13. Oktober 2017
von Katrin Rönicke
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Armes Deutschland – 15 Jahre Hartz IV

Alle paar Jahre muss die Bundesregierung einen Armuts- und Reichtumsbericht vorlegen und wie der dann debattiert wird, das sieht schematisch immer so aus: Die Linke schimpft und die CDU sagt, dass es viel besser geworden ist und dass es den Deutschen doch ganz gut geht. Aber wie gut geht es den Leuten wirklich, die von Hartz IV betroffen sind? Was sagen Ökonomen, Soziologen und Juristinnen zur sogenannten Agenda 2010, also Hartz IV und seinen Folgen?

Darüber spricht Katrin Rönicke mit
* Christian Odendahl, Chefökonom des Londoner Centre for European Reform (CER)
* Anke Hassel, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung
* Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
* Anne Lenze, Professorin für Familienrecht, Jugendrecht und Sozialrecht an der Hochschule Darmstadt

1. September 2017
von Katrin Rönicke
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Immer nur Mutti!

“Kinder sind Schlafräuber – aber nicht für Väter” – so lautete der Titel eines piqs von Nils Pickert im Kanal „Liebe, Sex und wir“. Nils hatte am Equal Care Day, am ersten März, eine Studie gefunden, die zeigte, dass Mütter aufgrund ihrer Kinder zu wenig Schlaf bekommen – Väter aber nicht. Die Studie zeigte, dass Väter nach der Geburt eines Kindes in der Regel weder Schlaf, noch sonst irgendwas einbüßen. Wie kann das sein? Warum immer Mutti? Die Frage nach Mutti ist die Frage nach einem der am härtesten umkämpften Leitbilder in Deutschland.

Andrea Harmonika ist Bloggerin und Buchautorin. Schon seit Jahren werden auf Kosten der Mütter Klicks generiert, stellt sie fest. Sie seziert in ihrem viel beachtetem Blogtext “Deine Mudder” die Medienlandschaft von FAZ, taz, über Huffington Post bis Spiegel und deren Blick auf Mütter. Ein Erstes, was auffällt: Viele verwechseln die Begriffe „Mutter“ und „Eltern“.

Bei Nils Pickert ist das anders organisiert. Er hat vier Kinder und in seiner Familie geht die Mutter “Dachen jagen”, wie er sagt – also einer Erwerbsarbeit nach, er hingegen ist als Selbstständiger, der sich seine Zeit freier einteilen kann, der Hauptverantwortliche für die Kinder. Für ihn und seine Familie ist nichts selbstverständlicher – aber die Umwelt reagiert oft irritiert.

Barbara Vinken ist Professorin für vergleichende und französische Literaturwissenschaft an der Universität München und Autorin von Büchern über die Mutter und über Mode. Ihr Werk “Die Deutsche Mutter” betrachtet die Geschichte unseres heutigen Mutterbildes. Und diese beginnt in der Reformation, bei Luther. “Luthers Bestreben war es, die Familie zum neuen sakralen Raum zu machen”, berichtet Vinken.

6. Januar 2017
von Katrin Rönicke
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piqd017 Der Polenerklärer

Denn allzu oft wird nur die düstere Seite Polens beleuchtet: Rechts, konservativ, ausländerfeindlich, fortschrittsfeindlich gar sei die Nation, die mit absoluter Mehrheit 2015 die PiS gewählt hat, eine rechts-konservative Partei, an deren Spitze Jarosław Kaczyński steht. Einer, der als Hardliner gilt. Tatsächlich hat sich seit dem Sieg seiner Partei vieles geändert: Das Verfassungsgericht wurde einmal ausgetauscht und seiner Macht beschnitten, die staatlichen Medien wurden umgekrempelt. Doch Ulrich Krökel mahnt: Polens Demokratie liegt nicht im Sterben. Freie Presse gibt es immer noch. Auch ein Jarosław Kaczyński hat kein Interesse an einem EU-Austritt Polens, denn die Europäische Union erfreut sich in der Bevölkerung nach wie vor großer Beliebtheit.

Was also tun? Differenzieren eben. Zuhören. Hinschauen. Was sich in Polen 2015 ereignete kann als Prototyp für den Brexit 2016 und die Wahl Donald Trumps gesehen werden: Eine Bevölkerung, die vom “Establishment” genug hat, eine, die in Stadt vs. Land, Jung vs. Alt und liberal vs. rechtskonservativ gespalten ist – ein Omen für die Bundestagswahl 2017? Hinschauen, lernen und differenzieren sind immer ein wichtiger Anfang, um jenseits von Filterblasen und Gräben gemeinsame Politik gestalten zu können und Populisten weniger Angriffsfläche zu bieten.