mit Dank an hoerspielbox.de, freesound.org und Derek Singleton.

—–
Werbung:

Boxcryptor ist eine in Deutschland entwickelte Software, mit der du deine Daten bei Dropbox, oder Google Drive oder so ziemlich jedem gängigen Cloud-Anbieter schützen kannst. Wenn du nicht möchtest, dass deine Daten in die falschen Hände geraten, oder von den jeweiligen Unternehmen gescannt werden, schafft Boxcryptor Abhilfe. Die Software ist auch für Nicht-Informatiker einfach und intuitiv benutzbar, denn die Verschlüsselung läuft im Hintergrund. Einmal eingerichtet, wirst du als Nutzer nicht mehr viel davon merken. Aufgrund der verwendeten Verschlüsselungstechnologie kannst nur du auf deine Daten zugreifen und auch Boxcryptor selbst kann deine Daten nicht entschlüsseln. Eine Zusammenarbeit im Team ist möglich.

Boxcryptor ist kostenlos für die Verschlüsselung von einer Cloud und für die Nutzung auf zwei Geräten. Wenn Du mehrere Clouds verschlüsseln möchtest, kannst du die Vollversion mit einem exklusiven Rabatt auf www.boxcryptor.com erwerben. Mit dem Code „piqd2017“ erhältst du 30% auf eine Jahreslizenz.

—–

27. Oktober 2017
von Katrin Rönicke
Keine Kommentare

Wenn die Medien hyperventilieren

Berichterstattung ist die vorderste Aufgabe der Medien. Doch manchmal gehen diese zu weit, verlieren sich in Schnappatmung und richten Schaden an. Wann und wie dürfen, sollen oder müssen Medien eigentlich berichten – und wann oder wie besser nicht?

  Musik: Zava_instrumental_Obo-è! by ZAVAPRODUZIONI

 

Alexander von Streit ist selbst Journalist und unter anderem Gründer der Krautreporter. Er macht mit seinem piq, “Warum Medien die AfD erfolgreicher gemacht haben – und trotzdem weiterberichtet werden muss” den Aufschlag für die Sendung. Was für Lehren sollten die Medien aus dem AfD-Aufstieg ziehen und wie kann in Zukunft vermieden werden, über jedes Stöckchen, das die Partei hinhält, zu springen?

Katharina Nocun twitterte neulich: “Man stelle sich mal vor, Asylsuchende wären genauso oft in Talkshows eingeladen worden, wie ‘besorgte Bürger'” und schlug damit in eine ähnliche Kerbe. Sie findet, dass im Wahlkampf die Themensetzung der AfD am besten funktioniert hat – dass die Anliegen ganzer Wählergruppen dafür aber gar nicht stattfanden. Geschweige denn die Perspektive von Geflüchteten.

Boris Rosenkranz ist Gründer der Übermedien und als solcher beobachtet er sehr kritisch, was die Kollegen so treiben. Seiner Meinung nach werden bei Taten wie dem Massenmord in Las Vegas, Amokläufen und Terroranschlägen, viel zu oft Details berichtet und weiterverbreitet, die im Zweifel Nachahmer hervorrufen könnten. Denn Aufmerksamkeit spielt bei vielen solchen Taten eine große Rolle – selbst posthum. Auch bei Suiziden würden viele Medien sich nicht an die Vorgaben halten, die Psychologen machen.

———-
Produktion: Barbara Streidl
Sprecherin: Katrin Rönicke
Redaktion: Katrin Rönicke