<p class="individual_name">Geld ist, wenn der eine den anderen im Sack hat. Der russische Schriftsteller Tolstoi sah Geld als eine Fortsetzung der Leibeigenschaft mit anderen Mitteln. Georg Wallwitz und Moritz Orendt sprechen in dieser Folge über die verschiedenen Facetten von Geld: Geldschöpfung, Inflation, Deflation und Zinsen</p> <span class="idv-links"> <p class="idv-player-links"><a href=" https://podcasts.apple.com/de/podcast/piqd-wirtschaft/id1457864164">Apple Podcasts</a> | <a href="#">Deezer</a> | <a href="https://www.google.com/podcasts?feed=aHR0cHM6Ly9wb2RjYXN0cy5waXFkLmRlL3BpcWQtd2lydHNjaGFmdA%3D%3D">Google Podcasts</a> | <a href="https://open.spotify.com/show/3nIIPxc5gOuffdZVAT7Ykt">Spotify</a></p> </span>

piqd WIRTSCHAFT #10

Geld

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"Geld ist, wenn der eine den anderen im Sack hat." Der russische Schriftsteller Tolstoi sah Geld als eine Fortsetzung der Leibeigenschaft mit anderen Mitteln. Tolstoi hat sicherlich Recht damit, dass Geld ein Machtinstrument ist.

In der 10.Folge des piqd Wirtschaft-Podcasts machen wir einen Streifzug durch die faszinierenden Facetten dieser menschlichen Erfindung.

In einer knappen halben Stunde nähern wir uns diesen großen Fragen:

  • Erfindung: Wie kam das Geld einmal in die Welt?
  • Geldschöpfung: Wie kommt heute unser Geld in die Welt?
  • Deflation: Was ist eigentlich das Problem, wenn alles billiger wird?
  • Inflation: Was kann der Staat gegen Krisen tun und was kann man selbst tun?
  • Aktuelle Situation: Zur Zeit gibt es negative Zinsen. Ist das etwas Besonderes und müssen wir uns deswegen Sorgen machen?

4 comments

Viele interessante Punkte, die hier angesprochen werden, aber einige Aspekte führen leider in die Irre. Geld ist in allererster Linie KEIN Tauschmittel, sondern ein Zahlungs- bzw. Schuldentilgungsmittel. Geld ist im Gegensatz zum Tausch im Hier und Jetzt ein soziales Phänomen in der Zeit. Die Vorstellung einer Tauschwirtschaft führt beim Thema Geld leider völlig in die Irre. Ebenso die Vorstellung, dass der Ursprung die Hinterlegung von Gold im Mittelalter war. Dies ist vielmehr ein Hinweis auf die Eigentumsökonomik von Heinsohn und Steiger (verpfändbares Eigentum zur Kreditabsicherung). Der Ursprung ist doch vielmehr beim Wechselgeschäft zu finden. Ein Wechsel ist ein vom zugrundeliegenden Kausalgeschäft abstraktes Zahlungsversprechen. Aus den Solawechseln der Geldwechsler entwickelten sich dann später die Banknoten der Zettelbanken und nach Einführung von Zentralbanken die heutigen Banknoten, die eigentlich Zentralbanknoten heißen müssten, da Banken seitdem keine eigenen Banknoten mehr herausgeben dürfen. Diese Banknoten verkörpern heute die abstrakteste Form, mit der zugrundliegende Kausalgeschäfte hinsichtlich der Bezahlung erfüllt werden. Dass es dann eine Zeitlang einen Goldstandard gab, das ist insbesondere dem Missverständnis über die Funktion der Goldschmiede geschuldet. Geld kommt nicht von Gold sondern von gelten (engl. guilty, Schuld).

Ein weiter irrtum, der hier von Wallwitz kolportiert wird, ist die Vorstellung, dass die Bank die (Bar)Einlage des Sparers benötigt, um Kredite vergeben zu können und dass dieser Vorgang einen Einfluss auf die Geldmenge M1, M2. M3 habe. Hier stellt sich insbesondere die Frage, wie denn dieses Bargeld zuvor in die Hände des Sparers gelangt ist; denn er wird es ja nicht aus dem Boden gegraben haben, wie es beim Ursprung des Goldes üblich ist.

Um es klar und deutlich zu sagen: Eine Bareinzahlung bei einer Bank hat KEINEN Einfluss auf die Geldmenge und – wenn überhaupt – nur einen sehr marginalen Einfluss auf die Kreditvergabemöglichkeiten einer Bank. Und Zentralbanken managen auch nicht aktiv die Geldmenge (welche?), sondern reaktiv im Hinblick auf realwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Entwicklungen; und zwar sehr indirekt über den Zinssatz, wie Wallwitz dann ja auch ausführt. Seine Vorstellungen scheinen mir doch noch sehr stark durch die alten monetaristischen Irrlehren der Bundesbank beeinflusst zu sein. Mehr zu diesen Irrtümern hier: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/geldschoepfung-wie-kommt-das-geld-in-die-welt-15825052.html

Übrigens: Die Leute können ihr Geld nicht bei der Zentralbank halten (Minute 9:50, da sie keinen Zugang zu diesem Geldkreislauf haben. Der Geldkreislauf der Privaten unterscheidet sich fundamental vom Geldkreislauf der Banken.

Warum wir uns immer noch so schwer tun, unser Geldsystem richtig zu verstehen, das hatte ich in Anlehnung an Perry Mehrling mal hier dargelegt: https://zinsfehler.com/2019/01/23/warum-konnen-wir-unser-geldsystem-nicht-richtig-verstehen/

LG Michael Stöcker

Hallo Michael,
vielen Dank für deinen wertschätzenden und langen Kommentar. Ich antworte mal zu einigen Punkten:
– Tauschwirtschaft
Das Geld aus einer Tauschwirtschaft a la Smith entstanden ist, sondern anders, beschreiben wir doch. Auch das Geld eben nicht nur ein ökomisches Ding ist, sondern vor allem ein soziales, war uns eigentlich ein Anliegen. Schade, dass das bei dir nicht so angekommen ist.
– Ursprung des Papiergeldes
Gut, hier gibt es mehrere konkurrierende Erzählungen. Etwa, dass es schon vorher in China entstanden ist. Zu dieser Geschichte gibt es auch hier einen piq: https://www.piqd.de/zeitgeschichte/die-erfindung-des-geldes-die-geburtsjahre-unseres-schon-immer-kriselnden-bankensystems Dass sich unser Papiergeld aus dem Wechselgeschäft entstanden ist, diese Geschichte kannte ich noch nicht. Aber dass dies die eine historische Wahrheit, da setze ich zumindest ein Fragezeichen dahinter. Gerade mit so historischen Wahrheiten muss man aufpassen.
– Geldschöpfung, Sparer und Bank
Klar ist das nicht die exakte Wahrheit, darum sagt Juri auch „sehr stark vereinfacht“. Wir haben uns vorher entschieden, nicht über M1, M2 und M3 in diesem Podcast zu sprechen. Das verwirrt jemanden, der sich noch nicht so viel beschäftigt hat, doch sehr. Und den grundlegenden Mechanismus zeigt das Beispiel unserer Mini-Volkswirtschaft doch gut, dachte ich zumindest.
Lieben Gruß aus München
Moritz

Habe ich da etwas überhört? Welche Rolle spielt die Staatsgewalt bei der Durchsetzung des Geldes als Bezahlschranke zwischen mir und meinem Bedürfnis?
Und: „Die Einnahmen des Staates stammen nicht aus irgendeiner Sorte Tausch. Der Staat verdient sich das Geld nicht, sondern eignet es sich durch das höhere Recht seiner legitimen Gewalt an.“
Ausführlich dazu hier:
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/staatshaushalt

Viele Grüße- Wolf

Hallo Wolf,
danke für deinen Kommentar und deine Ergänzung zum Staat.
Besten Gruß
Moritz

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