Europa

piqd THEMA #65
„Europa ist eine konkrete Hoffnung“

piqd THEMA #65

„Europa ist eine konkrete Hoffnung“

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Das Brexit-Chaos, Europafeinde von links wie rechts und dann hat die EU ohnehin mit politischen Altlasten zu kämpfen - kurz vor der Europawahl gibt es jedenfalls eine Menge Gesprächsstoff. Wir haben uns deshalb gefragt: Ist das noch Europa oder kann das Weg?

"Ist das noch Europa oder kann das weg?" – mit dieser Fragestellung konfrontierten unsere Gast-Moderatoren Jan Kawelke und Vassili Golod beim piqd Salon in Berlin vier Gäste: Caroline Flohr, Paulina Fröhlich, Harald Schumann und Isabell Hoffmann.

Dabei wollten wir konkrete Probleme ansprechen und diskutieren, ohne dabei zu pauschalisieren oder zu beschönigen.

"Es geht hier auch gerade in der Situation, in der viele Leute das Gefühl haben, es bricht viel um, es verändert sich viel, um Haltung." – Isabelle Hoffmann, EUpinions

Europa ist überall Thema, es gibt schließlich auch genügend Gesprächsstoff: Brexit, Rechtspopulismus, die gemeinsame Bewältigung der Klimakrise und natürlich Migration: Auf die wir im Salon aber erst durch eine Frage aus dem Publikum ganz am Ende der Veranstaltung kamen.

"Die öffentliche Meinung oder der mediale Diskurs waren noch nie europäischer als heute. Noch nie konnte man in deutschen Medien so viel darüber erfahren, was die anderen Europäer über Europa und die Institutionen denken wie heute." – Harald Schumann, Investigate Europe

Diese Fragen haben wir beantwortet: Was bedeutet Europa eigentlich für seine Einwohner? Wie tickt die EU? Warum hat sie aktuell so viele Gegner? Und was muss passieren, damit Menschen wieder an die EU glauben?

Brexit und Demokratiedefizite

Und über all dem schwebt immer noch der Brexit und das ganze Chaos, das man da in den letzten Wochen und Monaten beobachten konnte. Hinzu kommt, dass das Europäische Parlament seit Jahren deutliche Demokratiedefizite (dazu eine Empfehlung eines Textes von Harald Schumann) aufweist. Das hinterlässt auch Spuren bei den Bürgerinnen und Bürgern der EU.

"Dazu gehört, dass das europäische Parlament, das einzige Parlament weltweit ist, das keine Gesetze vorschlagen kann, du wählst jemanden, der geht ins Parlament und kann keine Gesetze vorschlagen." – Caroline Flohr, VOLT

"Für die Aktivisten mit denen ich gesprochen habe, ist Europa eine konkrete Hoffnung. Nicht das, was wir heute haben, aber das, was wir übermorgen haben könnten, wenn wir uns engagieren und einbringen und unsere Stimmen in einer europäischen Öffentlichkeit laut machen." – Paulina Fröhlich, Kleiner Fünf, Progressives Zentrum

Den ganzen Salon zusammengefasst hat wieder die wunderbare Isabel Woop, redaktionell unterstützt von Philipp Weimar. Danke an euch! Den kompletten Salon inklusive der wunderbaren Moderation gibt es hier.

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piqd HINTERGRUND #20
Von Hochstaplern und Schwindlern

piqd HINTERGRUND #20

Von Hochstaplern und Schwindlern

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In Folge 20 des piqd HINTERGRUND sprechen Christian Salewski, Malene Gürgen und Michèle Loetzner über die Geschichten hinter ihren Recherchen. Diesmal sind die Themen: Cum-Ex, Tinder-Schwindel und Rechtspopulismus.

Cum-Ex und kein Ende: »Der größte Steuerraub in der Geschichte Europas«

Cum-Ex und Cum-Cum bezeichnen Aktiengeschäfte, bei denen Anleger Steuern zurückbekommen, die sie gar nicht bezahlt haben. Banker, Anwälte und Superreiche haben sie jahrelang genutzt um Milliarden aus Europas Steuerkassen zu stehlen. Christian Salewski war Teil eines europaweiten Recherchenetzwerks, das nachweisen konnte, dass die Geschäfte in einigen europäischen Ländern immer noch durchgeführt werden.

"Wir haben versucht einen Schaden zu berechen. Wir haben das sehr konservativ gemacht aber am Ende kamen wir auf 55 Milliarden in ganz Europa." Christian Salewski arbeitet als Reporter für Panorama, DIE ZEIT und Correctiv. Er ist Initiator Koordinator der #CumExFiles-Recherche.

Wie es ist auf einen Hochstapler hereinzufallen

Michéle Loetzner ist auf einen Hochstapler hereingefallen. Tim gab sich auf Tinder als Philosophie-Student aus, war zunächst zuvorkommend und charmant. Obwohl sie merkte, dass etwas nicht stimmte, ließ sie Tim für drei Wochen in ihr Leben. Durch Zufall fand sie weitere Frauen, die Tim zunächst umgarnt und dann ausgenutzt und schikaniert hatte. Im piqd Salon sprach sie das erste Mal öffentlich, über diese Geschichte, aus der sie und die anderen Frauen glücklicherweise gestärkt herauskamen.

"Er hat mich nicht gebrochen, aber er hat mir schon ganz schön viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Das ist bitter, aber das ist auch ein sehr geiler Arschlochradar." Michèle Loetzner ist Journalistin und hat mehrere geisteswissenschaftliche Abschlüsse. Foto: Christian Brechens

Wie Europas extreme Rechte die Medien gleichschalten will

Die taz ist Teil des europäischen Rechercheprojekts „Europe’s Far Right Research Network“, das bis zu den Europawahlen im Mai 2019 über Europas extreme Rechte und deren mediale Präsenz recherchiert und berichtet. Im ersten Beitrag des Projekts in der taz wird der Blick auf Ungarn, Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und Polen gerichtet.

"Wir haben festgestellt, dass sich die Strategien der rechten Parteien im Bezug auf die Medien sehr ähneln: das eine ist der Angriff auf die etablierten Medien, das andere ist der Aufbau einer eigenen Medienöffentlichkeit." Malene Gürgen ist Redakteurin bei der taz. Sie arbeitet derzeit vor allem an den taz-Rechercheprojekten #europesfarright und #netzwerkafd.

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piqd HINTERGRUND #18
Der Brexit gefährdet den Frieden auf Irland

piqd HINTERGRUND #18

Der Brexit gefährdet den Frieden auf Irland

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Susanne Klingner, Till Ottlitz und Lukas Schepers erzählen ihre Geschichten hinter der Geschichte: In Folge #18 des piqd HINTERGRUND geht es um den Brexit in Irland, Frauen in der Wirtschaft und einem Rechercheprojekt in Griechenland.

Der EU-Austritt bricht in Irland alte Wunden auf

Zwei Jahre sind seit dem Referendum über den Austritt Großbritanniens und Nordirlands aus der EU vergangen. Für die Bewohner der beiden Irischen Staaten könnte der Brexit besonders gravierende Folgen haben. Die gemeinsame EU-Mitgliedschaft erlaubt seit 20 Jahren eine “weiche” Grenze. Sollten durch den Austritt der Nordiren Zollstellen oder gar Grenzkontrollen wieder alltäglich werden, stellt das einen erheblichen Eingriff in den irischen Frieden dar. An der irischen Grenze hat Till Ottlitz für seinen Beitrag recherchiert und legt anhand zahlreicher Gespräche dar, welche Faktoren den Frieden möglich machen.

Till Ottlitz arbeitet als Journalist für Bayern 2 und PULS.

nέοs kόsmοs – Ein tiefer Einblick in die griechische Gesamtsituation

Fünf Wochen lang fuhr Lukas Schepers mit den Fotografen Philipp Meuser und Kolja Warnecke durch Griechenland um ein einzigartiges Rechercheprojekt auf die Beine zu stellen. Das Team sammelte unzählige Stunden an Audio- und Videomaterial sowie tausende Bilder aus denen sie ein interaktives Journalismuserlebnis schufen.

"Mir kam es immer so vor, als würden die Leute, auf deren Schultern das [Spar- bzw. Rettungsprogramm] ausgetragen wird, komplett ignoriert werden." Lukas Schepers arbeitet als freier Autor und Journalist und ist Mitherausgeber des jungen Literaturmagazins „nous“.

Plan W: Emotionen am Arbeitsplatz

Plan W ist das Wirtschaftsmagazin der Süddeutschen Zeitung mit einem Fokus auf Frauen in der Wirtschaft und die Veränderungen, die sie anstoßen. Etwa wenn es um Emotionen im Job geht. Für Frauen galt lange “Du darfst nicht am Arbeitsplatz weinen”, sagt Susanne Klingner, die Plan W mitkonzipiert hat und den Podcast produziert. Emotionale Reaktionen werden bei Männern viel eher toleriert als bei Frauen. Dafür wäre es aber verpönt als Mann Schwäche zu zeigen. Jedoch findet ein Wandel statt, der “authentische Mensch” nehme eine stärkere Rolle in der Unternehmenskultur ein.

"Die Episode geht auch dem Phänomen nach, dass ein Unterschied gemacht wird zwischen weiblichen Emotionen und männlichen Emotionen." Susanne Klinger ist Journalistin, Podcasterin und Mit-Gründerin von Hauseins.fm. Außerdem produziert sie unter anderem den Plan W Podcast der Süddeutschen Zeitung.

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piqd HINTERGRUND #14
„Ich war immer da“

piqd HINTERGRUND #14

„Ich war immer da“

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Florian Schairer spricht im piqd-Salon mit Pascale Müller, Kristina Forbat und Tobias Ginsburg über ihre spannenden Recherchen. In der vierzehnten Folge des piqd HINTERGRUND geht es um Missbrauch von Erntehelferinnen, die Lage in der Slowakei nach dem Journalistenmord und eine Undercover-Recherche bei Reichsbürgern.

Reichsbürger – von Verschwörungstheorien, einem Königreich und Umsturzplänen

"Es war Aufruhr, niemand hat mich recherchiert und ich war immer da." – Tobias Ginsburg

Tobias Ginsburg verbrachte für sein Buch mehrere Monate mit und bei Reichsbürgern. Der jüdische Autor und Regisseur hat quer durch Deutschland verschiedene Gruppierungen besucht, war Untertan eines Königreichs, machte mit bei Plänen zum Sturz der BRD GmbH und für ein germanisches Siedlungsprojekt in Russland. Dabei lernte er gewaltbereite Neonazis und friedensbewegte Esoteriker kennen. Aber auch Biedermänner, von denen manche heute für die AfD im Bundestag sitzen.

"Direkt bei meinem ersten Ausflug wurde relativ schnell klar, dass das weitaus mehr ist als dieses kuriose Gewächs von Extremismus. Hinter diesem scheinbaren Wahnsinn steckt System." Tobias Ginsburg erzählt in dieser Folge, wie es war, ein Jahr unter Reichsbürgern zu verbringen.

Unmenschlicher Umgang mit Erntehelferinnen in Spanien, Marokko und Italien

"Es ist ein riesiges, abgelegenes Gelände. Er könnte mich einfach irgendwo vergraben. Niemanden würde es interessieren, niemand würde es herausfinden." – eine marokkanische Erntehelferin in Spanien

Pascale Müller und Stefania Prandi haben sich auf eine aufwendige und gefährliche Recherchereise zu Erntehelferinnen in Spanien, Marokko und Italien begeben. Im piqd-Salon berichtete Pascale Müller von den Bedingungen vor Ort: Viele Frauen werden von ihren Vorgesetzten gedemütigt und geschlagen. Die beiden Journalistinnen haben mit über 100 Frauen gesprochen – 28 von ihnen wurden vergewaltigt. Nun gibt es neue Entwicklungen: Die Missstände werden nun auch im spanischen Parlament diskutiert. Es gab mehrere Anzeigen von Frauen gegen ihre Vorgesetzten.

"Kalima arbeitet auf einer Erdbeerfarm nur wenige Kilometer entfernt und das Leben dort ist die Hölle. [...] Und dann ist da ihr Vorgesetzter Abdelrahman, ein Mann aus Marokko. Der Fall bei Kalima war für uns so wichtig, weil Kalima dann im nächsten Satz gesagt hat: 'Ich will das jetzt anzeigen, wir fahren zur Polizei!'" Pascale Müller war monatelang in Spanien und Marokko unterwegs, um mit den Frauen zu sprechen, die unsere Erdbeeren pflücken.

Politischer Aktivismus in der Slowakei nach Journalistenmord

Nach dem Mord an Investigativ-Journalist Ján Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018 haben viele Slowakinnen und Slowaken ihren Unmut geäußert. Gerade junge Menschen haben begonnen, sich zu organisieren und regelmäßig zu demonstrieren. Kristina Forbat hat auf ihrer Recherchereise aktuelle und ehemalige Aktivisten getroffen und schildert in einer arte-Dokumentation die Stimmung vor Ort. Außerdem berichtet sie über die Korruption im Alltag vieler Menschen in der Slowakei.

 "Ich bin selber gebürtige Slowakin und hab mich gefragt: Was ist denn los in meinem Land? Massenproteste? Die gab's doch seit 1989 nicht mehr. Denn die Slowaken sind jetzt bislang nicht aufgefallen [...] als ein Volk, das regelmäßig massenhaft demonstriert." Kristina Forbat ist nach dem Mord am Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten durch die Slowakei gereist.

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piqd HINTERGRUND #5
Wenn Waisenkinder Eltern werden

piqd HINTERGRUND #5

Wenn Waisenkinder Eltern werden

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Was passiert, wenn zwei Waisenkinder selbst Eltern werden? Hat das Reformationsjahr 2017 außer Luther-Salami nichts zu bieten? Und wie ist eigentlich die Stimmung in der Ukraine? Wir sprechen über die besten Geschichten und ihre Geschichte: in Folge 5 des piqd HINTERGRUND.

Ohne Familien-Erfahrung zum Familienglück?

Sarah ist Halbwaise. Und seit kurzem Mutter. Als Stefan Kolbe und Chris Wright erfahren haben, dass sie schwanger ist, beschlossen sie ihr Radio-Feature fortzusetzen. Für ihre Reportage “Kleinstheim” hatten sie nämlich 2009 vier Jugendliche begleitet – unter ihnen Sarah. Sie folgten ihr in ihrem Alltag auf Schloss Krottorf in der Nähe von Magdeburg, einem Kinderheim. Es ist eine packende Reportage entstanden mit tiefen Einblicken in die Lebens- und Gefühlswelten der damaligen Teenager.

2017 knüpfen die Autoren an diese Geschichte an. Sarah und ihr Freund Daniel, ebenfalls im Heim aufgewachsen, gründen eine Familie. Damit überfordern sie nicht nur sich selbst, sondern auch die beiden Autoren. Einer davon, Chris Wright, hat mit uns über die Hintergründe gesprochen.

Ob Hartz IV als Existenzgrundlage wirklich ausreicht, ist umstritten. Auch die Idee, dass vor allem junge Menschen mit Sanktionen dazu gebracht werden müssen, zu arbeiten, wird mittlerweile von vielen Menschen als überholt angesehen. Der Grund für diese Idee der Strafen liegt für den Sozialwissenschaftler Stefan Sell vor allem im negativen öffentlichen Bild des Hartz IV-Empfängers.

„Worauf ich hinaus will ist, in den Köpfen vieler Menschen, die heute auf Hartz IV Empfänger gucken und das ist eigentlich das fatale, hat sich eine Sind-die-nicht-irgendwie-selber-schuld-an-ihrer-Situation-Sichtweise verankert.”
Stefan Sell

Gleichzeitig loben viele Ökonomen die Hartz-Gesetze als Grundlage für das deutsche Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Trotzdem werden die Rufe nach Veränderung immer lauter und mittlerweile kommen die nicht nur von Linken, sondern auch aus CDU, FDP, Grünen und auch von der AfD. Dabei ist auch immer häufiger der Wunsch nach einer Grundsicherung zu hören.

“Für die Linken ist das natürlich vielleicht gewissermaßen ein Träumchen. Allerdings will keine der Parteien, die jetzt im Bundestag vertreten sind, tatsächlich ein Grundeinkommen, geschweige denn ein bedingungsloses Grundeinkommen, einführen.”
Tina Groll, Zeit Online

Über welche Änderungen diskutieren die Parteien? Und kann es wirklich eine Lösung sein, Hartz IV einfach abzuschaffen? Antworten gibt es in der neuen Folge piqd Thema.

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