Berlin

piqd HINTERGRUND #4
Workingclass Heroes

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Die englische Band Sleaford Mods steht für ein ganz bestimmtes englisches Lebensgefühl. Eine Berlinerin hat sie porträtiert. Außerdem: Die Serie "4 Blocks" im Realitätscheck und ein schwer zu ertragendes Stück über systematische Vergewaltigungen im Bosnien-Krieg. Die neue Folge vom "piqd-Hintergrund".

Bunch of Kunst – Doku über die Sleaford Mods

Sänger Jason, DJ Andrew und Manager Steve – das sind die Sleaford Mods aus Nottingham. Ihre Musik ist ungewöhnlich, dreckig und aggressiv, aber auch lustig, sagt Christine Franz. Die Berlinerin hat auf ihr Bauchgefühl gehört, als sie sich 2014 entschieden hat, einen Film über die englische Band zu drehen: Bunch of Kunst.

Der Film porträtiert nicht nur die Band, sondern einen Teil der britischen Bevölkerung, der sich durch die expliziten Liedtexte endlich verstanden und vertreten fühlt. Das Erfolgsrezept: Die Jungs aus den East Midlands machen Arbeitermusik. Es scheppert und dröhnt und es wird geflucht bis selbst Seemänner rot werden.

Die Texte sprechen den Leuten wahnsinnig aus der Seele. Das ist eine Spreche, die du im Pub aber nicht in den Charts hörst. Christine Franz hat die Band Sleaford Mods porträtiert

Mehr als eine Thriller-Serie

Die deutsche Serien-Produktion 4 Blocks kommt der Realität wirklich nahe, schreibt Christian Stahl in einem Essay für die ZEIT. Der Berliner Autor und Regisseur befasst sich schon seit Jahren mit Gangstrukturen in Neukölln. In der Serie dreht sich alles um einen libanesischen Mafia-Clan. Stahl beschreibt, wie sich die wirklichen Clans zusammensetzen. Staatenlose und Vertriebene bauen kriminelle Strukturen auf.

Es ist auch ein Gespräch über das Scheitern des Staates. Mal wieder kommen wir in unserem Podcast kritisch auf das Thema Integration zu sprechen. Es geht vor allem um das Gefühl dazugehören zu wollen, sagt Stahl: “Es ist absurd und kindisch, aber die wollen entweder Gangster sein und wenn das nicht klappt Polizist.”

“Jede Nacht haben sie andere geholt”

Vergewaltigungen als Kriegsstrategie – im Bosnien-Krieg in den 1990er Jahren sind bosnische Frauen täglich Opfer sexueller Gewalt durch serbische Soldaten und Wärter geworden. Mechthild Müser hat mit den Opfern gesprochen und analysiert die Problematik, die möglichen Gründe. Vergewaltigungen sind aus Sicht vieler Militärs eine nicht vermeidbare Konsequenz, ja sie halten nach Meinung einiger Soldaten sogar die Truppenmoral aufrecht.

Man weiß nicht genau, wie viele Frauen vergewaltigt wurden, die Zahlen liegen zwischen 25.000 und 50.000. Aber das kann man natürlich nicht zählen, wie man Tote zählen kann. Bis zum Zeitpunkt meiner Recherche sind aber erst 60 Männer verurteilt worden. Mechthild Müser hat über systematische Vergewaltigungen im Bosnien-Krieg recherchiert.

Der Beitrag ist schwer zu verdauen, auch Müser musste während der Gespräche ihre Tränen zurückhalten.Trotzdem ist es für die Opfer enorm wertvoll über die schrecklichen Taten zu reden. Denn wenn Menschen nicht mehr menschlich handeln, ist es wichtig die Opfer zu schützen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Begleiten doch die Folgen der Vergewaltigung die Frauen ihr Leben lang.

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piqd HINTERGRUND #3
Aktivismus ohne Grenzen

piqd HINTERGRUND #3

Aktivismus ohne Grenzen

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Wie können Netz-Aktivisten gegen autokratische Regierungen bestehen? Wofür steht der härteste Baum von Berlin? Und welche Erkenntnisse lassen sich aus der gescheiterten Aufnahme eines syrischen Flüchtlings gewinnen?

Aktivismus dank IT-Unterstützung

Aktivisten sehen sich im Netz oft mit übermächtigen Gegnern konfrontiert. Für Regierungen wie die türkische ist es ein Kinderspiel, kritische Webseiten zu sperren. Sie kann so die Berichterstattung über brisante Veröffentlichungen und Aktivismus im Keim ersticken. Max Biederbeck hat für die WIRED über eine mögliche Lösung des Problems geschrieben:

Die Programmierer, Netzwerk-Experten und Hacker der freien Welt müssen sich nur zusammentun. Max Biederbeck hat für die WIRED über Aktivismus im Netz geschrieben.

Doch nicht jeder Aktivist hat die dafür notwendigen IT-Kenntnisse. Deshalb helfen Vereinigungen wie „Security without Borders“ den Aktivisten dabei, Unterstützung von Profis zu bekommen und ihren Aktivismus weiter zu verfolgen.

Wenn Integration an Grenzen stößt

Der Journalist Hannes Koch hat Karim ohne zu zögern aufgenommen. In seinem Freundeskreis war er damit nicht der Erste, der einem syrischen Flüchtling einen Schlafplatz gab. Doch nach einem Jahr hatte er genug. Zu zerrüttet war das Verhältnis zum jungen Syrer.

Denn Karim belog ihn regelmäßig und schien sich an keine Regeln zu halten. Dadurch ist die Integration schwierig gewesen. Karim ist nämlich traumatisiert, depressiv und leidet an posttraumatischen Belastungsstörungen. Wo beginnt soziale Verantwortung und wann hört sie wieder auf? Was kann man in einem solchen Fall machen?

Ein Baum als Symbol

Der wohl härteste Baum von Berlin steht in Friedrichshain an der Warschauer Straße. Berliner wissen bestimmt schon, welcher Baum gemeint ist. Für Juliane Schiemenz ist dieser Baum der Ausgangspunkt einer Analyse der Probleme des Stadtteils. Aushalten muss der Baum einiges, er wird “bespuckt, bepinkelt und angezündet” schreibt Schiemenz.

Und doch blüht er jedes Jahr im Frühling aufs Neue. Und während sie mittlerweile umgezogen ist, harrt der Baum weiter geduldig aus.

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