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piqd HINTERGRUND #21
Wer weiß was? Rechtes Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe

piqd HINTERGRUND #21

Wer weiß was? Rechtes Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe

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Im piqd HINTERGRUND #21 erzählt Christina Schmidt von einer taz-Recherche zu einem rechten Untergrundnetzwerk mit Bundeswehrnähe, Jannis Brühl über die die Möglichkeit eines Überwachungsstaats in Deutschland und Judith Schnaubelt gemeinsam mit Peter Pichler darüber, wie E-Pianos die Popmusik revolutionierten.

Rechtes Untergrundnetzwerk in der Bundeswehr – Hannibals Schattenarmee

Eine aufwendige taz-Recherche hat ein bundesweites rechtes Untergrundnetzwerk aufgedeckt. Deren Kopf ist Hannibal, alias Andre S., bis vor kurzem noch Elite-Soldat. Er leitet verschiedene Chatgruppen, die er mit “Lageberichten” versorgt. Darin sind Soldaten, Reservisten, Beamte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes organisiert.

Die Gruppen bereiteten sich auf den Zusammenbruch des deutschen Staates vor, gehören zur “Prepper-Bewegung”, betreiben Kampfsport und haben “Safe Houses” eingerichtet. Auch der Verein “Uniter” verfolgt diese Ziele. Ursprünglich war er für ehemalige Soldaten vorgesehen, mittlerweile ist er allerdings weiter geöffnet.

"'Ist das einfach nur schräg oder ist das jetzt wirklich gefährlich?' Diese Frage hat sich das taz-Team während der Recherche einige Male gestellt." Christina Schmidt arbeitet als Reporterin für die taz.

Palantir macht Polizei-Überwachung noch leichter

Hessens Polizei arbeitet als erste in Deutschland mit Software des US-Unternehmens Palantir. Jannis Brühl konnte sich anschauen, wie das Programm funktioniert: Die Software spart den Ermittlern Zeit und Aufwand, da enorm viele Daten aus verschiedenen Datenbanken, private Chatnachrichten und soziale Profile verknüpft werden. Kritiker monieren die wachsende Gefahr eines Überwachungsstaats. Auch dem großen Einfluss von großen Tech-Unternehmen auf das Privatleben stehen sie skeptisch gegenüber. Brühl berichtet über weitere Hintergründe um die digitale Aufrüstung der deutschen Polizei.

"Was passiert, wenn ein Unternehmen, das sehr enge Verbindungen zur CIA hat, Zugriff auf Polizeidaten hat? Die rüsten massiv auf und die Gesetze [in der EU und den Einzelstaaten] werden laufend angepasst." Jannis Brühl über die Fragestellungen des hessischen Untersuchungsausschusses zu “Palantir”.

Funky Vibes & Hot Butter – wie E-Pianos die Popmusik revolutionierten

Die Klassiker unter den elektrischen Pianos – „Fender Rhodes“ und „Wurlitzer“ – feiern ein Comeback in der Popmusik. Vor allem in der jungen, vom Jazz inspirierten Londoner Musikszene und im US-amerikanischen Neo-Soul-Funk spielen sie eine große Rolle. Judith Schnaubelt, die schon seit vielen Jahren Musiksendungen für den Zündfunk macht, hat für ihren Zündfunk Generator Peter Pichler getroffen. Der Münchner Musiker gilt als einer der letzten Tautonium-Spieler und kennt sich bestens aus mit elektrischen Tasten. Beide waren gemeinsam zu Gast im piqd-Salon.

"Der Anlass für meine Sendung war, dass ich plötzlich Sounds gehört habe, die ich noch nie so bewusst wahrgenommen habe. [...] Das schmiegt sich da so rein und dann ist es halt da." Judith Schnaubelt moderiert seit vielen Jahren unter anderem den Nachtmix bei Bayern 2.

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piqd HINTERGRUND #16
„Es geht um Daten!“

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In der sechzehnten Folge piqd HINTERGRUND sprechen wir über die Kommerzialisierung des Gehirns, den geplanten Cyberstaat Chile und Pharmaexperimente in Kinderheimen. Unsere Gäste sind Christiane Miethge, Christiane Hawranek und Anna-Verena Nosthoff & Felix Maschewski.

Gehirn-Kommerz

Tech-Unternehmen investieren derzeit viel Geld in Forschungsprogramme, die eine Computer-Gehirn-Schnittstelle ermöglichen sollen. Facebook möchte es Nutzern beispielsweise ermöglichen, Kraft der Gedanken hundert Wörter pro Sekunde zu diktieren. Was einerseit toll klingt, birgt andererseit auch wieder einen tiefen Eingriff in die Privatsphäre. Christiane Miethge spricht darüber, ob mit dem Gehirn-Kommerz das Ende der Gedankenfreiheit eingeläutet werde. Für ihre Recherche hat sie mit Wissenschaftlern, Ärzten und Unternehmern gesprochen, die sich einig sind, dass die Schnittstelle für den Gehirn-Kommerz kommen wird.

"Vielleicht geht es nicht ums Gedankenlesen im eigentlichen Sinne. Vielleicht geht’s nicht darum jedes Wort zu verstehen. Es geht um etwas ganz anderes. Es geht um Daten." Christiane Miethge, Autorin beim Bayerischen Rundfunk

Heimkinder als Versuchsobjekte für Psychopharmaka

Pia Dangelmayer und Christiane Hawranek sind einem Skandal auf die Spur gekommen. In einigen bayerischen Kinderheimen wurden in den 1960er und 1970er Jahren Medikamentenversuche mit Kindern durchgeführt, vermutlich finanziert von Pharmaunternehmen.

"Da ziehen sich jetzt viele darauf zurück und sagen: das war ja in einer ganz anderen Zeit. Und es waren ja nur Kinder." Christiane Hawranek, Redakteurin für den BR.

Ärzte und Heime verdienten, die Kinder hatten mit den Folgen zu kämpfen. Einer von ihnen, Martin, sitzt heute im Rollstuhl und ist schwer lungenkrank. Die Aufklärung läuft allerdings schleppend, ein großes Interesse von Seiten des Staates und der Träger besteht daran möglicherweise ohnehin nicht.

Cyberstaat und schillernde Persönlichkeiten in Chile

Anfang der 1970er Jahre entstand in Chile eine computergesteuerte Utopie. Ein vernetzter Supercomputer sollte Politik und Wirtschaft im Land koordinieren und optimieren. Diese spektakulär klingende Idee stammte vom britischen Unternehmensberater Stafford Beer. Er hat die “Management-Kybernetik” entwickelt und schwankte selbst zwischen Extravaganz und Einsiedlertum.

Für den chilenischen Präsidenten Salvador Allende hat er das Projekt Cybersyn entwickelt, quasi eine Maschine für direkte Demokratie. Trotz einer bestandenen Bewährungsprobe kam das System nie richtig zum Einsatz – im September 1973 kam General Pinochet durch einen Putsch an die Macht. Der Opsroom wurde zerstört.

"Stafford Beers Ziel war der Gesellschaft Chiles ein elektronisches Nervensystem zu implantieren. Das heißt man war auf der Suche nach einem staatstragenden, perfekten Algorithmus." Felix Maschewski ist Germanist, Wirtschaftswissenschaftler, freier Autor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsgestaltung Berlin. Er hat den Text gemeinsam mit Anna-Verena Nosthoff, Philosophin, politische Theoretikerin und freie Autorin, geschrieben.

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