13. April 2018
von Katrin Rönicke
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Wie steht es um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland?

Wenn wir auf Deutschland schauen und die Umstände unter denen Menschen leben, würden wir dann von sozialer Gerechtigkeit oder eher von sozialer Spaltung sprechen? Welche Antwort auf diese Frage gegeben wird, kommt vermutlich stark darauf an, von wo aus man auf die Sache blickt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn etwa scheint zu finden, dass in Deutschland die soziale Sicherung total knorke ist. Aber sehen das die Empfänger_innen von Hartz IV genauso? Wie steht es wirklich um die soziale Gerechtigkeit in diesem Land? Finden wir es raus.

Den Aufschlag macht piqer Christian Huberts. Er ist Computerspiel-Experte und Redakteur für das Games-Bookazine WASD. Als bekennendes Sozialhilfekind hat er zugleich ein Auge für unfaire Regelsysteme. Ihn interessieren Diskurse der ökonomischen Nützlichkeit marginalisierter Gruppen und die Bedingungen des »Mitspielens« am soziokulturellen Leben. Wir sprechen unter anderem über seine piqs “Zufriedene, Verunsicherte, Enttäuschte – eine wenig beachtete Studie zur Wählerschaft im Jahr 2017” und “Sozialstaat: Angst statt Absicherung”.

Jérémie Gagné ist einer der Autoren der von Christian gepiqten Studie „Was verbindet, was trennt die Deutschen? – Werte und Konfliktlinien in der deutschen Wählerschaft 2017“. Im Podcast erzählt er vom Anlass der Studie und was sie vor allem im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2006 zeigt: Dass die Verunsicherung in den vergangenen elf Jahren breite Bevölkerungsschichten ergriffen und einen Nährboden für rechtspopulistische Bewegungen und Parteien geschaffen hat.
Woher diese Verunsicherung kommt, das untersuchten die Wissenschaftler_innen Sigrid Betzelt und Ingo Bode, deren Interview im Freitag ebenfalls von Christian gepiqt wurde. Ende 2017 veröffentlichten sie ein Papier mit dem Titel “Angst im Sozialstaat – Hintergründe und Konsequenzen” . Sie kommen zu dem Schluss, dass ein treibender Faktor für die neue soziale Verunsicherung und Angst die Hartz IV-Reformen waren, die von der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder angetrieben wurden.

Das führt mich zu Frida Thurm, Autorin bei ZEIT Online. Zusammen mit ihren Kolleg_innen wollte sie herausfinden, ob Menschen gut mit Hartz IV zurechtkommen – so wie Jens Spahn sich das vorstellt – oder nicht. Sie starteten eine Umfrage und bekamen über 900 Antworten. Das Gute an Spahns Provokation: Endlich kommen die Betroffenen zu Wort. Doch was sie berichten, ist weniger erbaulich: Zwei Drittel der 900 Antworten gaben an, nicht gut zurecht zu kommen. Und auch bei denen, die erklärten, es ginge, hören sich manche nicht sehr überzeugend an, wenn sie schreiben: “Ich hause im Schrebergarten” oder “Ich war schon immer arm, ich glaube nicht, dass ich aus der Unterschicht rauskomme”.
Mind the Gap

Wer Lust bekommen hat, mit anderen über das Thema Soziale Gerechtigkeit / Soziale Spaltung zu diskutieren, dem sei wärmstens die piqd-Facebook-Gruppe “Mind the Gap” empfohlen. Dort diskutieren piqd-Expert_innen und Leser_innen über mögliche Lösungen für das Ungleichheits-Problem, über Auswege aus Angst, Druck und Verunsicherung. Alle Infos dazu findet ihr in unseren Shownotes.

13. Oktober 2017
von Katrin Rönicke
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Armes Deutschland – 15 Jahre Hartz IV

Alle paar Jahre muss die Bundesregierung einen Armuts- und Reichtumsbericht vorlegen und wie der dann debattiert wird, das sieht schematisch immer so aus: Die Linke schimpft und die CDU sagt, dass es viel besser geworden ist und dass es den Deutschen doch ganz gut geht. Aber wie gut geht es den Leuten wirklich, die von Hartz IV betroffen sind? Was sagen Ökonomen, Soziologen und Juristinnen zur sogenannten Agenda 2010, also Hartz IV und seinen Folgen?

Darüber spricht Katrin Rönicke mit
* Christian Odendahl, Chefökonom des Londoner Centre for European Reform (CER)
* Anke Hassel, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung
* Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
* Anne Lenze, Professorin für Familienrecht, Jugendrecht und Sozialrecht an der Hochschule Darmstadt